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im Portrait: Helmut Frauenlob

Gebürtiger Salzburger und jetzt Wahlwiener Helmut Frauenlob schreibt seine eigenen Kabaretts, arbeitet als Schauspieler und nebenbei ist er Gefangener der Twitter-Blase. Sein Debüt feierte er mit Der gute Mensch, zurzeit schreibt er bereits an einem neuen Programm.

Bereits als kleines Kind hat sich Helmut Frauenlob gerne in eine Fantasiewelt begeben. In seiner Heimat, dem idyllischen Salzburger Land, war es ihm zu eintönig, schlichtweg zu fade. Daher suchte er den Ausweg in eine Parallelwelt wie jene des Fernsehens. „Den 90er-Jahren gerecht war ich ein klassisches Fernsehkind“, erklärte Frauenlob.  Er ließ sich in den Röhrenapparat einsaugen und träumte sich weg. Humortechnisch wurde er dadurch schon früh von Sitcoms geprägt. So kam es also dazu, dass sich sein eigener Traum entwickelte: Leute zum Lachen bringen und das als Beruf. Dem wirklich nachzugehen und seinen Wunsch laut auszusprechen, war ihm jedoch am noch eher konservativ-orientierten Land peinlich.

Was Sinnvolles: Wirtschaft

So packte er nach der Schule seine Sachen und ging nach Österreichs Traumbrutstätte: Wien. Aus Weltrettungsdrang und Machtkomplexen heraus entschied er sich jedoch vorerst für ein Wirtschaftsstudium – wer, wenn nicht die Lobbyisten, rettet sonst unseren Planeten? Nebenbei ging er dennoch seiner etwas verkümmerten kreativen Ader nach: Universitäts-Chor, ein bisschen Schauspiel, ein bisschen Impro. Der Plan war nun, dem Ganzen als Hobby nachzugehen.

Recht zufrieden war Frauenlob mit der Entscheidung dann aber nicht und wagte schließlich den Schritt in die Welt der Kreativen* und Geistlosen*. Doch aller Anfang ist schwer: die Aufnahme ins Reinhardt-Seminar sowie die Aufnahme an einer Grazer Ausbildungsstätte und dem Konservatorium hat er nicht geschafft. Vielleicht doch Wirtschaft studieren und sich dem (selbst-)bemitleidenden Schicksal eines gefallenen Sterns hingeben? Die Absagen waren ein harter Schlag ins Gesicht, der den Künstler definitiv zum Wanken gebracht hat, aber nicht vom Weg abkommen ließ. „Zum Glück gibt es ja immer noch den privaten Sektor!“, scherzte Frauenlob.

Also bewarb er sich an der privaten Schauspielschule Krauss und dies mit Erfolg. Neben all den ambitionierten Jungkünstler*innen fiel ihm auf, dass er gewisse Wissenslücken zu füllen hatte. „Ich hatte das Bedürfnis, alles nachlesen zu müssen. Als Kind verachtete ich das Theater, daher fehlte mir viel an Hintergrundwissen“, erklärte er schuldbewusst. So ging er dann zwei- bis dreimal pro Woche ins Theater und entwickelte eine große Liebe, wenn nicht eher eine Besessenheit dafür. Wie bei so vielem flaute das Interesse dadurch schnell ab und so rückte etwas anderes in den Fokus: Kabaretts.

Arbeiter*innenspirit

Lange war er unsicher: „Soll ich beim Darstellen bleiben? Oder kann ich auch selbst etwas kreieren und darf ich überhaupt etwas schaffen?“ Diese Unsicherheit konnte er auf kleiner Flamme halten, sind doch viele der Szene deswegen seine Held*innen, weil sie eben selber schreiben, selbst etwas schaffen – Kunst aus einem Drang heraus produzieren. Dabei sah Frauenlob in gewisser Hinsicht einen Arbeiter*innenspirit, wie auch in seiner Familie vorgelebt. Der Schlüssel zum Erfolg also: Man muss es sich selbst machen.“

© Michael Giefing

Der gute Mensch

Sein Solodebüt als freischaffender Künstler feierte er mit seinem Programm Der gute Mensch. Es handelt sich um eine autobiographische Witzeshow über die ersten 30 Jahre seines Lebens. Frauenlob macht sich über sich selbst und sein Umfeld lustig: „Wie viel negativen Anteil braucht man, um sich von der Welt zu schützen?“ Wichtig dabei, egal worüber er spricht, es muss sich auf gewisse Art um ihn drehen, ihn betreffen. Zynismus und Co. funktionieren laut eigenen Angaben nur, wenn er direkt involviert ist. So auch bei seinem zweiten Kabarett.

We don’t need no revolution

Wiederum aus privatem Interesse heraus entstand sein zweites Programm We don’t need no revolution. Die Recherche gestaltete sich umfangreich: Bücher wälzen, mit Bekannten* und Freund*innen diskutieren oder sich in der Twitter-Blase verlieren. Lange hat er sich in identitätspolitische Thematiken, wirtschaftliche Revolutionen und gesellschaftspolitische Thematiken eingelesen, dabei im Hinterkopf immer die Fragen: Wie wichtig sind die jetzigen Strukturen? Was ist noch angemessen? Wie viel Gewalt (auch in verbaler Form) ist vertretbar? Welche Grenzen hat Humor – hat sein Humor?

Dabei hat Frauenlob bewusst immer wieder versucht, etwas einzubauen, was ihn auch persönlich betrifft – die erste Hälfte behandelt beispielsweise seine Vergangenheit als radikaler Veganer der linken Revolutionsszene. „Das Kabarett soll die radikalen linken Anteile im Inneren mit den konservativen rechten Anteilen vom Land miteinander versöhnen“, meinte Frauenlob grinsend. 

Mit dem Arsch auf zehn Kirtagen

Doch auch wenn er mit den Kabaretts seinem Drang, Kunst zu schaffen, nachgeht, spielt das Kabarettisten-Dasein nur eine Nebenrolle in seinem Leben. Frauenlob ist weiterhin für TV (zuletzt zu sehen bei Vorstadtweiber sowie Tatort) und Theater tätig: „Schauspiel ist und bleibt mein Hauptberuf.“ Wie bei so vielem, macht es die richtige Mischung aus: in seinem Fall aus Schauspiel und Kabarett.

Frauenlob macht die Projekte, die er wirklich will, die ihn interessieren und die er lustig findet. Auch wenn das bedeutet, er tanzt mit seinem Arsch auf zehn Kirtagen. Egal ob im Kabarett, Film, Serie oder Theater, wenn er ein Thema findet, welches es noch nicht gibt und er sich denkt, das hätte er gerne, versucht er es zu verwirklichen.

„Muss schmecken, soll aber nicht unverträglich sein und nicht weh tun“

– Helmut Frauenlob zu seiner künstlerischen Arbeit

© Michael Giefing

Universalgelehrter 2.0 der Arbeiterklasse

Bei seinen Kabaretts ist nicht das oberste Ziel, alle zum Lachen zu bringen, sondern das Publikum auf emotionaler Ebene anzutreffen, ihnen die Sicherheit zu nehmen und dann schauen, was passiert. „Ich will all` das nicht nur für mich machen, natürlich muss es mir auch gefallen, sonst würde ich es ja gar nicht machen, aber wichtig ist mir auch, etwas in den anderen zu bewegen.“

Auf die Frage hin, was denn seine Zukunft bringen soll, antwortete der charmante Künstler mit zweierlei Zielen. Seinen persönlichen Olymp sieht er mehr im Allgemeinen: einmal alles abklappern, was ihn interessiert, um zu einem „Universalgelehrten 2.0 der Arbeiterklasse“ zu werden. Auf künstlerischer Ebene hat Frauenlob bereits neue Projekte in Arbeit: das dritte Kabarettprogramm, indem es über Künstliche Intelligenz gehen soll sowie ein Projekt mit einer Kollegin zusammen, das im besten Fall in Richtung TV oder Sitcom geht.

Ob Helmut Frauenlob heuer auch in Innsbruck anzutreffen ist, ist noch nicht geklärt. Der Wille ist da, ob auch ein Weg, ist noch offen.

Beitragsbild: © Nina Siutz

Fotos: © Michael Giefing

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!