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Wenn wir doch nur Schriftsteller*innen wären

Der Duft von Vanillekipferl, glitzernder Schnee, warme Wollsocken. Einkaufsstress, soziale Zwänge und gespielte Freundlichkeit. Beim Wort Weihnachten kommen Assoziationen hoch, die so manche mit wohliger Wärme füllen, den anderen läuft ein kalter Schauer über den Rücken. Ein literarisch nicht ganz so wertvoller Weihnachtsgruß von der Chefredaktion.

Das Wort Weihnachten fasziniert als seines selbst sowohl in seiner Orthographie als auch seiner innewohnenden Semiotik – zumindest empfinden wir das so. Ob es jetzt ein ganz spezifischer Tag in unserer Kindheit ist, der uns an dieses Wort denken lässt, ein Duft, der besondere Gefühle hervorruft und mit seinen Dunstfäden förmlich Weihnacht in die Luft schreibt oder doch nur eine rot-grüne Grußkarte von der Tankstelle gegenüber, deren Merry-Christmas-Aufdruck eher wie ein verzweifelter Hilfeschrei wirkt. Einen Beitrag zu verfassen, der all diese Facetten einfängt und dies auch in gebührender Form, ist beinahe unmöglich. So fragten wir uns schlicht gegenseitig: „Woran denkst du an Weihnachten?“

Der Tiroler unter uns träumt von einem ganz besonderen Moment: „Es war ein Tag, an dem es so viel geschneit hat wie kaum zuvor. Eigentlich kann ich mich an kein anderes verschneites Weihnachten in Innsbruck erinnern. Nicht nur meine dicke Winterjacke, sondern auch die erhitzten Gemüter der Menschen in der Stadt wärmten mich an diesem eiskalten Tag.“ Selten sah man eine Person, die nicht wirkte, als müsse sie ihren vorweihnachtlichen Stress in ihrem schnellen Gang und ihrer strengen Miene Ausdruck verleihen.

Der Schnee lag an diesem 24. Dezember so hoch, dass die Stadt zum Stillstand kam. Die dadurch entstandenen Kolonnen von Bussen und Trams bewegten sich nur noch in Zeitraffer. Bewohner*innen Innsbrucks waren dazu veranlagt, das weiße Gold vom Himmel vor und unter den Straßenbahnen zu räumen. Unbekümmert von dem, was auf den Straßen der Landeshauptstadt passiert, fiel der Schnee weiter und die Umgebung hüllte sich in ein zauberhaft glitzerndes Kleid, das alle Geräusche abzuschotten schien.

„Und dann war da ich. In der einen Hand ein Schoko-Croissant, die andere knapp neben der meiner Mutter – sicher ist sicher.“ All die Leute, die noch in letzter Sekunde unbedingt ihre Geschenke besorgen mussten, schon an ihre Pünktlichkeit beim weihnachtlichen Abendmahl mit der Familie dachten oder noch schnell in der Kneipe den letzten Obstler vor Heiligabend kippen wollten, ja all diese Menschen waren jetzt in einer dieser Straßenbahnen oder Busse förmlich gefangen. Aber waren sie gefangen? Vielleicht war es die ersehnte Erlösung, ein Ausweg aus dem Gefängnis Stress, dessen Fundament aus Schnee und seine Gitterstäbe aus Zuckerstangen Jahr für Jahr die Menschen umringt.

So wurden alle gezwungen, innezuhalten und durchzuatmen. In solchen Momenten wird einem erst wieder bewusst, dass an kitschigen Kalendersprüchen und pathetischen Sprichworten über Weihnachten doch etwas Wahres dran sein kann. Ob man nun daran glauben möchte oder nicht, man kann dem Schnee in diesem Szenario etwas Übernatürliches zuschreiben. Endlich kehrte Stille ein. Denn dieser eine Moment war gezeichnet von Entspannung und Ruhe, zu der die*der ein oder andere ohne das Schneetreiben vermutlich nicht gekommen wäre.

Bekanntlich gibt es in den flachen Teilen Österreichs kaum verschneite Weihnachtsfeiertage, daher ist es wohl nicht abwegig, dass die Wahl-Innsbruckerin unter uns völlig anderes mit Weihnachten assoziiert: „Für mich ist Weihnachten ein Mehr an Düften gepaart mit Emotionen. Nelken, Anis, Zimt und Zucker. All diese Gerüche gehören für mich zu Weihnachten und jeder einzelne weckt ein völlig anderes Gefühl in mir.“ Wenn wir doch nur Schriftsteller*innen wären, könnten wir uns nun austoben und eine Ode an die Weihnacht schreiben, die vor Pathos nur so strotzt.

Durch die fehlende Begabung kann nur auf persönliche Erfahrungen und Erinnerungen zurückgegriffen werden. „Als ich noch ein kleines Kind war, durfte ich beim obligatorischen Besuch bei Oma und Opa helfen, die letzten Kekshälften mit Marmelade zu verkleben – Orangenlaibchen waren es, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern“. Diese Mischung aus Vanillezucker, Butter und Orangen-Zesten schreibt vermutlich für mehrere Personen Weihnachten in die Luft. 

Geteilte Momente, ähnliche oder gar gleiche Assoziationen, egal von wo man kommt oder wer man ist: Weihnachten ist neben religiösem Brauchtum zu einem Fest der Nächstenliebe und Zusammenkunft unabhängig von den (meisten) Glaubensgemeinschaften geworden. Zwar sind die familiären Feste meist geprägt von Bullshit-Bingo und Ungereimtheiten, fangen aber dann die Düfte an, die Räume zu füllen und werden die Gerichte auf den Tischen eingestellt, kehrt eine Ruhe ein, die mit keinem anderen Tag vergleichbar ist.

In Diesem Sinne wünschen wir euch im Namen des gesamten Die Zeitlos-Teams eine beruhigte, besinnliche und freudige Weihnachtszeit. Mögen eure Bäuche gefüllt sein mit gutem Essen und herzlichem Gelache.

Nicole und Tobi <3

Beitragsbild: © Foto von Irina Iriser von Pexels

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!