Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

ÖH-Wahl 2021: Die Spitzenkandidat*innen der GRAS im Gespräch

Zu den ÖH-Wahlen ist es nicht mehr lange hin. Felicia Ladig und Simon Boehncke erzählen uns, wie sie die Uni in Zukunft gestalten wollen. Es soll grüner werden – und chancengleicher. Bei der diesjährigen ÖH-Wahl werden wieder Goodie-Bags gepackt, Plakate geklebt und auch ein Interview mit Der Zeitlos geführt:

 

Die Zeitlos: Wie würdet ihr die GRAS in zwei Sätzen vorstellen?

Felicia: Ausgeschrieben bedeutet GRAS Grüne Alternative StudentInnen und wir sind StudienvertreterInnen für eine grüne und soziale Uni. Damit sind wir auch eine Fraktion der ÖH Innsbruck und uns gibt es sowohl lokal in Innsbruck als auch bundesweit als Bundes-GRAS.

Wie steht ihr zur Novellierung des Universitätsgesetzes?

Simon: Wir haben zwei große Kritikpunkte. Einmal kann man schon fast von „Entdemokratisierung“ im Senat sprechen. Der/Die DirektorIn wird nicht vom Senat selbst gewählt, sondern vom Universitätsrat und den dortigen PolitikerInnen. Die Mindest-ECTS sind jetzt 16, was glücklicherweise nicht viele sind. Dennoch denken wir, dass das Menschen benachteiligt, die von Krankheiten betroffen sind oder Schicksalsschläge erlitten haben und außerdem wird damit der Abschluss in den Fokus gestellt. Es gibt Leute, die wollen die Universität der Bildung wegen besuchen. Das wird dadurch unmöglich. Ein positiver Punkt, den wir gefunden haben: Außerschulische Praktika können jetzt anerkannt werden.

Was wären notwendige Schritte, um die niedrige Wahlbeteiligung zu erhöhen? (2019 waren es nur 26,7%)

F: Für mich steht klar im Vordergrund, dass man den Wahlzugang für Studierende vereinfacht. Gerade im Pandemiejahr hätte man die Wahl bundesweit digitalisieren sollen. Das kritisieren wir sehr an der ÖH. Außerdem braucht es flächendeckende Informationen über die ÖH-Wahl, beispielsweise über die Uni-App, per Post, E-mail, eben über alle Wege, um uns Studierende zu erreichen. Für die nächste Wahl sollten bereits die Erstsemestrigen mehr aufgeklärt werden, weil viele Studierende gar nicht wissen, dass das Uniparlament überhaupt existiert und wie es funktioniert. Das muss Normalität werden.

Wir glauben schon auch, dass bei der diesjährigen Wahl viele auf die Briefwahl anspringen werden. Bei vielen scheitert es da bereits an der Authentifizierung, die dauert vielleicht zwei Minuten und es kommt einem viel komplizierter vor als es ist. Das hat auch mit der Vermarktung zu tun.

Was haltet ihr davon, wie die diesjährige Wahl hinsichtlich der Corona-Maßnahmen abgehalten wird?

S: Wir finden es schade, dass sie so stattfindet, weil wir sowieso eine geringe Wahlbeteiligung erwarten. Es hätte bessere Alternativen gegeben. Meiner Meinung nach hätte man über eine Online-Wahl nachdenken können, wie sie an der Universität Zürich funktioniert hat. Ich verstehe aber, wenn es demgegenüber Bedenken gibt. Es gibt noch eine viel einfachere Alternative, wenn alle Studierende einen Brief mit den Unterlagen bekommen, die sie für eine Wahlkarte brauchen, ungefragt. Das würde nicht schaden, ist nicht teuer, aber effektiv, wurde aber leider nicht gemacht. Ich glaube, dass sich die eher konservative AG einen Vorteil ausrechnet, dadurch, dass sie mehr einheimische WählerInnen vor Ort hat als linke Parteien. Wobei ich denke, dass die Klimakrise gerade so brennend ist, dass sie da aufwiegen wird. 

Was ist eure Meinung zu der digitalen Lehre und welche Bilanz zieht ihr nach einem Jahr Online-Uni?

F: Die digitale Lehre ersetzt meiner Meinung nach keinen Präsenzunterricht, die Uni besteht nicht nur aus Vorlesungen. Klar kann man sagen, es hat jetzt mit Ach und Krach funktioniert, aber es ist keine langfristige Alternative. Trotzdem kann man ein digitales Lehrangebot weiter anbieten, also beispielsweise Lehrveranstaltungen aufzeichnen. Man hat doch gemerkt, dass an der Universität der Fokus sehr auf der Forschung liegt und gerade die Umstellung auf die Onlinelehre schwergefallen ist. ProfessorInnen haben teilweise nur Vorlesungen von letzten Jahren hochgeladen und sich wenig gekümmert. Man hat sich oft gefragt: Was soll das? Wo ist meine Vorlesung, wo ist meine Prüfung? Am MCI hat es wesentlich besser funktioniert, weil da der Fokus wirklich mehr auf den StudentInnen liegt. Wir setzen uns mit vielen anderen Organisationen dafür ein, dass die Universität wieder mehr zu einer Bildungseinrichtung wird und nicht zu einer Forschungseinrichtung verkommt.

Welche weiteren Probleme seht ihr an der Universität Innsbruck und wie wollt ihr diese angehen?

S: Einmal ist die Universität weit davon entfernt, klimaneutral zu sein, könnte das aber leicht ändern und wüsste auch wie. Man kann Solaranlagen und plastikfreie Automaten installieren. Ein sehr großer Punkt ist auch Grünes Divestment, dass also die Uni ihre Gelder in nachhaltigen Fonds anlegt. Und wohin zahlen wir unseren ÖH-Beitrag? Das ist ein großer Faktor, weil die Sparkasse eben nicht nachhaltig ist. In Österreich gibt es auch keine grüne Bank wie in Deutschland. Dann die Chancengleichheit, denn die Uni ist natürlich Schauplatz des Geschehens. Hier könnte man mit finanzieller Unterstützung entgegenwirken und bei Aufnahmeverfahren z. B. das Losverfahren anstatt Aufnahmeprüfungen (zB 40% der Plätze über Losverfahren) in Fächern wie Medizin, Psychologie oder Zahnmedizin sowie kostenlose Vorbereitungskurse anbieten.

Wie sieht eure Vorstellung einer „klimaneutralen Uni bis 2030“ aus?

Punkt 1 ist es, eine CO2-neutrale Infrastruktur zu erlangen, beispielsweise über den Ausbau des Fahrradnetzes oder kostengünstige öffentliche Verkehrsmittel bis aufs Land, aber auch CO2-neutrale Verwaltung. Es gehört eine Mensa dazu, die regionales und zusätzlich ein veganes Gerichtsangebot hat. Wir wissen, dass Fleisch für sehr viel CO2-Ausstoß verantwortlich ist. Dazu könnten wir die Uni begrünen, d. h. keine betonierten Innenhöfe, keine ungenutzten Dächer. Konkret im Fokus steht, dass wir die Gebäude CO2-neutral bekommen: Photovoltaikanlagen auf die Dächer, die Gebäude auf den Passivhausstand sanieren oder Ökostrom beziehen. Allein bei der Baustelle für das neue Universitätsgebäude auf dem Geiwi-Gelände zeigt sich das: Wir brauchen eine geringe graue Bauenergie bei Neubauten, umweltfreundliche und recyclebare Baustoffe. Auch hier brauchen wir Grünes Divestment, müssen unseren ökologischen Fußabdruck verringern, und wollen, dass sich die Uni auch klimaneutral positioniert. Die Liste ist endlos. Wir sind eine Forschungseinrichtung, wir haben eine Vorbildfunktion nach außen, aber auch nach innen. Klimaneutralität muss in der Lehre verankert und jedem Studierenden nahegelegt werden, egal welches Fach, es bezieht sich auf jeden Bereich und wird einfach unsere Zukunft beeinflussen. 

In eurem Programm finden sich neben diesem Hauptpunkt auch einige finanzielle Unterstützungen für Studierende. Könntet ihr diese kurz beschreiben?

S: Es gibt zwei Punkte, auf die ich gerne eingehen würde. Das Erste ist die Mietzinsbeihilfe: Zurzeit ist es so, dass man erst nach dem zweiten Jahr Hauptwohnsitz in Innsbruck die Beihilfe bekommt, vorausgesetzt, man ist bedürftig. In unseren Augen macht das keinen Sinn. Die finanzielle Not ist früher da und deswegen hätten wir gerne Mietzinsbeihilfe ab dem Moment, wo der Hauptwohnsitz verlegt wird. Die Stadt bekommt mehr Geld, wenn viele Studierende hier gemeldet sind, also wäre es auch in ihrem Interesse, dass die Leute ihren Hauptwohnsitz hier haben. Das Zweite ist das Grundstipendium, das oft falsch verstanden wird: Wir fordern ein Grundstipendium von 850 Euro im Jahr für alle StudentInnen. Wir wissen, dass das ein langfristiges Ziel ist, das noch weit in der Ferne liegt. So soll eine Welt aussehen, in der wir erfolgreich waren. Deswegen steht das in unserem Programm. 

Des Weiteren fordert ihr auch mehr „awareness“ für die LGBTQ+ Community. Wie wollt ihr diese umsetzen?

S: Ein Unterpunkt davon sind die genderneutralen Toiletten. Auch hier sind viele Missverständnisse im Umlauf, es handelt sich um zusätzliche Toiletten, das heißt, es wird niemandem etwas weggenommen. Man kann immer noch auf die Herren- oder Damentoilette gehen, schafft aber eine Erleichterung für Menschen, die sich nicht einordnen wollen. Allgemein zur Queer-Community: Wir wollen uns ein Vorbild and der Uni Graz nehmen, die haben ein Queer-Referat, das sehr aktiv ist und viel Aufklärungsarbeit macht. Da kann man sich vieles abschauen. Ich bin dankbar, dass wir auch ein zuständiges Referat für Frauen, Gleichberechtigung und Queer haben, aber ich würde diesem gern noch mehr unter die Arme greifen.

F: Es ist auch so, dass wir nicht nur einen Raum für die Queer-Community wollen, sondern einen offenen Gemeinschaftsraum für alle, wo das Thema auch im Fokus steht. Man könnte in Corona-Zeiten auch eine soziale Uniplattform schaffen, in der man sich besser vernetzen kann. Ich habe das Gefühl, die Studierendenvertretung ist komplett zersplittert und es gibt zwischen den Fakultäten kaum Austausch.

© GRAS Innsbruck

Was wünscht ihr euch in der Unipolitik für die Zukunft?

F: Mir ist ganz wichtig, dass wir eine transparente und faire Uni haben. Ich bin jetzt seit einem Jahr bei der GRAS und habe mitbekommen, dass die ÖH Transparenz in den Bundesversammlungen ablehnt.  Was haben wir für Ausgaben? Wo fließen Gelder? Außerdem, dass wir einen fairen Wahlkampf betreiben, wo wir jeder Fraktion den gleichen Platz einräumen und sagen: Diese Fraktionen gibt es auch. Die ÖH sagt: Geht auf unsere Instagram-Seite und dann sieht das Design von der AG zufälligerweise genauso aus wie das von der ÖH, ganz seltsam. Und dann wollen wir ein rassismuskritisches Denken, mehr Vorträge über Alltagsrassismus, generell ein zukunftsorientiertes Handeln in Hinblick auf die Klimakrise. Und unsere langfristige Vision sind ein Grundstipendium und Chancengleichheit für alle.

Website: GRAS-Website

Instagram: gras_innsbruck 

Bilder: © GRAS Innsbruck