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ZFN #3: About Fashion.

Fast Fashion, Fair Fashion, Sustainability, Responsible Consumer Attitude. Das alles sind Begriffe, die bereits vielen vertraut sind. Themen, die schon mehr oder weniger durchgekaut wurden. Es wird darüber geredet. Es gerät immer mehr in den Fokus. Es ist bereits für einige Alltag geworden, auf einen nachhaltigen Lebensstil zu achten. Aber wie viel weißt du wirklich darüber?

Die Mode- und Textilbranche ist der zweitgrößte Umweltsünder nach der Öl- und Kohleindustrie. Kaum eine andere Branche hat so weitläufige und komplexe Auswirkungen auf Mensch, Tier und die Umwelt. Es ist doch bloß ein Kleidungsstück, denkst du. Aber es steckt noch so viel mehr dahinter. Dein neu erworbenes T-Shirt hat eine Geschichte zu erzählen. Hör sie dir doch mal an.

Human.

Rana Plaza gilt als Inbegriff dessen, wie inhuman die Modewelt sein kann. Das Unglück in Dhaka, Bangladesh, am 24. April 2013 war der erste große mediale Aufschrei seitens der Textilarbeiter*innen. Plötzlich wurden die Arbeitsbedingungen in den Fabriken in Entwicklungsländern zum Thema. Es wurde zum Thema, dass Arbeiter*innen gezwungen sind in Gebäuden zu arbeiten, die instabil sind und Risse aufweisen, dass die Gehälter der Textilarbeiter*innen weit vom Mindestlohn entfernt sind und dass sexuelle Übergriffe Alltag sind. Laut FashionUnited verdient ein*e Arbeiter*in der Bekleidungsindustrie zwischen 61 und 68 US-Dollar im Monat. Pro Tag arbeiten die (überwiegend) Frauen* bis zu 14 Stunden und schlafen an besonders langen Tagen aus Erschöpfung oder Angst vor dem Heimweg auf dem nackten Boden in der Fabrik. Bei nicht Erreichung des täglichen Produktionsziels wird der Lohn gekürzt. Für schwangere Frauen* oder Mütter gibt es keine Ausnahmen. Zusätzliche Pausen oder kürzere Arbeitszeiten existieren auch in dem Fall nicht.

Groß in den Medien war in den letzten Wochen auch die Provinz Xinjiang in China. Rund 20 Prozent der weltweit verarbeiteten Baumwolle stammt aus jener chinesischen Provinz. Aber zu welchem Preis? In den Baumwollplantagen von Xinjiang wurden Personen ethnischer Minderheiten ausgenutzt und misshandelt. Ein staatliches Zwangsarbeitsprogramm hat mindestens 570.000 Uiguren zur Baumwollernte gezwungen. Zudem müssen Personen dieser muslimischen Minderheit ihre Sprache, Kultur, Herkunft und Religion aufgeben. Dies geschieht im Rahmen von staatlichen „Bildungszentren“ erklärt Peking, um islamistische Radikalisierung zu verhindern.

Die Realität der Modeindustrie ist erschreckend und die Arbeitsbedingungen sind grausam. Wir haben von all dem schon gehört. Nicht nur einmal, sondern schon oft. Es ist krass, aber ganz offensichtlich nicht krass genug für uns, um uns davon abzuhalten, diese Industrie zu unterstützen. Es ist irgendwie einfacher die Ernährung umzustellen, Nein zum Plastiksack und Ja zur in Österreich ökologisch hergestellten Deo-Creme zu sagen. Bei Kleidung neigen wir dennoch dazu, das 9,99€ Shirt zu kaufen. Denn wir wollen stylish durch den Alltag schreiten und möglichst wenig dafür bezahlen. Weil dieses Leben, in welchem die Arbeiter*innen gefangen sind, für uns zu abstrakt und nicht greifbar ist. Weil es nicht Teil unserer Realität ist. Aber es passiert. Diese Arbeiter*innen leben gerade in diesem Moment dieses Leben, welches für uns so unreal erscheint. 

Einmal im Jahr gibt es die Fashion Revolution Week, welche sich aus dem Rana Plaza Unglück entwickelte. Der Hashtag #whomademyclothes welcher von der Revolution Week ins Leben gerufen wurde, setzt in den Fokus, dass wir als Konsument*innen im Grunde keine Ahnung haben, wer unser Kleidungsstück hergestellt hat. Gleichzeitig wird der Modebranche Druck gemacht, für mehr Transparenz zu sorgen.

Animal.

Damit dein Pullover in einem sanften Pastellgrün schimmert oder in einem kräftigen Purpur strahlt, muss das Gewebe erst einmal gefärbt werden. Dein gefärbtes Kleidungsstück soll natürlich keine Hautallergien verursachen oder deine Haut reizen. Um dies zu garantieren, werden die Textilfarben an Tieren getestet. Die Methoden, welche bei den Tierversuchen angewendet werden, sind für die Tiere sehr qualvoll und enden immer tödlich. Auch andere chemische Stoffe wie Flammschutzmittel oder Anti-Knittermittel sowie die im konventionellen Baumwollanbau verwendeten Pestizide, Herbizide und Fungizide, werden an Tieren getestet. In der Textilindustrie wird ein Drittel der weltweit produzierten Chemikalien eingesetzt.

Und damit, what a surprise, nicht genug. Bestimmt hast du bereits von Merinowolle und Angorawolle gehört. Oder von Daunendecken oder Seide. Tiere leiden, damit wir uns warm und schön bedecken können. Es ist nicht nur die Tierhaltung für Lebensmittel nicht okay, es ist auch die Tierhaltung für das, was du anhast nicht okay.

Bei Textilien, welche mit dem Zertifikat „VEGAN“ und/oder dem Siegel „PETA-Approved Vegan“ Logo zertifiziert wurden, kann davon ausgegangen werden, ein nahezu tierversuchsfreies Kleidungsstück in den Händen zu halten. Ethik.Guide verschafft auf seiner Seite einen Überblick über Modegeschäfte in Österreich und Deutschland, die Bio-, Vegane und Faire Mode anbieten.

Mode mal in ganz anders und mal in ganz tierlieb? Eine interessante Alternative ist Kleidung aus Hundehaaren. Ann Cathrin Schönrock und Franziska Uhl wollen wertvollen Ressourcen die bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten haben, eine Chance geben und haben aus diesem Gedanken heraus modus intarsia gegründet. Aus Chiengora-Hundewolle, ein wertvoller Rohstoff, welcher zwei Mal im Jahr beim Auskämmen der Unterwolle von Hunden anfällt, fertigen die Beiden Handstrickwolle her. „Unsere Vision ist es den Garnmarkt zu diversifizieren“, beschreiben die jungen Unternehmerinnen* auf ihrer Website. Die Unterwolle wird von privaten Hundehalter*innen ausgekämmt und an modus intarsia gesendet. Also keine Sorge, es handelt sich um keine Hundefarmen.

Environment.

24 Kollektionen und mehr sind für einige große Modelabels Normalität. Im Schnitt legt sich jede*r in Deutschland Lebende 60 neue Kleidungsstücke im Jahr zu. Und über eine Million Altkleider landen in Deutschland in den Containern. Kleidung hat sich zu einem Wegwerfartikel etabliert.

Für die Konsument*innen ist es einfacher und auch mittlerweile günstiger ein neues T-Shirt zu kaufen, als das entstandene Loch zu flicken. Daher einfach das alte Stück in die Mülltonne und ein Neues her und die Sache hat sich. Das Online-Bestellen macht es den Kunden noch einmal bequemer. Damit aber ja die richtige Hose dabei ist, wird dieselbe gleich in drei verschiedenen Größen bestellt. Macht ja auch Sinn, denn so ist man auf der relativ sicheren Seite. Besonders nachhaltig ist dieser Shopping-Stil allerdings nicht. Mehr als die Hälfte der bestellten Ware findet ihren Weg wieder zurück zum Hersteller. Den Weg zurück in das Regal finden allerdings nur 70 Prozent der retournierten Ware und der Rest wandert direkt in die Müllverbrennung. „Der Online-Handel verändert den Modekonsum“, bemerkt Bernd Claude Haussmann, Gründer des ökosozialen Modegeschäfts GLORE. Es wird seltener bewusst nachgedacht, was und wo eingekauft wird, da der Online-Handel 24 Stunden, 7 Tage die Woche erreichbar und durch die sozialen Medien sehr präsent ist.

In der Dokumentation „Fast Fashion: Plastikmüll statt Mode“ vom Bayerischen Rundfunk, wird schnell ersichtlich: die Mode- und Textilbranche bringt ebenfalls ein immenses Plastikmüllproblem mit sich. Da die Kleidungsstücke eine weite Reise auf sich nehmen müssen, ist jedes einzelne T-Shirt und jede einzelne Hose separat in Plastik verpackt, um sie vor Schimmelbefall und Falten zu schützen.

Kleidung mag nicht so aussehen wie ein Plastiksack (obwohl in manchen Fällen schon), ist aber je nachdem, welches Garn verwendet wurde, mit einem Plastiksack gleich zu setzen. Das erdölbasierte Polyester ist nicht biologisch abbaubar. Die kuscheligen Fleece-Pullover setzen so viel Mikroplastik frei wie sonst kein Material. Das ist auch der Grund, warum dein Fleece-Pulli nach ein, zwei Jahren leichter ist als beim Neukauf. Dein Pullover verliert bei jedem Waschgang an Mikroplastikmasse, welche ihren Weg ins Gewässer findet. Diese Mikrofasern sind mittlerweile schon fast überall. Bis zu acht Fasern finden sich pro Liter in Mineralwasser und sogar bis zu 80 Fasern in einem Liter Bier.

Nun könnte hier noch ein halber Roman über den Wasserverbrauch der Baumwolle und die Verschmutzung des Grundwassers aufgrund der Spritzmittel, Chemikalien und Färbemitteln stehen, aber dann würdest du den Artikel noch bis morgen Früh lesen.

You.

Dieser Artikel ist vielleicht ein wenig belehrender geworden, als ursprünglich geplant und hat sich eventuell mehr in die Richtung eines Essays bewegt, als eigentlich gedacht. Aber dieses Thema bewegt mich. Es macht mich wütend. Ganz ehrlich.

Und es geht nicht darum, dir zu sagen, was der richtige Weg ist oder zu welchem fairen Label du greifen sollst. Denn DEN richtigen Weg und DAS faire Label gibt es schlussendlich nicht.

Eigentlich geht es darum, dass sich jede*r Einzelne überlegt, ob dieses eine Shirt wirklich gebraucht wird. Darum den Kleidungsstücken, die du bereits hast, mehr Wertigkeit zu verleihen. BRAUCHEN wir wirklich mehr? Geht es dir wirklich besser mit deiner neuen Cordhose? Oder brauchst du eigentlich statt dem ASOS Impulskauf eine lange Umarmung von einem deiner liebsten Menschen oder einfach nur den Satz „Du bist toll.“. Und ganz ehrlich, eigentlich geht es doch darum, dass wir uns selbst wertvoll und von der Umwelt angenommen fühlen und einfach glücklich sind.

Hab euch lieb.

Sarah

Titelbild: ©uskees_clothing
Bild 1: unsplash

hello people, that's me. studiere gerade im 4ten Semester Non-Profit Management und illustriere von Zeit zu Zeit Menschen und was ich sonst noch so schön finde. und manchmal findet ihr hier den einen oder anderen Artikel von mir. viel Spaß beim durchschmökern.