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Kyotos Nachfolger: Paris 2015

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Im Winter bleiben unsere Ski immer öfter im Keller, die Sommer sind gefühlt verregneter denn je. Gerade in den Alpen, wo der Tourismus eine der Haupteinnahmequellen darstellt, sind Klimaveränderungen mit den Jahren stärker spürbar geworden. Wann bitte hatten wir zuletzt richtig verschneite Weihnachten? Hierzu könnten wir einen der üblichen Bekehrungsversuche zum Weltklima starten. Stattdessen soll dieser Artikel anlässlich der im Dezember stattfindenden UN-Klimakonferenz von Paris einen Überblick geben, was im Klimaschutz bereits erreicht wurde (oder auch nicht), wo wir heute stehen und welche Ziele in den nächsten Jahren verfolgt werden sollen.

Schon vor 1997 gab es Konferenzen zum Klimawandel, jedoch stellte das Kyoto-Protokoll, beschlossen in Kyoto (Japan), die erste für Staaten rechtlich bindende Vereinbarung zur Reduktion von Emissionen dar. Das Ziel war die Verhinderung einer Erderwärmung von über 2°C. In einer ersten Periode bis 2012 sollten die teilnehmenden Staaten hierfür die Ausschüttung von sechs Treibhausgasen (THGs) im Durchschnitt um 5,2% reduzieren (verglichen mit 1990). Das Protokoll erkannte die Industriestaaten als Hauptverantwortliche für die hohen THG-Werte in der Atmosphäre an und legte ihnen deshalb besonders strenge Zielvorgaben auf. So verpflichtete sich Österreich für die erste Periode zu einem Minus von 12%. In der Doha-Konferenz 2012 wurde diese Zielvorgabe bis 2020 für 37 Industriestaaten noch einmal auf durchschnittlich 18% im Vergleich zu 1990 erhöht.

Die vielkritisierte Besonderheit des Kyoto-Protokolls war, dass Staaten ihre THG-Bilanz im Falle des Nichteinhaltens ihrer Zielvorgaben durch den Kauf von Zertifikaten von Staaten, die besser dastehen, aufbessern können. Auch durch die Förderung von emissionsreduzierenden Projekten in Entwicklungsländern können sie solche „Emission Credit Units“ verdienen und somit nach Ablauf der jeweiligen Perioden ihre Weste reinwaschen. Die Überwachungsfunktion übernimmt das UN-Sekretariat für Klimawandel in Bonn.

Was bisher geschah

Das Fazit der bereits verstrichenen ersten Periode ist ernüchternd. Deutschland konnte zwar als große Ausnahme sein Ziel von -21% sogar um -2,4% übertreffen. Österreich verzeichnete aber statt der geplanten -12% sogar einen um +2,5% erhöhten THG-Wert im Durchschnitt der Periode. Nur durch den Emissionshandel von 69 Mio CO2-Äquivalenten, konnte Österreich seiner völkerrechtlichen Verpflichtung nachkommen. Die meisten Staaten waren nicht viel erfolgreicher – Kanada etwa ist aus dem Wissen, das Protokoll nicht erfüllen zu können, 2011 sogar aus dem Abkommen ausgetreten.

Seitdem der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, das UN-Statistikorgan für Klima) 2014 seinen fünften Klimabericht herausgebracht hat, weiß man auch ausdrücklich, dass der Erfolg der gesetzten Maßnahmen lange nicht genug war. Der Bericht beschreibt die Ursachen und Auswirkungen der Klimaveränderungen, erkennt auch bereits getätigte Maßnahmen an, aber spricht vor allem Eines aus: Von Beginn der industriellen Zeit an hat sich die Temperatur in der Atmosphäre kontinuierlich erhöht (wenn auch mit wenigen Ausreißerjahren). Seit 1950 kann ein deutlicher Anstieg von Umweltkatastrophen und extremen Wetterphänomenen wie Fluten und Hitzewellen in allen Erdregionen verzeichnet werden. Der Klimawandel ist real und der Mensch eindeutig als sein Verursacher identifizierbar. Der Report ruft zu dringendstem Handeln auf, sollte der 2°C-Anstieg weiterhin das Ziel bleiben. Falls die Treibhausgasemissionen im gleichen Ausmaß weitersteigen wie zwischen 2000 und 2010, so drohe eine Erwärmung von bis zu 4°C, warnt der Rat.

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The outskirts by Damián Bakarcic via Flickr

Paris 2015

Der IPCC-Bericht soll die Basis für weitere Klimaschutzstrategien sein. Kyoto läuft schon bald aus, also fanden in den letzten Jahren mehrere Gipfel, u.a. in Lima, Doha und Durban, die einen neuen, großen Weltklimavertrag vorbereiten sollten. Dieser soll im Dezember 2015 in Paris beschlossen werden, um das Kyoto-Protokoll ab 2020 abzulösen. Der Fokus liegt darin, auch aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Indien undChina stärker in die Pflicht zu nehmen. Das Problem: Noch am letzten Treffen in Lima im Dezember  2014 schienen die Interessen schier unvereinbar. Es bleibt zu hoffen, dass die Staatschefs in diesem Jahr trotzdem eine Einigung finden.

Fotos: Erneuerbare Energie by Jörn Spiegelberg via Flickr unter CC 2.0, The outskirts by Damián Bakarcic via Flickr unter CC 2.0


Anm. d. Red.: Dieser Artikel wurde erstmals in unserer Printausgabe #6 | SS 2015 veröffentlicht.

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