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„Ich bin Talia, ich bin illegal, dem Gesetz egal“

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Eine junge Frau betritt den Raum, zieht mit der einen Hand einen Kübel hinter sich her und hält in der anderen einen Wischmopp, mit dem sie den Boden reinigt. Fast niemand bemerkt sie und erst als sie auf der Bühne steht, wird klar, dass das Stück schon begonnen hat.

“Kein Dreck ist mehr hier. Alles weg!” Energisch wischt sie den Boden und beginnt zu erzählen. Ihr Name ist Talia, sie ist geflüchtet und illegal im Land. Ihren Lebensunterhalt verdient sie als Putzfrau, obwohl sie als nicht anerkannte Asylwerberin eigentlich nicht arbeiten dürfte. Doch ihrem Arbeitgeber ist das egal, genauso wie ihren Arbeitskolleginnen, die sie nicht als eine von ihnen sehen und nicht weiter beachten. Talia hat den Wunsch, sich ausdrücken zu können und von anderen gesehen und gehört zu werden. Aber niemand tut das, sie ist immer “die Andere”, lediglich jemand, der Dreck wegmacht, für Menschen, für die sie selbst Dreck ist. Die Gesellschaft erwartet von ihr Dankbarkeit und Freude für die neue Chance, die ihr gegeben wurde. Diese empfindet sie aber nur bedingt, vor allem fühlt sie Wut. Wut auf ihre aussichtslose Situation, denn sie sei “nur Vergangenheit, keine Gegenwart, keine Zukunft” und wird in ihrer neuen Heimat immer über ihre Flucht definiert werden. Doch genau das will sie nicht. Weitermachen ist ihre einzige Option, um irgendwann wirklich anzukommen.

“Kein Dreck”, ein Stück von Sarah Milena Rendel mit Berna Karayilan als Talia in der einzigen Rolle, wird zurzeit in der Bäckerei aufgeführt. Obwohl der Inhalt sehr abstrakt ist und wenige konkrete Anhaltspunkte bietet, lässt die Schauspielerin den Text klar und authentisch wirken. Eindrucksvoll ist auch die Interaktion mit dem Publikum. Im ersten Teil spricht sie einzelne Personen direkt an und sucht Blickkontakt zu ihnen, während sie im zweiten Teil dem Zuschauerraum den Rücken kehrt. Das Bühnenbild ist minimalistisch, die spärlichen Requisiten sind gut gewählt und unterstreichen die triste Stimmung. In Erinnerung bleiben vor allem die flackernde Kerze, die im Stück Hoffnung symbolisiert, und das schäumende Putzwasser, das am rauen Boden langsam trocknet und den Dreck verschwinden lässt. Unkonventionell sind auch Licht und Dunkelheit auf der Bühne, die scheinbar willkürlich gewechselt werden. Erst im Laufe des Stückes lässt sich ein Muster erkennen, besonders in einer sehr berührenden Szene, in der Talia im Dunkeln sitzt und in ihrer Muttersprache singt. Eine weitere Besonderheit in der Umsetzung ist der von Berna Karayilan gesprochene Off-Ton, der ihr in manchen Szenen als Spielpartner dient.

Stimmen aus dem Publikum:

“Ich bin mir nicht sicher, was ich von dem Stück halten soll. Es war sehr speziell und mir war es teilweise zu viel. Der Inhalt war sehr tiefgründig und es dauert, glaube ich, eine Weile, ihn zu verarbeiten. Ich würde das Stück auf alle Fälle weiterempfehlen.”

“Sie hat sehr gut gespielt und man konnte sich gut in die Rolle hineinfühlen. Das Stück hat viel Freiraum gelassen, um die eigene Fantasie spielen zu lassen, was sie wohl alles erlebt hat. Es ist sehr berührend und regt zum Nachdenken über die Fluchtthematik an.”

“Mir hat die Umsetzung sehr gut gefallen. Der Inhalt selbst war teilweise sehr klischeebehaftet und zeigte wenig neue Aspekte zum Thema. Schade ist, dass sich Leute, die eine kritische Meinung zu Flüchtenden haben, das Stück nicht anschauen.”

Weitere Termine:

8.5., 10.5., 15.5., und 17.5., um 20 Uhr in der Bäckerei, Dreiheiligenstraße 21a

Text: Susanna Mathi, Kilian Standhartinger
Fotos: Kilian Standhartinger

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