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Kleider machen Leute

© William Mattey

An jeder Ecke in fast jeder Stadt stehen sie: die Kleidercontainer. Oft ziert sie der Name einer karitativen Organisation, manchmal sind sie aber nur graue, leblose Blechkisten. Was passiert nun mit den Sachen, nachdem sie im Altkleider-Container eingeworfen wurden?

Das Geschäft mit den Altkleidern ist so eine Sache. Die einen freuen sich, dass der eigene Kleiderschrank sich minimiert, die anderen sehen darin eine Möglichkeit, etwas vom eigenen Wohlstand abzugeben und Bedürftigen zu spenden. Doch mit dem Einwurf des Sacks voll T-Shirts und Jeans in den Kleidercontainer wird nicht immer das gemacht, was sich die Spender*innen vorstellen.

Über die Gesamtmenge an alten Kleidern, die jährlich in Österreich anfällt, kann man nur spekulieren, Schätzungen zufolge handelt es sich um 80.000 Tonnen pro Jahr. Ein großer Teil der Kleidung wird in Kleidercontainern entsorgt, rund 3.000 stehen allein an Wiens Straßenecken zur Verfügung.

Die Namen auf den Containern

Rotes Kreuz, Caritas, Humana – das sind nur einige der Namen, die die Altkleider-Container zieren. Hinter diesen Namen stehen gemeinnützige Organisationen, die die Kleider an bedürftige Menschen weitergeben oder für sinnvolle Zwecke verkaufen, zumindest in den meisten Fällen. In allen Bundesländern gibt es zudem die Carla-Kleiderausgabe beziehungsweise Carla-Shops, wo die in den Caritas-Containern gesammelte Kleidung weiterverkauft oder an Bedürftige gratis ausgegeben wird.

Die Entleerung der Sammelcontainer und die Weiterverarbeitung der Textilien haben die meisten Vereine der Firma Öpula überlassen. Der Rohstoff-Recycling Betrieb existiert seit über 20 Jahren und hat sich auf das Altkleidergeschäft spezialisiert. Dieser Markt ist komplett segmentiert, und Öpula fungiert dabei als Zwischenhändler, der die Kleiderspenden zum Sortieren nach Italien transportiert. Die Sortierarbeit in Österreich sei schlichtweg zu teuer.

Die Kleider werden schließlich je nach Beschaffenheit entweder nach Afrika verkauft oder zu Putzlappen verarbeitet. Nicht recycelbare Materialien landen auf der Deponie. Ein geringer Prozentsatz der brauchbaren Kleidung wird wieder nach Österreich importiert und kommt kostenlos karitativen Einrichtungen wie z.B. Flüchtlingsheimen, Frauenhäusern oder dem Katastrophenschutz zugute. 35% der Altkleidung gehen ins Recycling, in die Rohstoffindustrie, wo sie für Dachpappe oder Autoinnenverkleidung zum Einsatz kommt. Rund 10 % der Ware ist Textilmüll, ca. 5 bis 10 % Restmüll.

Eine weitere Organisation hinter den Containern ist Kolping. Rund 3.000 Tonnen Kleidung landen jährlich in den Kolping-Kleidercontainern. Kolping Österreich hat mit der Firma Öpula die Vereinbarung, dass ein Teil der gesammelten Altkleider eingelagert wird und bei Bedarf für direkte Kleiderspenden genutzt werden kann, beispielsweise in Flüchtlingsheimen – nicht nur in Österreich, sondern auch in Rumänien oder Moldawien. Mit dem Erlös von verkaufter Ware werden soziale Einrichtungen und Projekte wie Einrichtungen für Mütter und Kinder oder Beratungsstellen für Jugendliche und Familien finanziert.

Die Annahme, dass Kleiderspenden im Rahmen der Entwicklungshilfe vom Roten Kreuz, Caritas oder Kolping kostenlos in der dritten Welt verteilt werden, kann nicht bestätigt werden. Dafür sind sie neben den Förderungen des Landes eine weitere Einnahmequelle und die Gewinne, die mit Öpula geteilt werden müssen, fließen zweckgebunden in Sozialprojekte in Österreich.

Wams Innsbruck

Seit 1984 sammelt der Tiroler Verein Wams gebrauchte Kleidung und verkauft sie in Second-Hand-Shops in Innsbruck, Schwaz, Jenbach und Hall. In den Betrieben arbeiten vor allem arbeitsuchende und gehandicapte Menschen, die jeden Arbeitsschritt selbst erledigen – von der Entleerung der 260 Container bis hin zur händischen Sortierung der Kleidung. Da in der Regel zu viel gespendet wird, landet ein Teil bei Second-Hand-Shops in Ungarn.

Ansonsten versucht man, möglichst viel zu verwenden: Die schönsten Stücke werden verkauft, noch gut Erhaltenes bekommt ein Verein für Obdachlose und aus kaputter Kleidung werden noch Putzlappen hergestellt. Der Erlös selbst reicht allerdings nicht, um die Betreuung durch Sozialarbeiter*innen und Co. zu finanzieren, daher trägt auch das Arbeitsmarktservice und das Land Tirol zum Erhalt des Vereins bei.

Nicht alles Gold, was glänzt

Doch nicht immer stecken karitative beziehungsweise soziale Einrichtungen hinter der Betreuung der Kleidercontainer. Der deutsche Dachverband FairWertung hat Standards für ein faires und verantwortliches Sammeln und Verwerten von Altkleidern entwickelt. Dazu gehören Gemeinnützigkeit, klare Informationen, Umweltschutz und verantwortliche Entsorgung sowie Transparenz und Kontrolle. Leider gibt es auch unter Altkleidersammlern schwarze Schafe, dabei handelt es sich um lediglich gewinnorientierte Unternehmen, die nur den Schein wahren, gemeinnützig zu sein.

Alles in allem wird zu viel gespendet. Davon ist kaum etwas weiterverwendbar, da der Trend heutzutage zu Fast Fashion und einer beschränkten Lebensdauer von Produkten tendiert. Betrachtet man die Zahlen – auch wenn es sich aufgrund der Menge nur um Schätzungen handelt – sollte das ein Beweis dafür sein, dass unser Konsum übertrieben und aus dem Ruder gelaufen ist. Damit auch die karitativen Einrichtungen die Kleidungen aus zweiter Hand tatsächlich wieder als Kleidung verwenden können, sollte auf qualitative Produkte aus fairem Handel und nachhaltigen Materialien gesetzt werden.

Beitragsbild: © William Mattey von Pexels

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!