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ÖH-Wahl 2021: JUNOS-Spitzenkandidat Lukas Schobesberger im Gespräch

Von 18. bis 20. Mai stehen die diesjährigen ÖH-Wahlen an, bei denen die Karten wieder neu gemischt werden. Gewählt werden die Studierendenvertretung, die Universitätsvertretung und die Bundesvertretung. In den kommenden Tagen möchten wir euch nun die Spitzenkandidat*innen vorstellen. Das heutige Interview haben wir mit dem Spitzenkandidaten der JUNOS – den Jungen liberalen NEOS – Lukas Schobesberger geführt.

Die Zeitlos: Kannst du dich und die JUNOS in 2 Sätzen vorstellen?

Lukas Schobesberger: Ich bin Lukas Schobesberger, 24 Jahre alt und schließe gerade meine beiden Studiengänge Wirtschaftswissenschaften und Soziologie ab und ich bin seit zwei Jahren Mandatar an der ÖH Innsbruck und freue mich bei dieser Wahl Spitzenkandidat zu sein. Wir JUNOS sind die liberale Studierendenfraktion und bieten eine pragmatische Alternative, die sich mit realistischen und innovativen Konzepten und mit einer Politik der Mitte für die Studierenden einsetzt und Unis und FHs verbessern und studierenden-freundlicher machen will.

Wie seht ihr die Universitätsgesetz (UG)-Novelle, die ja teilweise am 1. Oktober 2021 in Kraft treten soll?

Die UG-Novelle sehen wir als verpasste Chance für mutige Reformen und spürbare Verbesserungen. In der Novelle sind die echten Probleme der Studierenden nicht enthalten. Das Betreuungsverhältnis wird nicht verbessert, das Studium wird nicht flexibler gemacht, Digitalisierungsrückstände werden nicht aufgeholt. Das Schlimmste ist, dass Studierende nicht mitbestimmen konnten, was in der Novelle steht. Besonders hier hätte es eine starke ÖH gebraucht.

Was wollt ihr tun, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen?

Gute Frage. Es ist natürlich angesichts der Corona-Zeit eine große Herausforderung, die Studierenden zum Wählen zu bewegen. Die Wahlbeteiligung ist in den letzten Jahren massiv gesunken und spiegelt eigentlich wider, wie viel den Studierenden die Arbeit der ÖH wert ist. Und es wundert mich überhaupt nicht, dass viele Studierende den Sinn der ÖH nicht sehen. Die ÖH muss hier wesentlich transparenter und aktiver werden, sie muss näher an die Studierenden. Wir sind nämlich überzeugt, dass wenn wir gute Arbeit leisten und die Mitbestimmung von Studierenden fördern, auch die Motivation zu Wählen steigt.

Was sagt ihr dazu, dass nicht ermöglicht wird, die Wahl coronakonform abzuhalten?

Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, wie immer, die drei Ebenen der Bundesvertretung, Hochschulvertretung und Studienvertretung im Uni-Gebäude zu wählen. Dann gibt es die Möglichkeit, über die Briefwahl zu wählen, allerdings nur die Bundesvertretung sowie die Hochschulvertretung nicht aber die Studienvertretung. Das ist ein Hindernis, das wir kritisieren. Wir haben schon lang gefordert, digital wählen zu können. Das wäre zeitgemäß und unkompliziert und würde die Briefwahl ersetzten, welche Unmengen an Druck- und Transportkosten freisetzt; das Betreiben einer Website kostet beinahe nichts und ist umweltfreundlicher. Wir sprechen hier von tausenden Briefkuverts, die durchs ganze Land kutschiert werden. Was ist daran simpel und nachhaltig?

Die Online-Wahl würde auch sicherlich zu einer höheren Wahlbeteiligung führen.

Die JUNOS haben sich schon bei der Wahl 2019 für die Digitalisierung von Lehrveranstaltungen (LV’s) eingesetzt. Wie steht ihr jetzt zur digitalen Lehre und welche Bilanz zieht ihr aus den letzten Semestern?

Wir stehen immer noch für einen Ausbau der digitalen Infrastruktur als Ergänzung zur normalen Präsenzlehre. Hier haben sich in den letzten Semestern gigantische Probleme aufgetan: Es hat sich am Beginn der Coronakrise verdeutlicht, wie schlecht es um die Digitalisierung an den Unis bestellt ist. Wir brauchen dringend flächendeckend Livestreams, Aufzeichnungen oder andere innovative Lernmethoden wie Massive Open Online Courses. Und für einen ausgewogenen Unialltag braucht es beides: Online und Präsenz. Deshalb haben wir das Konzept der Hybrid-Lehre, um Studierenden die Wahl zu bieten, wie sie an LV’s teilnehmen wollen. Das bietet maximale Flexibilität, angepasst an die unterschiedlichen Lebenssituationen und Präferenzen der Studierenden. Die Technik würde das auch ermöglichen, es muss nur gemacht werden.

Kommen wir nun zu eurem Wahlprogramm. Welche Punkte finden sich darin?

Erstens, eine Reform des gesamten Beihilfen- und Stipendiensystem: die Erhöhung der Maximalbeihilfen und die Anpassung an die realen Lebenssituationen der Studierenden. Zusätzlich zum existenzsichernden Beihilfensystem wollen wir das Stipendiensystem ausbauen und sichtbarer machen.

Zweitens, die Ausfinanzierung der chronisch unterfinanzierten Unis. Wir haben hier ein fundiertes Konzept bestehend aus drei Säulen. Säule 1 heißt mehr Geld vom Staat, wir fordern zwei Prozent vom BIP*. Die Säule 2 bedeutet mehr Drittmittel, Österreich liegt hier verglichen mit dem OECD-Schnitt (1/3 der Finanzierung aus Drittmitteln) sehr schlecht, nämlich bei nur 9%. Säule 3 besteht aus nachgelagerten Studienbeiträgen, die einkommensabhängig zurückbezahlt werden sollen, sobald man mit beiden Beinen im Berufsleben steht und über 1300 Euro verdient. Für den Einzelnen ein kleiner Beitrag von 8%, im Gesamten erwarten wir so aber allein in Innsbruck pro Jahr 25 Millionen Euro, die direkt in die Uni und das Studium fließen.

Drittens fordern wir klare Perspektiven und Visionen für die Zukunft. Wir Studierende brauchen in der Coronakrise klarere Kommunikation. Wir müssen aus den drei vergangenen Semestern Lehren ziehen, und schauen, dass das Studium flexibler gestaltet und an die verschiedenen Lebenssituationen angepasst werden kann.

Alles weitere steht im ausführlichen Programm (Programm Innsbruck, Bundesprogramm).

Wie soll das länderübergreifende Öffi-Ticket aus dem Innsbrucker Programm umgesetzt werden, wenn es nicht einmal ermöglicht werden kann, billigere Tickets für öffentliche Verkehrsmittel lokal umzusetzen, wie aus eurem Interview mit der Gemeinderätin Julia Seidl hervorgeht?

Grundsätzlich ist das möglich, wenn man die Menschen wählt, die das umsetzten wollen. Aus dem Gespräch mit der Gemeinderätin geht hervor, dass man das mit konkreten Konzepten erreichen kann (Anm. d. Redaktion: siehe Instagram @junos_uni_innsbruck). Man braucht hier klare Pläne und die richtigen Leute. In Innsbruck sind 45 % internationale Studierende, und es ist sinnfrei, dass man mit dem Studiticket von St. Anton nach St. Johann fahren kann, aber nicht von Innsbruck nach Bozen, nur weil hier eine Staatsgrenze dazwischen liegt. Wir fordern hier europäische Lösungen, die nicht an irgendwelchen Nationalismen scheitern.

Ihr wollt Studierenden mehr Praxiserfahrung ermöglichen. Und auch wenn das trotz Corona möglich wäre, würde das den Zeitaufwand von Studierenden nicht sprengen?

Wir wünschen uns den Ausbau von Angeboten, Praxiserfahrungen sammeln zu können und stehen grundsätzlich sehr für Freiwilligkeit. Wir wollen niemanden zwingen, mehr Praxis machen zu müssen. Aber ich bin davon überzeugt, dass viele sich über das Angebot freuen würden und es steht fest, dass Praxiserfahrungen Studierenden dabei helfen können, das theoretisch gesammelte Wissen zu festigen und extra Erfahrung und Wissen dazuzugewinnen.

Noch eine Frage zu eurer Forderung im Bundesprogramm nach besser finanzierten und dadurch qualitativ hochwertigeren Universitäten unter anderem durch nachgelagerte Studienbeiträge. Wie sollte dieses Konzept fair gestaltet werden, wenn die Rückfinanzierung einkommensabhängig sein sollte?

Einkommensabhängige Rückfinanzierung ist genau deswegen fair, weil sie einkommensabhängig ist. Es wäre unfair, wenn das nicht so wäre und alle gleichviel bezahlen müssten. Für diejenigen, die weniger verdienen ist es ein Vorteil, weil nach dreißig Jahren, wie immer bei Staatsdarlehen, der Kreditausfall eintritt. Durch nachgelagerte Studienbeiträge hätten Universitäten mehr Budget, welches sie direkt in den Studienplatz stecken könnten. Fair ist es eben deswegen, weil auf die Lebenssituation und das verfügbare Einkommen geschaut wird. So kann der Beitrag sozial vertretbar und gerecht sein.

©Lukas Schobesberger

©Lukas Schobesberger

Was sind eure Pläne für die Zukunft und welche Wünsche habt ihr für das nächste Jahr als JUNOS?

Neben den Wünschen, dass Corona uns irgendwann gestohlen bleibt und wir zurück an die Uni können, wollen wir wirklich mitgestalten und anpacken und unsere Visionen umsetzen, weil wir überzeugt sind, dass diese den Studierenden Verbesserungen bringen. Wir treten bei dieser Wahl nicht an, um wieder zwei Jahre in der Opposition zu sein. Wir wollen arbeiten und hoffen, dass die Wahl und die Studierenden uns die Chance geben, zu zeigen, was wir alles schaffen können. In zwei Jahren Funktionsperiode geht viel, wenn man arbeitet.

 

 

Danke für das Interview und viel Glück bei der kommenden Wahl.

 

*Bruttoinlandsprodukt

 

 

Bilder 1 (Beitragsbild): ©ÖH und JUNOS Innsbruck
Bild 2: © Lukas Schobesberger