Regional und unverpackt – Einkaufen mit Studentenbudget

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Über den herkömmlichen Supermarkt-Einkauf hinaus gibt es viele weitere Möglichkeiten, zu regionalen, und damit auch zu saisonalen Lebensmitteln zu gelangen, die Bauern rund um Innsbruck zu unterstützen und mit dem Studentenbudget trotzdem etwas Gutes für sein Geld zu bekommen.

Wer mehr auf seinen ökologischen Fußabdruck achten möchte, der überlegt, wen oder was er mit finanziellen Mitteln unterstützen kann. Wir als Konsumenten halten das Kapital nicht nur sprichwörtlich in den Händen, sondern sollten auch bewusst entscheiden, wem wir dieses zukommen lassen wollen. Nicht immer ist die einfachste Option die, mit der wir sicherstellen, dass wir auch weiterhin gute Produkte genießen können.

Die Menge der Linsen je nach Lust und Laune selbst bestimmen

Hand anlegen

Eine Möglichkeit ist, ein Feld bei Innsbruck zu mieten oder sich einem Gemeinschaftsgarten anzuschließen. Gemeinschaftsgärten, vielleicht eher als Urban gardening bekannt, sind auch direkt in der Stadt zu finden, darunter das innsGART´l, innsNeueGART´l, der Interkulturelle Gemeinschaftsgarten Wilten-Innsbruck und der Kapuzinergarten. Man kann dann zum Teil selbst Obst und Gemüse anpflanzen. Manchmal übernimmt aber auch der Besitzer des Feldes einen Teil und so kann man also auch Früchte ohne Arbeit ernten. Befragt haben wir zu diesem Thema Studentin Lea, die ein Feld beim Tiroler Gemeinschaftsgarten bei Neu-Rum gemietet hat.

 

Die Zeitlos: Hallo Lea, danke, dass du dir Zeit nimmst. Wie viel Aufwand ist es, so ein Feld zu bestellen?

Lea: Hallo, ja sowieso, ich teile meine Erfahrungen zu dem Thema gerne. Das kommt tatsächlich darauf an, wie das Wetter ist. Bei Trockenheit muss man die Pflanzen schon jeden Tag gießen. Aber ich teile mir das Feld zum Beispiel mit einer Freundin, dann kann man sich auch abwechseln. Ansonsten vielleicht einmal pro Woche. Natürlich fahre ich auch zum Ernten und Jäten von Unkraut hin. Es gibt auch die Möglichkeit, selbst etwas einzupflanzen, aber bei dem Feld in Neu-Rum bepflanzt der Bauer schon einen Teil der Parzelle, die man dann übernimmt.

DZ: Woher wisst ihr, was ihr wann anpflanzen könnt?

L: Der Bauer, der das Feld vermietet, gibt uns Tipps. Manchmal werden auch Informationen per Mail ausgeschickt. Zum Beispiel: Jetzt wäre die beste Zeit, um Kartoffeln einzupflanzen. Die Pflanzen oder Setzlinge muss ich allerdings selbst kaufen. Manchmal besorge ich mir auch Samen. Manche muss man dann zwar zuhause vorziehen, bevor man sie einsetzen kann, aber das ist dafür die billigere Variante.

DZ: Würdest du sagen, du bist mit deinen Aufgaben gewachsen?

L: Auf jeden Fall. Man lernt sehr viel über das Gärtnern, über die Pflanzen und Lebensmittel und schätzt die Arbeit und die Ernte dann auch viel mehr, wenn man einmal gesehen und am eigenen Leib gespürt hat, wie viel Mühe dahintersteckt.

DZ: Gibt es einen Mitgliedsbeitrag?

L: Ja, also wir zahlen eigentlich Miete für das Stück Land, das bewirtschaftet wird. Ich zahle zum Beispiel 150€ pro Jahr. Das variiert aber je nach Gemeinschaftsgarten.

DZ: Für wen ist das was?

L: Für Leute, die engagiert sind und auch Spaß am Gärtnern haben. Ich würde von mir nicht behaupten, einen grünen Daumen zu haben, aber man entwickelt irgendwann ein Gespür für die Pflanzen. Es ist eine richtige Belohnung, das eigens angepflanzte Gemüse zu ernten. Mir persönlich tut es auch einfach gut, manchmal in der Natur zu sein und ich finde es sehr entspannend, mit Spatel, Hacke und Erde zu hantieren.

Lea mit den selbst geernteten Melonen am Feld in Neu-Rum

Kooperieren

Wer keine Lust, keine Zeit oder keinen grünen Daumen hat, der kann sich auch einfach für eine sogenannte FoodCoop anmelden. Das Prinzip einer FoodCoop, zu Deutsch Lebensmittelkooperation, ist, dass sich eine Gruppe von Leuten zusammenschließt, sich organisiert und biologische Produkte von regionalen Anbietern, Bauern, Gärtnereien, etc. bezieht. Dabei ist ein kleiner Beitrag zu leisten, sowohl in finanzieller als auch organisatorischer Hinsicht. Genauer erklärt hat das Jutta von der FoodCoop Kooperation zum Fruchtgenuss.

Die Zeitlos: Hallo erstmal. Danke, dass du dir Zeit für Die Zeitlos nimmst. Jutta, was genau versteht man unter einem kleinen organisatorischen Aufwand, den man als Mitglied betreiben muss? Wie engagiert muss man überhaupt sein, um mitmachen zu können?

Jutta: Hallo. Gerne doch. Also, es gibt verschiedene Arbeitsgruppen, die sich jeweils um unterschiedliche Bereiche kümmern, zum Beispiel um die Finanzen oder den Kontakt zu den Produzenten. Alles läuft ehrenamtlich, also auch die Einführung der neuen Mitglieder, das erste Treffen, eine Führung durchs Lager, eine begleitete Abholung. Man kann auch einen Beitrag zahlen, wenn man aus irgendwelchen Gründen wirklich sehr wenig Zeit haben sollte, oder man macht es wie ursprünglich gedacht und wendet ein paar Stunden im Monat für die Mithilfe bei der FoodCoop auf. Engagiert sollte man definitiv sein, weil eine Kooperation von vielen Menschen ohne die Mithilfe des Einzelnen nicht funktioniert.

DZ: Wie organisiert ihr euch?

J: Einmal im Monat gibt es ein Plenum, bei dem alle Mitglieder der FoodCoop zusammenkommen und Anfälliges besprechen.

DZ: Gibt es einen Mitgliedsbeitrag?

J: Das ist unterschiedlich. Ich habe zu Beginn eine Kaution gezahlt und man sollte dann pro Monat für einen gewissen Betrag Essen bestellen, aber strikt vorgeschrieben ist meistens nichts.

DZ: Welches Obst und Gemüse kann man denn jetzt in der kalten Jahreszeit erwarten?

J: Im Winter gibt es viel Kohl, Wurzelgemüse (etwa Pastinaken oder Petersilienwurzeln), Kürbis, Karotten, Kartoffeln, rote Beete, Zwiebeln, Knoblauch und so weiter. Eigentlich alles, was das regionale Herz begehrt. Alle Lebensmittel sind immer biologisch und regional, das hat oberste Priorität. Dann kommt noch der Verzicht auf Verpackungen und Plastik im Allgemeinen hinzu. Es gibt nichts Exotisches, nur selten zum Beispiel Orangen aus Italien, von einem Erzeuger, den jemand persönlich kennt. Aber auch nur, wenn jemand aus der FoodCoop die Ladung selbst herbringt, zum Beispiel beim Rückweg aus dem Urlaub.

DZ: Wie findet man die passende FoodCoop?

J: Ich bin durch Freunde auf die Kooperation zum Fruchtgenuss gestoßen, aber viele wählen das auch je nach Lage der FoodCoop und ihrem Wohnort aus. Es ist natürlich praktischer, wenn man näher am Lager wohnt. In Innsbruck ist das für Leute aus dem Westen eher die BareFood in der Höttinger Au und für Leute aus dem Osten eher die Kooperation zum Fruchtgenuss im Stadtteil Dreiheiligen.

DZ: Für welchen Typ von Mensch ist das „das Richtige“?

J: Prinzipiell auf jeden Fall für alle mit begrenzten finanziellen Mitteln, da man den Aufschlag, der im Supermarkt durch das Sortieren, Verpacken und Präsentieren der Produkte verlangt wird, einspart. Generell für alle, die wenig Geld, dafür etwas mehr Zeit haben. Also sind Studenten eigentlich die perfekte Zielgruppe. Außerdem natürlich für jeden oder jede, die Wert auf die Umwelt sowie gute, gesunde Lebensmittel legen, auf Verpackungen verzichten wollen und bereit sind, sich für ihre Ernährung gemeinsam mit anderen Leuten zu engagieren. Zusätzlich kann man meiner Meinung nach viel über die Lebensmittel an sich lernen, aber auch über die Produzenten und die Saisonalität. Die Diversität der regionalen Erzeugnisse lernt man auf diesem Weg ebenso kennen.

Das Endergebnis lohnt sich also: regionale Bio-Produkte zum fairen Preis, die nachhaltig produziert werden.

Frische Produkte aus Innsbruck und Umgebung

Ohne Hülle, viel Fülle

Mittlerweile gibt es auch in Innsbruck Unverpackt-Läden, die großteils auf Plastik-Verpackungen verzichten. Dazu zählen das Insteps in der Markthalle und Greenroot am Marktgraben.

Gut informiert durch Greenroot

Das Konzept eines Unverpackt-Ladens ist der langfristige Verzicht auf unnötige Plastikverpackungen. Manche Lieferungen kommen zwar in diesen, um die Haltbarkeit zu gewährleisten. Trotzdem ist es insgesamt sparsamer, weil große Mengen in nur einem Behältnis verpackt werden.

Die Ware gibt es in solchen Läden dann zur freien Entnahme, also kann auch bei der Menge frei entschieden werden. Greenroot stellt zwar ökologische Papiersackerl in verschiedenen Größen zur Verfügung. Bei einem Besuch nimmt man aber am besten schon einige Behältnisse mit. Gut eignen sich wiederverwendbare Glasbecher, zum Beispiel ein Jogurt- oder Olivenglas. Wer Wert auf Uniformität im Küchenregal legt, kann diese Behältnisse natürlich auch extra kaufen. Greenroot legt das Augenmerk vor allem auf biologisch und nachhaltig produzierte Produkte, Regionalität spielt eher eine untergeordnete Rolle. Grund dafür ist, laut unserem Ansprechpartner Engin Dogan, dass man auch nachhaltige Landwirtschaft in anderen Ländern fördern möchte. Insteps legt den Fokus auf die Regionalität, dafür sind manche Produkte nicht biologisch.

Köstlichkeiten aus regionalen Produkten gibt es beim Insteps

Für wen sind solche Unverpackt-Läden perfekt?

Für alle, die ihre Lebensmittelschränke mit Getreide, Nudeln und anderem füllen wollen, ohne die Natur mit unnötigen Plastikverpackungen zu schädigen.

Viel unverpackte Auswahl im Greenroot

Fragen nach der Transparenz – Woher kommen meine Lebensmittel? Wie werden sie angebaut oder verpackt? – finden allmählich Eingang in die Gedanken der Allgemeinheit. Neben der Beschäftigung mit den Auswirkungen von Lebensmitteln auf unseren Körper sind also auch die Konsequenzen auf unsere Mitmenschen und Umwelt nicht außer Betracht zu lassen.

Die oben angeführten Punkte bieten Antworten auf diese Fragen sowie Möglichkeiten, sich für Lebensmittel, Produzenten und nicht zuletzt sich selbst zu engagieren.


Bilder: Kristina Halabi, Tjara Boine, Lea Müller

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