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ÖH-Wahl 2021: RFS-Spitzenkandidatin Gudrun Kofler im Gespräch

Von 18. bis 20. Mai stehen die diesjährigen ÖH-Wahlen an, bei denen die Karten wieder neu gemischt werden. Gewählt werden die Studierendenvertretung, die Universitätsvertretung und die Bundesvertretung. Die Zeitlos führte Interviews mit allen Innsbrucker Spitzenkandidat*innen. Heute in der Interviewreihe: das Gespräch mit der Spitzenkandidatin des Ring Freiheitlicher Studenten – Gudrun Kofler.

Die Zeitlos: Um anzufangen, stell dich doch bitte in zwei Sätzen vor!

Gudrun Kofler: Mein Name ist Gudrun Kofler, ich komme ursprünglich aus Südtirol und studiere Rechtswissenschaften und Germanistik in Innsbruck.

Was ist eure Meinung zur Art der Durchführung der ÖH-Wahl in Pandemiezeiten? Welche Herausforderungen ergeben sich?

Die Durchführung der Wahl ist dieses Jahr insofern schwieriger, da zum einen kein normaler Wahlkampf möglich ist und andererseits es auch schwierig sein wird, die Studenten zum Wählen zu bringen. Wir hatten ehrlich gesagt die Hoffnung, dass es dieses Jahr anders stattfindet, dass vielleicht auch die Möglichkeit besteht, mehr online abzuhandeln, als in anderen Jahren. Aber das Ministerium hat dem leider eine Absage erteilt und gesagt, dass die Wahl nach wie vor in Präsenz stattfinden muss und auch die Briefwahlkontingente nicht aufgestockt werden, was wir als Wahnsinn empfinden. Dann hat man auch ziemlich erschwert, die Unterstützungserklärungen zu sammeln, wo wir uns gedacht haben, dass das auch vereinfacht werden könnte. Aber wenn man nicht mit Mandat vertreten ist, hat man trotzdem wie immer die Unterschriften sammeln müssen, was teilweise auch den Abstandsregeln widerspricht. Das ist nicht wirklich was, wenn alle den gleichen Kugelschreiber verwenden und man alle anquatschen muss. Und ansonsten ist es schwierig, weil sehr wenige am Studienort sind, und man deswegen keine Face-to-Face-Gespräche führen kann. Und jetzt müssen wir erst einmal schauen wie unterirdisch die Wahlbeteiligung sein wird.

Und damit leitest du bereits die nächste Frage ein: Auch dieses Jahr ist wieder mit wenigen Stimmabgaben zu rechnen. Was tut eure Fraktion, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen?

Was wir innerhalb der Mitgliedschaft machen, ist aufzurufen, dass wirklich alle zur Wahl gehen sollen, natürlich auch um Stimmen zu generieren.  Aber wofür wir auf jeden Fall sorgen ist: Wir machen quasi täglich darauf aufmerksam, dass man die Briefe für die Briefwahl beantragen soll. Zusätzlich telefonieren wir die Leute ab und versuchen, sie auf die Uni zum Wählen zu bringen. Aber es ist schwierig – nicht nur weil wenig Leute am Studienort sind, sondern auch, weil wir uns an die Corona-Regeln halten müssen. Man kann weder Corona-Partys organisieren oder Bier und Würstel ausgeben noch „Standln“ aufstellen. Es ist einfach schwierig unter diesen Umständen.

Es gab viel Kritik an der neuen UG-Novelle. Wie steht ihr zur vieldiskutierten neuen Novelle des Universitätsgesetzes?

Wir sind grundsätzlich schon der Meinung, dass sich jetzt eh einiges gebessert hat. So wie die neue UG-Novelle am Anfang aussah, hatte wahrscheinlich jede Fraktion etwas dagegen. Grundsätzlich sind wir, als RFS, sehr leistungsbezogen. Selbst wenn eine bestimmte Anzahl ECTS in einer gewissen Zeit verlangt werden, denken wir, dass das schaffbar ist. Ich bin selbst Teilzeitstudent und Mama von zwei Kindern und schaffe es trotzdem in einer gewissen Zeit die ECTS zu machen. Trotzdem ist es aber so, dass die UG-Novelle das Studieren wieder erschwert und unsere Meinung dazu ist, dass jegliche Steine, welche einem Studenten in den Weg gelegt werden, abzulehnen sind. Aber es hat sich schon einiges gebessert jetzt bei der Anpassung der neuen UG-Novelle. Grundsätzlich ist aber alles was das Studieren erschwert, abzulehnen.

Was ist eure Meinung zur Online-Lehre und welche Bilanz zieht ihr nach einem Jahr?

Also bezüglich der Digitalisierung sind wir von der allgemeinen Umsetzung wirklich begeistert. Vor allem im Vergleich zum Anfang vom letzten Sommersemester hat sich sehr viel getan. Wir hoffen, dass viel in diese Richtung von der Uni erhalten bleibt. Vor allem für Berufstätige ist das sinnvoll. Was wir aber klar kritisieren ist die Vernetzung. Die Vernetzung funktioniert nicht, die Betreuung funktioniert nicht zwischen Professoren und Studenten und auch der wissenschaftliche Austausch findet nicht statt. Und deswegen muss so schnell wie möglich wieder die Präsenzlehre her. Unser Standpunkt: Digitalisierung ist super, aber sie soll nicht die Präsenzlehre ersetzen.

In den letzten Wochen und Monaten sorgte das Treiben am Sonnendeck wieder für Schlagzeilen. Seid ihr für Verbote oder gibt es sinnvollere Lösungen?

Der RFS sieht das etwas anders als der blaue Vizebürgermeister in Innsbruck. Wir als RFS können natürlich nachvollziehen, dass sich die jungen Leute vernetzen und zusammenkommen wollen. Vor allem wenn man dieses oder letztes Semester angefangen hat, hat man vielleicht noch keine Kontakte im Studium. Wir sehen ein Platzverbot als nicht sinnvoll. Ein Thema ist das Signal, das man vermittelt. Immerhin müssen wir uns alle an Maßnahmen halten und dann gibt es eine Gruppe, die sich darüber hinwegsetzt und sich trotzdem versammelt. Trotz allem sind wir als Freiheitliche grundsätzlich gegen Verbote, nachdem sich das Sonnendeck im Freien befindet und sich die Aerosole hauptsächlich in Innenräume verbreiten. Vielleicht kann man das mit den Menschen am Sonnendeck ausmachen. Im Grunde sind wir gegen ein Platzverbot.

In eurem Bundesprogramm sprecht ihr von ÖH-Zwangsmitgliedschaft und wollt den ÖH-Beitrag durch ein anderes Prinzip ersetzen. Wie soll das aussehen?

Meiner Meinung nach ist das mit einem anderen Prinzip noch schwierig. Für mich generell ein großes Thema ist die Zwangsmitgliedschaft an sich, weil teilweise die ÖH-Gelder für Dinge verwendet werden, wo nicht alle Fraktionen mitgehen, weil politische Zwecke dahinterstehen. ÖH-Gelder wurden bereits für die irrwitzigsten Kurse und Seminare oder für Fahrten zu Demonstrationen ausgegeben. Ich glaube man muss schon anerkennen, egal welcher politischen Richtung man angehört, dass nicht alle Studenten wollen, dass ihr Geld dafür ausgegeben wird und sie somit Dinge mittragen, die sie politisch oder ideologisch vielleicht nicht vertreten. Und deswegen gehört die verpflichtende ÖH-Mitgliedschaft abgeschafft. Was die Finanzierung der Universitäten oder der Betreuungsstruktur für Studenten betrifft, glaube ich wäre der Staatsapparat mehr gefordert. Oder man sagt man macht ÖH-Gelder rein zweckgebunden, um mehr Mitspracherecht zu erreichen. Früher hat die ÖH Umfragen gemacht, wo man angeben konnte, wie man glaubt, dass ÖH-Geld am besten ausgegeben werden kann. Ich glaube, wenn, dann braucht es mehr Kontrolle, aber im Grunde lehnen wir diese Zwangsmitgliedschaft ab.

Außerdem sprecht ihr euch gegen verpflichtende regelmäßige Corona-Tests an den Unis aus. Wieso und wie wollt ihr dann die Sicherheit an den Hochschulen gewährleisten?

Der Freiheitsgedanke ist uns dabei extrem wichtig. Es darf keinen direkten oder indirekten Test- oder Impfzwang geben, weil die Bildung und die Freiheit der Wissenschaft und Lehre ein so hohes Gut ist, das für niemanden eingeschränkt werden darf. Was die Sicherheit betrifft: Mittlerweile gibt es genug Forschungsansätze und Studien dazu, dass man andere Möglichkeiten heranziehen sollte. Ich persönlich kann mir Nasenflügeltests schon vorstellen. Wenn das dazu dient, dass wir wieder auf die Uni dürfen, dann lass ich mir das schon einreden. Wenn ich mich aber mit diesen Antigentests drei Mal in der Woche testen lassen muss, ist das schon ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit, auch, wenn einem nichts passiert, um das geht’s nicht. Es geht darum, dass ich ein Recht auf Bildung habe und ich mich dazu verpflichtet fühle, das auszuführen und dann werde ich aber dazu genötigt, mich drei Mal in der Woche testen zu lassen. Wenn das freiwillig passiert, ist das völlig in Ordnung und ich gehe auch davon aus, dass viele Studenten das freiwillig machen werden. Wenn ich jetzt zum Friseur geh, dann ist das eine freie Entscheidung, weil ich kann auch sagen: „Ich geh nicht zum Friseur und will mich nicht testen lassen.“ Aber was die Uni betrifft: Da findet schon ein indirekter Testzwang statt, weil ich will ja studieren und mich weiterbilden. Sicher kann ich viele verstehen: „Jetzt macht doch nicht so einen Aufstand wegen dieser Tests“, aber es geht da um Grundsatzfragen. Wir sind grundsätzlich gegen jegliche Art von Zwang. Was die Sicherheit an den Universitäten betrifft: Alles was dazu dient, dass man auf die Universität kommt und was mit den freiheitlichen Grundsätzen vereinbar ist, da sind wir dafür, wie zum Beispiel Masken. Damit haben wir kein Problem. Masken- und Abstandspflicht sind in Ordnung.

Gudrun Kofler (© RFS Tirol)

Was ist euer Wunsch für die Zukunft für Studierende in Innsbruck?

Also was wir uns auf jeden Fall wünschen ist, dass so schnell wie möglich wieder ein normales Studieren an der Universität stattfinden kann. Und, dass man sich da als Universität nicht so leicht dem Diktat der Regierung beugt, sondern dass man als Uni auch seine Möglichkeiten nutzt und sagt: „Wenn sich viele Studenten freiwillig testen lassen wollen, können wir auch einen Testcontainer herstellen, aber es darf kein Zwang werden.“ Meine persönliche Sache ist: Mit den Nasenflügeltests kann ich mich anfreunden, auch wenn man da wiederum nicht weiß, wie aussagekräftig sie genau sind. Wobei man das ja bei Schülern auch drei Mal die Woche macht. Was wir uns ganz stark wünschen ist, Bildung statt Indoktrination. Es soll wirklich Bildung sattfinden und Dinge wie Genderzwang haben unserer Meinung einfach keinen Platz auf der Uni, weil es weder wissenschaftlich begründet ist noch dazu dient, dass man ein Geschlecht sichtbarer macht. Zu diesen Dingen sagen wir: „Das lenkt von den wirklichen Problemen ab, dass zu wenig Geld für Bildung da ist, dass der Betreuungsschlüssel gar nicht mehr passt und teilweise viel zu viele Studenten in einem Studiengang sind und dann das Studium drunter leidet.“ Und, dass das Studium allgemein flexibler werden sollte. Wir finden das Interdisziplinäre auch extrem wichtig und früher in den Diplomstudiengängen war das auch stärker vertreten. Jetzt mit dem Bologna-System findet das kaum mehr statt und wir halten das für extrem wichtig. Auch der Austausch zwischen Professoren und Studenten und der allgemeine wissenschaftliche Austausch muss frei von Ideologie sein und es muss möglich sein, dass man, ohne politische Ideologie reinzubringen, frei forschen und frei studieren kann und das darf einfach keine Rolle spielen an der Universität.

Vielen Dank für das Gespräch und deine Zeit!

 

Hier geht es zu den Interviews mit den anderen Spitzenkandidat*innen der jeweiligen Fraktionen: AGVSStÖ, GRAS, JUNOSKSV-KJÖ und KSV-LiLi.

Bilder: © ÖH Innsbruck / © RFS Tirol

Instagram: @gudrun_kofler / @rfs.tirol

ein Innsbrucker, der gerne diskutiert, lacht, raunzt, isst und trinkt!