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Bio? Logisch! Ein Interview mit einem biologischen Milchwirtschaftsbetrieb

Seit 2019 bewirtschaftet die zehnköpfige Familie den Bergbauernhof und Milchwirtschaftsbetrieb Galtinerhof in Rodeneck nach biologischen Produktionsprinzipien. Dabei halten und züchten sie Kühe der Rasse Brown-Swiss, welche aufgrund der hohen Milchleistung und der guten Anpassungsfähigkeit in der Milchwirtschaft sehr beliebt sind. Thomas Silgoner, 23 Jahre jung und der älteste Sohn der Familie, hat sich mit mir virtuell getroffen, um mir die Vorteile eines biologischen Betriebes darzulegen.

 

Die Zeitlos: Was bedeutet Bio-Landwirtschaft für dich?

Thomas Silgoner beim Mähen mit der Sense (im Südtiroler Dialekt „Segnes“ genannt)

Thomas Silgoner: Für mich bedeutet biologische Landwirtschaft, dass umweltfreundlich produziert wird und somit das Produkt weniger Gifte enthält. Letzteres auch in Bezug auf den Pflanzenbau, weil weniger Toxine, wie Pestizide oder Herbizide eingesetzt werden.

 

Was waren ausschlaggebende Argumente, um von konventioneller Landwirtschaft auf eine biologische zu wechseln?

Grundsätzlich muss ich sagen, dass dies sicherlich ein finanzieller Aspekt war, denn durch den Umstieg von konventioneller auf biologischer Landwirtschaft steigt auch der Milchpreis. Milch wird mehr wert und dadurch wird mehr Kapital erzielt. Dem muss ich noch vorwegnehmen, dass es bei uns auch nicht ein riesiger Wandel war, da wir bereits zuvor [also vor 2019 –Anm. d. Autorin] eine Silage freie Produktionsweise hatten. Hierbei darf man allerdings auch die Kriterien eines Bio-Landwirtschaftsbetriebes [in diesem Fall Milchwirtschaftsbetrieb–Anm. d. Autorin] nicht außer Acht lassen, von denen ich nun drei nennen möchte. Als erstes muss im biologischen Betrieb darauf geachtet werden, dass nur biologische Lecke, also Rinderkraftfutter als Zusatz verfüttert wird. Des Weiteren spielt auch die Weidehaltung eine große Rolle, denn die Rinder kommen im Sommer drei Monate auf die Alm [Rodenecker – Lüsner Alm–Anm. d. Autorin]. Zudem braucht es einen Laufstall, den wir nun vor Kurzem fertiggestellt haben, da die Tiere nicht mehr im Stall angehängt sein dürfen.

 

Inwiefern wird durch die biologische Landwirtschaft vermieden, aus dem „Turbotier“ Kuh alles herauszuholen?

Eine Brown-Swiss Kuh auf der Rodenecker -Lüsner Alm

Klarerweise versucht die biologische Landwirtschaft die Ausnutzung des Tieres vorzubeugen. Zwar wird auf Leistung immer geschaut, aber dadurch, dass nur biologisches Kraftfutter an die Tiere verfüttert wird, kommen auch keine Gifte in die Milch. Die Tatsache, dass es eben die zuvor genannten Kriterien gibt, verbessert die Lebensqualität der Tiere. Dem muss noch hinzugefügt werden, dass der Auslauf und die Weidehaltung besser für die Klauen der Tiere sind. Zudem wird auch keine Silage verfüttert. Aber dennoch, um dies nochmals klarzustellen: „Die Leistung muss trotzdem passen!“.

 

Wodurch zeichnet sich die biologische Landwirtschaft gegenüber der Konventionellen aus?

Insgesamt achtet die biologische Landwirtschaft mehr auf die Tiergesundheit als die konventionelle Bewirtschaftungsform. Zudem werden im Pflanzenbau weniger Gifte eingesetzt, wie Herbizide oder Pestizide. Dadurch sind logischerweise auch die Produkte qualitativ hochwertiger und besser. Das sieht man auch an der Milch. Wir produzieren nun seit 2019 Bio-Heumilch. Wenn man an Kühe Silage verfüttert, ist das auch in der Milch nachweisbar. Da wir keine Silage verfüttern, haben wir eine bessere Produktqualität.

 

Kann die biologische Landwirtschaft umweltschonendes und nachhaltiges Produzieren garantieren?

Durch den Verzicht auf Silage und einen niedrigeren Einsatz von Spritzmitteln oder anderen Giften, kann die biologische Landwirtschaft umweltschonendes und nachhaltiges Produzieren garantieren.

Die Heuarbeit in den Sommermonaten, keine Silageproduktion

Inwiefern trägt die biologische Landwirtschaft zur Kulturlandschaftspflege bei?

Grundsätzlich trägt die Landwirtschaft durch die Almwirtschaft viel zur Kulturlandschaftspflege bei. Allerdings kann hier keine Differenzierung zwischen biologischer und konventioneller Landwirtschaft vollzogen werden, da ich der Meinung bin, dass beide mit Ackerbau und Beweidung viel Positives zur Kulturlandschaftspflege beitragen.

 

Ein Plädoyer für die biologische Landwirtschaft in drei Worten: Warum BIO?

„Denn Umweltgifte machen uns alle krank und Tiergesundheit geht uns alle an!“

Die Kühe genießen die frische Bergluft sowie die frischen Bergkräuter auf der Alm

 

 

 


Bildquellen: 

alle Bilder, sowie auch das Beitragsbild sind von ©Thomas Silgoner