#öhwahl2019 // Interview mit dem Spitzenkandidaten Max Facchin (KSV-KJÖ)

Share

Von 27. bis 29. Mai 2019 finden die ÖH-Wahlen statt. Da Wahlbeteiligung wichtig und wünschenswert ist, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Innsbrucks Studierende darüber genauestens zu informieren. In den nächsten Tagen stellen wir euch in mehreren Artikeln und Interviews die verschiedenen Fraktionen und den generellen Ablauf der Wahlen vor. Das heutige Interview führen wir mit Max Facchin, Spitzenkandidat des Kommunistischen Studentinnen- und Studentenverbundes – Kommunistischen Jugend Österreich (KSV-KJÖ).

Die Zeitlos: Für was steht ihr und was wollt ihr verkörpern?

Max: Wir sind klar eine kommunistische Liste, dementsprechend setzen wir die Uni ganz stark in den gesamtgesellschaftlichen Kontext. Einerseits wird die Uni von der Gesellschaft finanziert und andererseits zieht die Gesellschaft den Nutzen aus der gewonnenen Bildung. Neben spezifischen Forderungen, die die Universität betreffen, haben wir auch allgemeinpolitische Forderungen. Das ist zum Beispiel ein Mindestlohn von 1800 Euro, weil weit über die Hälfte der Studierenden auch arbeitet, um das Studium zu finanzieren. Wir sind überzeugt, dass man das nicht isoliert betrachten darf, weil die Gesellschaft nicht vor den Uni-Toren endet.

Wo seht ihr die aktuellen Probleme an der Universität?

Die größten Probleme an den Hochschulen haben ihre Wurzeln in der Bologna-Reform. Vor zehn Jahren, bei den Uni-Brennt-Protesten, hat sich gezeigt, dass viele Studierende und Professoren unzufrieden mit den Beschlüssen sind. Das System mit Bachelor und Master ist sehr unpraktisch. Im Bologna-Prozess ist das Bildungswesen, das eigentlich demokratische Bildung zum Ziel hat, zu einer Beschäftigungsausbildung transformiert worden. Der Bachelor wurde eingeführt, damit die Wirtschaft billige, aber trotzdem qualifizierte Fachkräfte bekommt. Die Kompression des Bachelorstudiums auf drei Jahre führt zu hohem Leistungsdruck und Konkurrenzdenken. Viele Studierende erkranken an Burnout und Depression. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Reformen zurückgenommen werden. Speziell in Innsbruck ist auch das Wohnen ein großes Problem. Die Stadt muss sich verpflichten, gemeinnützigen Wohnraum zu schaffen und Studentenwohnungen zu fördern. Nur das kann letztlich die Mietpreise senken.

Kurz zusammengefasst: Was sind eure Hauptthemen?

Unser Programm fußt auf drei Punkten. Zum Ersten: Studieren darf nicht arm machen. Da verknüpfen wir die soziale Frage mit den Anliegen der Studierenden. Zum Zweiten: Bildung soll nicht als Ware betrachtet werden. Hier stellen wir uns gegen die Ökonomisierung von Bildung. Und zum Dritten: Gemeinsam etwas tun. Wir wollen keine Stellvertreterpolitik betreiben. Die Gremien der ÖH haben sehr begrenzte Kompetenzen. Wenn wir wirklich etwas erreichten wollen, brauchen wir den Rückhalt der Studierenden. Wir wollen, dass sich die Studierenden vernetzen und solidarisieren, weil die Politik nur durch Druck von unten beeinflusst werden kann.

Inwieweit würdet ihr euch zur KPÖ zählen? Gibt es Punkte, bei denen ihr euch bewusst differenziert?

Es ist schon relativ lange her, dass sich die Wege des KSV und der KPÖ getrennt haben. Das Problem war, dass die KPÖ zwar den Kommunismus im Namen trägt, aber über die Jahre hinweg zu einer sozialdemokratischen Partei geworden ist. Die KPÖ ist sicher keine revolutionäre Partei mehr und dementsprechend hat es Reibungen mit dem KSV gegeben. Auf Bundesebene arbeiten wir daher nicht mit der KPÖ zusammen. Nur in der Steiermark, wo die KPÖ doch noch ein kommunistisches Programm verfolgt, arbeiten wir noch gemeinsam. 2013 wurde dann aus den Reihen von KSV, KJÖ und Kommunistischer Initiative die Partei der Arbeit gegründet, mit der eine bundesweite Zusammenarbeit stattfindet.

Was wollt ihr den Studierenden mitgeben?

Solidarisiert und organisiert euch! Wenn man die Studienverhältnisse verbessern will, braucht es Druck von unten. Wir haben das vor zehn Jahren bei den Uni-Brennt-Protesten gesehen, die ernst genommen wurden, weil die Leute auf die Straße gegangen sind und Hörsäle besetzt haben. Mit solchen Aktionen können Studierende die Politik verändern, nicht mit ein bisschen Gremienarbeit.

Bild: Tabea Braun // Grafik: Pauline Tagwerker

Share
Share
Share