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ÖH-Wahl 2021: Spitzenkandidat Max Facchin von KSV-KJÖ im Gespräch

ÖH-Wahl_KSV-KJÖ

Vom 18. bis 20. Mai stehen die diesjährigen ÖH Wahlen an, bei denen die Studierendenvertretung, die Universitätsvertretung und die Bundesvertretung gewählt werden. Die Zeitlos interviewt alle Spitzenkandidat*innen der antretenden Parteien. Heute steht uns der Spitzenkandidat der KSV-KJÖ Max Facchin Rede und Antwort.

 

Die Zeitlos: Wie würdest du dich selbst in zwei Sätzen beschreiben?

Max Facchin: Mein Name ist Max Facchin, ich habe die Studiengänge Mathematik und Geschichte auf Lehramt abgeschlossen und studiere noch weiterhin Geschichte im Bachelor. Ich war bis 2017 in der Studienvertretung für Geschichte tätig und vor zwei Jahren schon Spitzenkandidat der KSV-KJÖ. Dort arbeiten wir am Aufbau einer kommunistischen Bewegung und organisieren in Zusammenarbeit mit der kommunistischen Jugend und der Partei der Arbeit auch Veranstaltungen.

Die Wahl findet ja innerhalb einer globalen Pandemie statt. Wie denkst du, wird das die Wahl beeinflussen?

Zuerst mal finde ich es eine ziemliche Frechheit, dass man die Studierendenvertretung nicht per Briefwahl wählen kann. Die ist ja doch eine der wichtigsten Sachen im Rahmen der ÖH-Wahl. Weil die Universitätsvertretung hat ja nicht wirklich die Kompetenzen Sachen zu beschließen und die Studierendenvertretungen sind wirklich wichtig.
Außerdem wird wahrscheinlich die eh schon geringe Wahlbeteiligung noch weiter fallen.

Bleiben wir gleich beim Thema Pandemie. Wie stehst du zur Umsetzung vom Online-Learning und denkst du, dass man auch nach der Pandemie weiter daran festhalten soll?

Wir haben uns schon in der letzten Wahl bzw. schon seit Jahren immer gegen das Online-Learning und gegen das, was uns unter dem Schlagwort der Digitalisierung der Lehre schmackhaft gemacht wird, gestellt. In der Pandemie hat sich gezeigt, dass da das Niveau der Lehre runterkracht und uns darin bestätigt, dass vieles,  was an der Universität passiert, darauf beruht, dass man sich sozialisiert und wirklich Face-to-Face-Kontakt mit den Lehrenden hat.

Natürlich war es jetzt eine Notwendigkeit, dass man auf Online-Learning umsteigt. Das wollen wir nicht bestreiten. Es ist gut, dass man jetzt diese Tools für solche Ausnahmesituationen hat, aber wir möchten uns auf jeden Fall dafür aussprechen, dass man unliebsame Sachen nicht auf die Online-Lehre auslagert, damit man dann weniger an der Uni machen muss.

Da könnte man natürlich entgegnen, dass, wenn man früher damit angefangen hätte, besser auf diesen Ausnahmezustand vorbereitet gewesen wäre?

Prinzipiell trifft das vielleicht auf die ersten Wochen zu, weil es da ja wirklich chaotisch war. Aber auch im zweiten Semester macht es den meisten Studierenden wirklich keinen Spaß. Egal wie schnell jetzt die Computer sind und wie gut man vorbereitet ist, es ist kein wirklicher Ersatz für den echten Austausch.

Auf Bundesebene wirft die KSV dem ÖH-Vorstand kollektives Versagen im Hinblick auf die UG-Novelle vor. Wie ist deine Haltung da gegenüber der hiesigen ÖH?

Es hat eigentlich nie einen wirklichen Widerstand gegeben, vor allem in Innsbruck. Es hat kein Statement und es hat keine Demonstration gegeben, außer einer kleinen, die aber von Studierenden des Mozarteums organisiert wurde. Da vermiss‘ ich den Widerstand bzw. den Gestaltungswillen, zumindest diese öffentliche Position, die man hat, auch einzusetzen.

Was genau kritisiert ihr an der UG-Novelle?

Am schlimmsten und unnötigsten für die Studierenden finde ich die Beschränkung, dass man eine gewisse ECTS-Anzahl erreichen muss und ansonsten exmatrikuliert wird. Die Regierung stellt da eine wirklich beschissene Novelle in den Raum. Dann gibt es ein bisschen Proteste, die Regierung kommt ein bisschen entgegen und sofort stoppt der ganze Widerstand. Aber wir finden eigentlich ALLE Positionen in dieser Novelle schlecht. Ich würde mal sagen das ist so die größte Watsch‘n in die Gesichter der Studierenden.

Die Novelle ist auch ein Paket, das die Lage für die Lehrenden verschlechtert. Als KSV-KJÖ setzen wir uns auch dafür ein, dass wir unsere Interessen als Studierende nicht nur als das begreifen, was uns unmittelbar im Studium betrifft, sondern auch wie die Universität systematisch als Ganzes funktioniert. Dementsprechend sollten auch die Rechte der Lehrenden bestärkt werden, um einen guten Unibetrieb zu gewährleisten.

In eurem Wahlprogramm findet man immer wieder die Forderung, dass die Studierenden mehr in politische Prozesse mit eingebunden werden sollen. Wie sollte eine Umsetzung dieses Einbeziehen deiner Meinung nach aussehen?

Wir setzen uns weniger dafür ein, dass die Regierung die Studierenden in allem einbeziehen soll, sondern eher dafür, dass wir es selber in die Hand nehmen. Also, dass unsere Positionen nicht so bittstellermäßig angehört werden, wie es derzeit der Fall ist, sondern dass man sich selber organisiert, dass man selber Interessensvertretungen bildet und die durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Demonstrationen artikuliert.

Ist das nun eher ein Appell an die ÖH oder an die Studierenden?

Eben eher an die Studierenden. Wir haben nicht die Forderung, dass man uns mehr einbezieht, sondern wir appellieren an die Studierenden, dass sie sich organisieren und sich im Klaren werden, was ihre Interessen sind und auch dafür kämpfen.

Ihr habt ein recht umfangreiches Parteiprogramm, welches mit Wohnen als Grundbedürfnis oder der Abschaffung von Kriegsprofiten aus der Bildung auch über die Grenzen der Universität hinausgeht. Auch in deinem letzten Interview für Die Zeitlos hast du Forderungen zum Mindestlohn gestellt, weil die „Gesellschaft nicht vor den Toren der Uni endet“. Warum sprecht ihr auch solche Themen an und welche Positionen sind deiner Meinung nach gerade für Innsbruck besonders wichtig?

Es sind in Wirklichkeit nur wenig Studierende, die nicht zugleich auch arbeiten und dementsprechend setzen wir uns auch für die arbeitsrechtlichen Forderungen ein. Ein anständiger Mindestlohn von 1800€ ist nach wie vor unsere Forderung. Eine Forderung, die natürlich in Gesamt Österreich wichtig ist. Sie ist aber auch speziell in Innsbruck wichtig, wo die Mieten so hoch sind, dass es noch eine besondere Herausforderung ist, die Grundbedürfnisse zu finanzieren. Dann haben wir noch die Forderung nach gratis Kinderbetreuungsplätzen für Studierende mit Kindern. Es ist uns auch besonders wichtig, dass nicht nur, aber insbesondere Frauen nicht ihre Karriere bzw. Ausbildung zurückstecken müssen. In der Gesellschaft muss man das ja sowieso, aber wir wollen, dass man ihnen zumindest von Seiten der Uni keine Steine in den Weg legt.

Auch wenn es eine ständige Frage an euch ist: Was grenzt euch von der anderen kommunistischen Partei, der KSV-LiLi, am meisten ab?

Also ich würde jetzt zuerst mal sagen, dass wir als KSV-KJÖ schon jahrelang in Innsbruck verankert sind und mit der Partei der Arbeit und der kommunistischen Jugend eine kommunistische Bewegung aufbauen. Der KSV-LiLi ist prinzipiell aus einem Fraktionen-Konflikt in Wien entstanden und probiert sich jetzt erstmals auch in Innsbruck zu etablieren.

Ansonsten verhält es sich inhaltlich so, dass sie einen anderen Fokus haben und im Prinzip so eine Stellvertretungspolitik einfordern, wie VSStÖ und Grüne. Das spiegelt sich dann darin wieder, dass man die Studierenden mehr miteinbeziehen soll und man Verantwortung in der Universitätsvertretung übernehmen will. Unser Ansatz als KSV-KJÖ ist aber, dass sich die Studierenden mehr selber organisieren müssen. Die Studierendenproteste in Griechenland und der Türkei der letzten Monate haben gezeigt, dass man sich die Rechte selbst erkämpfen muss und nicht über Vertretungsorgane. Dieser fundamentale Ansatz unterscheidet uns eben auch von der KSV-LiLi.

Was würdest du am Schluss den Studierenden noch mitteilen wollen?

Für die Wahl an sich: Wenn es möglich ist, geht auch in Präsenz zu den Wahlen, weil dann könnt ihr auch die Studienvertretungen wählen, die auch wirklich was für die Studierenden machen können.

Ansonsten: Organisiert euch zusammen und kämpft selber für eure Interessen. Diskutiert auch untereinander, was eure Interessen sind, damit ihr diese auch artikulieren könnt. Unterstützt den KSV-KJÖ, kommt zu uns und wenn ihr Lust habt, organisiert euch mit uns zusammen.

 

Hier geht es zu den Interviews mit den anderen Spitzenkandidat*innen der jeweiligen Fraktionen: AGVSStÖ, GRAS, JUNOS, RFS und KSV-LiLi.

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Fotoquelle:

Titelbild: KSV-KJÖ Innsbruck

Portrait: Moritz Jelting