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ÖH-Wahl 2021: AG-Spitzenkandidat Johann Katzlinger im Gespräch

Von 18. bis 20. Mai stehen die diesjährigen ÖH-Wahlen an, bei denen die Karten wieder neu gemischt werden. Gewählt werden die Studierendenvertretung, die Universitätsvertretung und die Bundesvertretung. In den kommenden Tagen möchten wir euch nun die Spitzenkandidat*innen vorstellen. Gestartet wird die Interviewreihe mit dem Spitzenkandidaten der Aktionsgemeinnschaft (AG) – Johann Katzlinger.

 

Die Zeitlos: Als Eisbrecher für unser Gespräch würde ich dich bitten, DICH als Johann Katzlinger innerhalb der AG Innsbruck mit zwei Sätzen zu beschreiben.

Johann Katzlinger: Ich bin jemand, der in der Community als Ideengeber gesehen wird, der aber auch einmal gebremst werden muss. Und ich bin gerade in den letzten Wochen froh über die Dynamik und grundsätzlich Teil dieses Vereins zu sein.

Die Wahl steht ja wie so vieles heuer unter dem Stern der globalen Pandemie. Wie stehst du zur Art und Weise der Durchführung der Wahl während der Corona-Krise? Was ist deine Meinung zur Briefwahl-Möglichkeit ausschließlich für Universitätsvertretung und Bundesvertretung (nicht aber für Studierendenvertretung)?

Schwierig. Eine Präsenzwahl auf diese Art und Weise durchzuführen hat natürlich auch viel Kritik mit sich gebracht. Ich selber habe auch im Vorfeld mit der Bundes-ÖH-Vorsitzenden Sabine Hanger und der Vertretung des Ministeriums ein Gespräch geführt, in dem eben die Planung der Wahl im Raum gestanden ist. Es ist diskutiert worden, ob man sie verschieben soll. Wir haben eingebracht, dass eine Biefwahlmöglichkeit auch für die Studierendenvertretung gut wäre – dass das bis jetzt noch nicht geht, ist wirklich ein großes Manko. Was uns sehr wichtig war und auch schnell klar war, ist, dass man keinen Test braucht, um wählen zu gehen. Das demokratische Wahlrecht sollte nicht durch eine Testpflicht derart eingeschränkt werden.

Was versuchst du zusammen mit deinem Team in der AG, um die Wahlbeteiligung zu erhöhen und ein historisches Wahltief zu verhindern?

Die Wahlbeteiligung wird bestimmt nicht steigen, diese ist ja berühmt dafür, dass sie nicht allzu hoch ist. 100% verhindern kann man ein derartiges Wahltief definitiv nicht. Wir versuchen aber, dagegen zu wirken, indem wir Anreize für Präsenzwähler*innen setzen (wie beispielsweise die Mensavergünstigungen für alle, die sich mit ihrer Stimme an der Wahl beteiligt haben); wir werden versuchen, den Durchlauf der Wahl so gut wie möglich zu erklären, sodass für Universitäts- und Bundesebene auch durchaus viele die Briefwahl in Anspruch nehmen. Eventuell werden wir auch die Fahrrad-Flick-Aktion während den Wahltagen abhalten, um die Studierenden zum Wählen an die Uni zu locken. Schlussendlich liegt es dennoch an den Studierenden selbst, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen.

Ein genauso aktuelles, wie brisantes Thema war die von Bildungsminister Heinz Faßmann verkündete Novellierung des Universitätsgesetzes. Wie ist deine Meinung zum Inhalt und der Umsetzung dieser Novelle?

Ganz grundlegend finde ich, dass man noch warten hätte sollen, weil es war und ist gerade eine Pandemie und alle Hochschüler*innenschaften waren damit beschäftigt, die Situation zu kontrollieren. Vergleicht man die jetzige Novelle mit der Novelle von 2002, war der Wert der Weiterentwicklung damals viel, viel höher. In der diesjährigen Novelle lag der Teufel im Detail. Sie war umfassend – aber ein großes Ziel dahinter, eine Vision, habe ich nicht erkennen können. Zum Glück war der Entwurf nicht die endgültige Novelle, so manches wurde geändert. Was jedoch, meiner Meinung nach, ganz gestrichen werden hätte müssen, ist die Mindestleistung. Denn das betrifft die Freiheit des Studiums und es gewährt meiner Ansicht nach eben genau diese Freiheit nicht mehr; fraglich also, wie sie das rechtlich „durchdrücken“ konnten. Das Wohl der Studierenden war definitiv nicht das alleinige Ziel dieser Novellierung, sonst hätte diese ganz anders aussehen müssen.

Aufgrund der Sicherheitsmaßnahmen befinden wir uns alle seit gut einem Jahr im studentischen „Home-Office“, da die meisten Lehrveranstaltungen online abgehalten werden (bis auf wenige Ausnahmen). Wie stehst du zur Umsetzung der Online-Lehre an der Universität Innsbruck? Wie sieht deiner Meinung nach die Bilanz dazu nach diesem Jahr nun aus?

Das kann ich ganz gut beantworten. Als ÖH haben wir vor ungefähr einem Jahr und jetzt vor knapp einem Monat eine Umfrage durchgeführt. Bei der ersten Umfrage haben wir den Lehrenden noch nicht viel Zeit gelassen, sich umzustellen. Da sind die Umfrageergebnisse desaströs gewesen. Die Studierenden waren überhaupt nicht einverstanden, wie die Professor*innen das lösen. Es war viel Arbeit nötig. Zusammen mit den Fachschaften und Studierendenvertretungen haben wir daran gearbeitet, direkt das Gespräch gesucht und daran angesetzt, die Sache zu ändern. Lediglich Folien auf die Lernplattform zu stellen, ist definitiv kein Ersatz für eine Vorlesung. Es lag aber vor allem auch ein großes Generationenproblem dahinter, dass ältere Vortragende Schwierigkeiten mit dem Internet und der Technik hatten. Am Anfang haben die Ergebnisse also sehr schlecht ausgesehen. Jetzt, ein Jahr später, sagen über 90 Prozent der Studierenden, dass es gut läuft. Ich persönlich sehe auch die psychischen Folgen. Die Mehrheit der Studierenden fühlt sich laut Befragungen überfordert, ängstlich und bildet auch depressive Züge aus. Nur 6 Prozent haben gesagt, dass sie sich zurzeit voll und ganz zufrieden fühlen. Leider wird dies oft übersehen. Es wird von Studierendenpartys berichtet, die die Corona-Schutzmaßnahmen nicht einhalten, aber unser Wohlergehen und unsere mentale Gesundheit interessiert offensichtlich niemanden.

Wir wollen ja natürlich auch ein wenig konkreter über die anstehende Wahl sprechen. Wie kommt man zu eurem Wahlprogramm? – Auf eurer Homepage beziehungsweise auf euren Social-Media-Kanälen ist (noch) wenig ersichtlich, zumindest nichts Spezifisches für die jetzige Wahl.

In den letzten Monaten haben wir ein Positionspapier und ein Grundsatzprogramm geschrieben und brauchen daher noch Zeit, diese Inhalte aufzubereiten und in eine schöne Form zu bringen. Wir haben vor, einen eigenen Teil auf unserer Website einzurichten. Das Programm kann man sich dann auch als Flyer bei uns an den Wahlständen bei der Uni holen. (Stand 21.04.2021)

Anmerkung der Redaktion: Auf der Homepage ist mit Stand 01.05.2021 noch immer kein Wahlprogramm ersichtlich, die Verteilaktion der Flyer hat jedoch bereits an den Universitätsstandorten begonnen und auf Social Media ist ein Wahlvideo mit Einblick in den Katalog der Visionen erschienen.

Was sind für dich die momentan drängendsten Probleme an der Universität Innsbruck? Vor allem jene, die ihr in eurem Wahlkampf thematisieren wollt.

Zum einen ist es aus meiner Sicht wichtig, aus der Zeit mit Corona jetzt die besten „Learnings“ mitzunehmen. Das bedeutet, der Erfahrungsschatz der digitalen Lehre sollte nicht verloren gehen. Die Lehrenden sollten daher die positiven Aspekte der digitalen Instrumente mit in die Zukunft nehmen. Es ist aber ganz klar, dass – vor allem wegen der schon angesprochenen psychischen Gesundheit – die Präsenzlehre unbedingt wieder kommen muss. Wir fokussieren uns auch auf den Lebenswert der Uni. Uni sollte nicht nur ein Ort zum Lernen, sondern auch zum Leben sein. Da ist uns besonders eine 24/7-Bibliothek mit einer Online-Auslastungsanzeige wichtig. Auch unsere Dauerbrenner: Wohnen, Soziales, Öffis werden wir diesmal wieder mitnehmen. Wir fordern die Mietzinsbeihilfe ab dem ersten Tag. Und auch die Studierenden über 27 sind uns ein Anliegen, denn Studierende über 27 sind keine Studierenden der zweiten Klasse.

Innerhalb des Wahlprogrammes 101 Visionen für die Zukunft an unseren Hochschulen der bundesweiten AG gibt es den Punkt Nachhaltigkeit, in dem unter anderem mehr Grünflächen und „grüne“ Lehrveranstaltungen gefordert werden. Was kann man sich unter „grünen“ Lehrveranstaltungen vorstellen? Inwiefern übernehmt ihr diese 101 Visionen für eure Forderungen an der Universität Innsbruck?

„Grüne“ Lehrveranstaltungen meint, zumindest für uns, dass in Lehrveranstaltungen, in denen es Sinn macht, Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein Einzug finden müssen, um den Studierenden im fachlichen Kontext diese Themen noch näher zu bringen. Ganz allgemein zu diesem Punkt der Nachhaltigkeit ist zu sagen: Die Begrünung und Errichtung von Grünflächen an den Standorten der Universität Innsbruck ist uns wichtig, denn die Betonwüsten an der GeiWi und der Technik haben längst ausgedient. Auch Solarzellen auf den Unidächern sollten möglich gemacht werden. Unterstützenswert sind vor allem auch mehr und gepflegtere Fahrradabstellplätze, damit diese nicht wieder zu Fahrradfriedhöfen verwildern. Was von den Visionen der Bundes-ÖH für uns als positiv und übernehmbar erachtet wird, werden wir sicher auch in Betracht ziehen, bei der Gestaltung unseres Programmes sind wir aber völlig unabhängig von der Bundesebene.

Nicht nur bei uns Studierenden ist die bevorstehende Wahl bereits in aller Munde, sondern auch in den bundesweiten Medienhäusern werden erste Meldungen darüber veröffentlicht. So auch am 20.04.2021. Auf der Instagram-Seite von Der Standard wurde als zusammenfassende Forderung von der AG eine bessere Vertretungsarbeit genannt. Die AG ist seit langem Spitzenreiter und hauptverantwortlich für die Vertretung der Studierenden in Österreich – ist dies nun eine Form der Selbstkritik oder doch nur eine eher leere Forderung? Repräsentiert diese Aussage deiner Meinung nach das diesjährige Wahlprogramm gerecht?

Meiner Meinung nach ist dies das Ergebnis eines klassischen Kommunikationsproblems. Die Formulierung meint, denke ich, eher einen Ruck gegen die Vertretungsarbeit in Wien, da ja auch die Bundesebene sehr Wien-zentriert ist. In Wien ist die AG nämlich nicht in der ÖH vertreten. Als allgemeine Forderung aller AGs aller Bundesländer kann dies nicht gesehen werden. Dennoch kann ich sagen, dass Servicearbeit und gute Vertretungsarbeit unser Mantra ist und dazu stehen wir.

Am 20.4.2021 habt ihr verkündet, dass eure Forderung nach den Teststraßen an den Uni-Standorten erfüllt worden ist. Wie kann man sich das logistisch vorstellen? Wer führt die Tests durch und wer kontrolliert die Tests?

Es wird als ein Wandersystem umgesetzt. Also ein wechselhafter Betrieb an den Standorten der Universität. Das genaue Konzept wird noch ausgearbeitet von der Uni Innsbruck. Die Tests sind kostenlos und man bekommt direkt einen Bescheid über das Ergebnis mit. Durchgeführt werden die Tests von Studierenden mit entsprechender Ausbildung. Kontrolliert werden dann die Testergebnisse der Studierenden, die eine Präsenzlehrveranstaltung besuchen wollen, von den jeweiligen Lehrenden der Einheit. Die Testergebnisse der Lehrenden werden aber nicht von den Studierenden kontrolliert. (lacht) Die Lehrenden müssen bei der Antragstellung zu einer Präsenzlehrveranstaltung aber bereits vorab garantieren, dass sie vor jeder Einheit einen Corona-Test durchführen lassen. (Stand 21.4.2021)

Anmerkung der Redaktion: Inzwischen wurde vom Rektoratsteam der Universität Innsbruck eine E-Mail mit allen Informationen zu den Teststraßen und deren Durchführung versandt.

Hast du einen speziellen Wunsch für den Wahlkampf in der Pandemie?

Johann Katzlinger (© AG Innsbruck)

Ich wünsche mir vor allem einen fairen Wahlkampf, dass alle Fraktionen sich dessen bewusst sind, dass wir alle nur Menschen sind und die ein oder andere Art der Kritik niemand verdient hat, da diese wirklich persönlich nahe geht. Immerhin sind wir (noch) keine Berufspolitiker*innen. Ich hoffe aber auch, dass der Wahlkampf das Leben an die Universität zurückholt.

Und einen speziellen Wunsch für die Studierenden in Innsbruck?

Ich wünsche ihnen, mir und uns allen, dass wir bald wieder dem altbewährten Uni-Leben nachgehen können. Dass es bald wieder Feste zu feiern gibt und man sich ohne schlechtes Gewissen wieder in einem Lokal treffen kann. Ich wünsche uns allen, dass wir nicht in noch drei Zeitungsartikeln abgelichtet werden, wie wir am Sonnendeck sitzen und alle Maßnahmen brechen, wenn wir doch einfach diesen Freiraum brauchen. Hoffentlich haben wir all das im Wintersemester wieder zurück.

Danke, dass du dir die Zeit genommen hast!

 

Bild 1 (Beitragsbild): © ÖH und AG Innsbruck

Bild 2: © AG Innsbruck

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!