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Die Spionin von Imogen Kealey – eine Rezension

Der Roman Die Spionin von Imogen Kealey verfolgt einen Teil der Lebensgeschichte einer Frau, die heute zwar nicht mehr so bekannt ist, die allerdings Großartiges während des 2. Weltkriegs geleistet hat – Nancy Wake.

Die Spionin beginnt im Jahr 1939 am Tag der Hochzeit von Nancy und Henri Fiocca, einem Marseiller Industriellen, und begleitet die Hauptfigur bis zum D-Day (6. Juni 1944, näheres zu den historischen Ereignissen wird im historischen Hintergrund beschrieben). Wake war zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit bereits Kurierin sowie Fluchthelferin unter dem Codenamen Die weiße Maus. Im Verlauf des Romans muss Wake Frankreich jedoch verlassen – die Gestapo (Geheime Staatspolizei) kommt ihr immer mehr auf die Schliche. Dabei lässt sie ihren Ehemann zurück. Nancy geht nach London wo sie sich der SOE (Special Operations Executive, ein spezieller Nachrichtendienst) anschließt, welche sie zur Agentin ausbildet und mit dem Auftrag die dortigen Widerstandskämpfer auf den D-Day vorzubereiten zurück nach Frankreich schickt.

So viel zum Inhalt des Romans. Imogen Kealey hat eine sehr angenehme Schreibweise. Sie versteht es, die Grausamkeiten der NS-Zeit eindrücklich und sehr bildlich zu schildern, ohne dass diese dabei einen zu großen Anteil einnehmen. Im Bezug auf Nancy Wake ist sowohl der Titel als auch das Cover des Romans natürlich sehr passend gewählt. Nancy Wake hat immerhin ganze Arbeit geleistet, um dem NS-Regime entgegenzuwirken. Im hinteren Teil befindet sich auch ein Anhang mit historischen Anmerkungen, in denen Imogen Kealey darüber aufklärt, bei welchen Begebenheiten sie etwas von der Geschichte der historischen Nancy Wake abgewichen ist. Weiterhin finden sich dort auch die Quellen für ihren Roman und können damit als weiterführendes Lesematerial gesehen werden.

Nun zu meiner Meinung zu dem Roman. Ich habe dieses Buch per Zufall in einer Buchhandlung gefunden. Sowohl der Titel als auch das Cover und der Klappentext haben mich sofort angesprochen. Als historisch interessierte Person war ich sehr bald von dem Roman gefesselt und habe mich auch mit der geschichtlichen Nancy Wake auseinandergesetzt. Wie bereits im oberen Teil beschrieben, gibt es zwar Abweichungen, welche aber ziemlich minimal sind.

Dieser Roman eignet sich für alle Fans von Historienromanen, insbesondere für diejenigen, die auf literarische Weise etwas über den 2. Weltkrieg erfahren wollen und nicht zu zart besaitet sind. Wie gesagt, der Roman wird an manchen Stellen etwas heftig.

Der historische Hintergrund (dieser Part beinhaltet Spoiler)

Zu dem Zeitpunkt, an dem der Roman einsetzt, wird Frankreich von der Vichy-Regierung geführt. Sie arbeiten mit den Deutschen, welche das Land im Juni 1940 besetzen. Nancy Wake lebt zu dieser Zeit in Marseille und ist seit ein paar Monaten verheiratet mit Henri Fiocca. Nancy arbeitet als Kurierin für die Résistance. Da ihr Mann ziemlich viel Einfluss hat, kann sie ihrer Tätigkeit längere Zeit ziemlich unbehelligt nachgehen. Allerdings steht sie 1943 auf einer Fahndungsliste, auf ihren Kopf sind 5 Millionen Frances ausgeschrieben. Nach mehreren Festnahmen beschließt die Résistance sie nach London zu schicken. Henri Fiocca bleibt zurück und wird von der Gestapo verhaftet und gefoltert (er stirbt am 16. Oktober 1943 in den Händen der Gestapo, was Nancy allerdings erst am 25. August 1944 erfährt, an dem Tag als Paris befreit worden ist). Der SOE bildet Nancy zur Agentin aus und schickt sie zurück nach Frankreich, um den D-Day vorzubereiten. Als D-Day wird der Tag bezeichnet, an dem alliierte Truppen in der Normandie (Frankreich) landen. Damit eröffnen sie eine zweite Front gegen den Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und seit 1940 Japan). Als legendär gilt Nancys Fahrradtour nach Châteauroux, bei der sie in 72 Stunden 500 Kilometer zurücklegt, um ein neues Funkgerät zu besorgen, da das alte bei einem Angriff der deutschen Truppen zurückgelassen werden musste.

(c) Beitragbild: unsplash.com