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Du bist der Unterschied

Der Film Seaspiracy schlägt gerade große Wellen. Er schockiert, klärt auf, macht aufmerksam. Und am allermeisten zeigt er, wie klein wir sind und wie wenig Einfluss wir doch auf die Welt haben. Warum wir trotzdem Metallstrohhalme benutzen, unsere eigenen Trinkflaschen mitnehmen und keine Plastiksäcke mehr verwenden sollten.

In der Dokumentation gehen der 27-jährige Filmemacher Ali Tabrizi und seine Freundin Lucy Tabrizi den Themen Plastik im Meer, Klimawandel, Grausamkeit des Menschen und Tod auf den Grund. Sie zeigen in dem Netflix-Film die Auswirkungen von Überfischung auf die Umwelt, die Gefahren für die Tiere und für die Meere, mit düsteren und erschreckenden Bildern. Es werden schockierende Fakten ans Licht gebracht, die teilweise vielleicht nicht ganz stimmig klingen mögen, und von diversen Umweltorganisationen auch als falsch und übertrieben angeprangert wurden – dennoch: Wenn auch nur ansatzweise richtig ist, worüber gesprochen wird – und das ist es – dann hat mir das Tränen in die Augen getrieben und mich meiner (nicht vorhandenen) Wirkungsmacht in der großen Welt bewusstwerden lassen.

Die gesamten Fakten sind übersichtlich auf der Website vom Film dargestellt und können dort nachgelesen werden. Ich möchte hier auch keine herausgreifen, sondern lieber jedem und jeder die Chance geben, sie dort zu lesen und sich eine eigene Meinung zu bilden. Was ich aber möchte ist, ein bisschen Weltschmerz tilgen, ein bisschen die Wahrnehmung der eigenen Selbstwirksamkeit stärken, ein bisschen Mut machen.

Also auch, wenn du dir vielleicht denkst: „Wofür verzichte ich dann auf Gurken, wenn sie in Plastik gehüllt sind, obwohl sie Schalen haben; und wofür kaufe ich die plastikfreien, aber teuren Paprika, wenn ich als Einzelperson gegen unvorstellbar große Mengen Plastik doch nichts ausrichten kann?“, so wie ich es getan habe, dann habe ich eine gute Nachricht für dich: dein Beitrag zählt!

Um das zu zeigen, will ich mit einer kleinen Rechnung beginnen: durchschnittlich verbraucht ein Mensch in Österreich rund 70 Plastiktüten pro Jahr. In Innsbruck leben in etwa 160.000 Menschen (als Haupt- und weiterer Wohnsitz), das heißt auf die ganze Bevölkerung kommen etwa 11,2 Millionen Plastiktüten im Jahr. Wenn wir nun davon ausgehen, dass diese Tüten etwa 50 Zentimeter lang sind, haben wir so 5.600 Kilometer Plastiktüten pro Jahr in Innsbruck. Damit könnte man mehr als zwei Mal die ganze Staatsgrenze Österreichs nachlegen, oder mit dem Auto von Innsbruck nach Moskau und wieder zurückfahren. Das ist schon ein ganz schönes Stück – und wenn wirklich alle Menschen, die in Innsbruck leben, auf Plastiktüten verzichten würden, wäre allein hier schon viel getan.

Aber warum überhaupt auf Plastiktüten verzichten? Das soll an dieser Stelle nicht vorenthalten werden: Viele dieser handelsüblichen Taschen werden aus der Kunststoffvariante Polyethylen hergestellt, welches man als umweltschädlich bezeichnen kann – so wird es aus dem begrenzten Rohstoff Erdöl gewonnen und die Zersetzung einer solchen Tüte kann bis zu 500 Jahre dauern. Am besten schnappst du dir also ein altes T-Shirt (so brauchst du nichts Neues zu kaufen) und machst dir deine eigene Tasche. Oder plan deinen Einkauf so, dass du die Bauerläden rund um Innsbruck inkludierst – so sparst du nicht nur Plastikverpackungen, sondern auch unnötig lange Transportwege und unterstützt die lokale Bevölkerung.

Natürlich geht es aber nicht nur um Plastiktüten, das Thema wurde vermutlich auch schon (zu) viel diskutiert. Ich habe es hier auch mehr oder weniger exemplarisch herausgegriffen, um zu zeigen, dass jeder und jede einen Teil leisten kann, so wie jede Ameise in ihrem Volk eine Aufgabe hat. Die Zeitlos hat auch viele andere Beiträge zum Thema Nachhaltigkeit veröffentlicht, die du unter anderem bei diesen Autor*innen nachlesen kannst: Mathias, Patrizia, Sarah, Helena, Kristina.

Und wenn du dich jetzt weiter fragst, was denn du allein ausrichten sollst, da ja „sowieso nie alle mitmachen werden“, möchte ich dir hiermit einen Grund liefern: Wir Menschen sind tendenziell soziale und politische Wesen. Wir lernen durch und von anderen, wir vergleichen uns, ahmen nach und schauen ab. Das gilt auch für unser Konsumverhalten. Der Plastikvermeider, die Plastikvermeiderin regt durch seinen*ihren (Nicht-)Konsum also auch andere an – und wenn dies nur aus schlechtem Gewissen passiert. Und wenn sich so kleine Grüppchen bilden, Grüppchen aus Konsumenten und Konsumentinnen, die durch ihr Kaufverhalten Druck ausüben, ändert sich die Nachfrage und in der Folge hoffentlich die Verpackung des Sortiments. Druck kann jeder und jede von uns ausüben, indem wir beispielsweise wirklich auf in Plastik verpacktes Gemüse verzichten. Und das betone ich hier, denn oftmals hat Umweltschutz mit Verzicht zu tun – dafür müssen wir bereit sein. Aber sollte uns das unsere Umwelt nicht wert sein? Also: Mach deine Freund*innen aufmerksam, deine Großeltern, deine Nachbar*innen, von mir aus auch deine Busfahrer*innen. Sei du die Schneeflocke, die die Lawine ins Rollen bringt.

Diese Gründe reichen dir nicht? Dann habe ich noch eine gute Nachricht für dich: Bewusster Konsum schont auch deine Geldtasche. Indem du zu Hause Strom sparst, beispielsweise durch das Ausschalten der Lichter, die du nicht brauchst oder das Schließen des Backofens und Kühlschranks, wenn du nichts rausnimmst oder reinstellst, bleibt die Stromrechnung niedriger. Indem du effizient lüftest und heizt, sinken auch die Heizungskosten. Wenn du eine eigene Wasserflasche von zu Hause mitnimmst, musst du nicht jedes Mal, wenn du unterwegs bist, etwas zu trinken kaufen. Wenn also nicht für andere, dann für dich selbst.

Du bist also der Unterschied. Der Start, die Ameise, die Schneeflocke. Du lebst und konsumierst und profitierst von der Welt, auf der du stehst. Und du bist Teil davon, Teil des großen Ganzen, in dem auch dein Beitrag zählt.

 

 

 

Bild von Hans Braxmeier auf Pixabay