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im Portrait: Barbara Maria Neu

Vom Bauernhof in die Welt der klassischen Musik, mit der Klarinette in der Hand wieder zurück an den Ursprung. Performance-Künstlerin Barbara Maria Neu verbindet Elemente des Tanzes sowie der Schauspielerei mit eindringlichen Tönen der klassischen Klarinette – mit dem Stück Stalltänze feiert sie ihr Solodebüt.

Barbara Maria Neu stammt ursprünglich von einem Biobauernhof in Ardagger, ein Ort im Mostviertel, der für seine beeindruckende Mostblüte bekannt ist. Zwischen Blütenstaub und Stallgeruch entschied sich die Künstlerin schon früh, das Bild der Landidylle noch mit dem Klang der Klarinette zu erweitern. So begann sie schon in frühen Jahren, das Spielen dieser zu erlernen. Inzwischen studiert sie klassische Klarinette in der Klasse von Gerald Pachinger, Solo-Klarinettist der Wiener Symphoniker. „Die Aufnahme in seine Klasse bereitete mir große Freude“, so Neu. Der Weg bis dahin war schon ein großer Prozess und ein Weg, auf den sie mit Stolz zurückblicken kann. Doch etwas fehlte. Vielleicht das spielen in einem Orchester? Im zweiten Jahr entschied sie sich also, für ein Orchester vorzuspielen, doch wirklich zufrieden stimmte sie das nicht. „Ich kann gar nicht genau beschreiben, was gefehlt hat und wie es dann zu dem Entschluss gekommen ist“, erklärt sie. Also entschloss sie sich, parallel auch Schauspielunterricht zu nehmen. Sogar bis in die Endrunde des Reinhardtseminars schaffte es die ambitionierte Klarinettistin, doch geklappt hat es schlussendlich dann doch nicht. Neu sieht dies aber durchaus positiv: „Jetzt im Nachhinein bin ich froh darüber, dass ich nicht genommen wurde und so dann in die Performance Klasse der Bildenden gelangt bin.“

Barbara Maria Neu im Café Weidinger © Igor Ripak

Verbindung von Musik und Performance

Neben ihrem Studium der klassischen Klarinette besucht sie nun auch die Performance Klasse der Universität für Bildende Kunst Wien. Damit hat sie den für sie passenden Weg gefunden, ihre Kunst auszudrücken. Die Verbindung von Musik und Performance bietet ihr Möglichkeiten, die eine Richtung alleine nicht gewährleisten hätte können. Im einen wäre kein Platz für das andere und eines abzuwählen, wäre nicht mehr in Frage gekommen. So ist Neu froh: „Mit der Ausbildung auf der Bildenden habe ich meinen Weg gefunden, wie ich klassische Klarinette immer noch beibehalten kann, aber dennoch auch Schauspiel- und Sprechunterricht nehmen kann, um auch in diesem Bereich meine technischen Fertigkeiten zu verbessern“.

In der Klasse für performative Kunst studieren angehende und junge Künstler*innen von den verschiedenen Bereichen. Auch die leitendende Lehrerin* und ihre drei Assistentinnen* kommen aus den verschiedensten Milieus, von Tanz in Kombination mit bildender Kunst bis hin zu Musik und Performance. Dies bietet für Neu die Möglichkeit, sich auszutauschen und auch gegenseitig eine Bereicherung darzustellen. Dabei wird ihnen auch gelernt, dass in dieser Welt der Gegenwartskunst es wichtig ist, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen. Den eigenen Weg zu finden und damit auch den eigenen Platz ist für Neu sehr wichtig. „Man hat die Freiheit, seinen Platz zu finden, ohne in eine bestimmte Richtung gedrängt zu werden. Das hilft einen, sich selbst zu etablieren.“

Inspiration im Alltäglichen

Somit ist auch der Raum gegeben, um sich selbst auszuprobieren. Die Inspiration für ihre Projekte nimmt sie eigentlich immer aus persönlichen Ereignissen und aus der eigenen Gefühlswelt. „Alltägliche Erlebnisse, Freundschaften, neue Personen kennenzulernen, aber auch Theaterfiguren, Liebeskummer und auch Liebesglück – grundlegend das Zwischenmenschliche ist sehr ausschlaggebend für meine Projekte“, erklärt sie.

„Wenn man eine Soldatin spielen will, muss man die Soldatin in sich selbst suchen“

Von dem bekannten Ansatz, Kunst entstehe immer aus einem Drang heraus, ist auch Neu überzeugt. Das künstlerisches Dasein und das persönliche Ich sind ihrer Ansicht nach stark verwoben. Neu glaubt auch nicht, dass es möglich sei, dies getrennt voneinander zu sehen, denn man drückt mit der Kunst immer einen Teil von sich selbst aus; gibt ein Stück von sich selbst der Welt preis. So auch die Wahl des Themas ihres ersten großen Soloprojektes: Stalltänze.

Klang – Freiheit – Stall

In Stalltänze thematisiert sie das Leben und Arbeiten von Bäuerinnen. Damit möchte sie die Gesellschaft auf eine gewisse Weise wachrütteln und vorherrschende Stereotype, wie beispielsweise dass Bäuerinnen sich ausschließlich um Hausarbeit und Kinder kümmern, aus der Welt schaffen. Eine Bäuerin hat eine sehr aktive Rolle am Hof und beschäftigt sich sowohl viel mit Tieren, mit der Motorsäge, auf dem Feld, aber auch – wie bei Neu zuhause – in der Käserei und in der Werkstatt. Dennoch kommt auch die Freiheit, sich weiterzubilden und anderes zu machen, nicht zu kurz. Erste Reaktionen ihrer Eltern waren mit Skepsis überschattet, doch nach der Fertigstellung des Trailers wendete sich dies sehr schnell. Entgegen aller Vorurteile zeigte sich das dörfliche Umfeld durchaus offen und interessiert. Sie erhielt viele sehr positive und schöne Rückmeldungen von allen Altersgruppen und den unterschiedlichsten Menschen: Freund*innen, Familie, aber auch von umliegenden Bauern* und Bäuer*innen.

Facettenreich und offen

Neu sieht ihre künstlerische Arbeit als sehr unterschiedlich und durchwachsen. Es gibt verschiedene Dinge, die sie gerne bewirken oder zeigen möchte, grundlegend sei ihr aber ein positiver Zugang zu den Themen sehr wichtig. Mit der Ansicht, die Kunst nur dekonstruktiv zu nutzen, um dann nichts zu verbessern, kann sie sich nicht anfreunden. Allgemein lässt sich sagen, dass die junge Performancekünstlerin mit ihren Werken versucht, persönliche Gefühle zu zeigen und zu teilen – so facettenreich wie die Gefühlswelt, so auch die Welt der Künstlerin.

Ihr persönlich größter Wunsch ist es, einfach die Möglichkeit zu haben, weiterhin ihre Kunst und Musik nach Belieben umzusetzen. Sich auszudrücken auf ihre ganz eigene Art, um dann auch einen gewissen Erfolg zu erzielen. Natürlich wäre auch sie froh, wenn ihre Arbeit so ertragreich werde, um sich dadurch das Leben zu finanzieren, bis dahin ist ihr aber einfach wichtig, weitermachen zu können. „Die Weiterentwicklung ist mir wichtig. Wie sagt man so schön: der Weg ist das Ziel“, beendet Neu lächelnd das Gespräch.

Zukunftsmusik

Zurzeit hat Barbara Maria Neu mehrere Projekte in Arbeit. Für Stalltänze sei eine Fortsetzung geplant, aber auch eine Tour.  Das aktuell neuste Projekt, welches auf längere Sicht geplant sei, ist die Band Merve. Dabei setzt sie sich mit anderen Künstler*innen mit Märchen und Fabeln auseinander. In Innsbruck ist die Performancekünstlerin voraussichtlich am 30. Juni 2021 bei Hinterhofmusik anzutreffen. Es wird eine kleine Version der Stalltänze und die dazugehörige Ausstellung der Videos geben.

Beitragsbild: © Laura Ettel

Performancebilder: © Lisa Gruber

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!