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Ehrlichkeit, Bauchgefühl und ein bisschen Extremsport

Aller Anfang ist schwer. Wir haben im Zuge unseres Artikels zu foodjobs.at Pia Schorlemmer interviewt. Die 28-Jährige hat Translationswissenschaften im Bachelor und Master an der Uni Innsbruck studiert und arbeitet jetzt als Content Managerin und Online-Redakteurin bei der Jobbörse foodjobs.de in Düsseldorf. Mit Erfahrungen auf beiden Seiten der Arbeitssuche kann sie so einiges über die Tücken der Jobsuche berichten.

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Wie lief denn deine persönliche Jobsuche nach dem Studium so ab?

Pia: Also ich habe in Innsbruck Translationswissenschaften für Spanisch und Englisch studiert. Hab das dann im Master auch weitergemacht und der Liebe wegen ist es dann so passiert, dass ich mich dafür entschieden habe, wieder zurück nach Deutschland zu kommen. Nach sieben Jahren Österreich war das natürlich erstmal so: Deutschland ist groß, es gibt viel und was kann man machen? Ich bin einfach wahnsinnig sprachverliebt und schreibe sehr gerne. Ich weiß aber auch, dass der Markt für Übersetzer sehr schlecht ist. Die meisten arbeiten auf selbstständiger Basis, bzw. freiberuflich, und das ist ein Anstellungsverhältnis, das ich mir – vor allem nicht zum Einstieg – vorstellen kann und möchte. Es gibt auch Unternehmen, die Übersetzer einstellen und ich habe da auch Jobs gefunden. Die haben mich thematisch aber nicht ganz so interessiert. Das waren dann so Geschäftsfelder wie die Herstellung von Fliesen.

Am sympathischsten an der Anzeige von foodjobs fand ich, dass es eine kurze und knackige Stellenausschreibung war. Ich erleb‘ das jetzt auch mittlerweile, dass wir manchmal Anzeigen reinkriegen, bei denen die erste DIN-A4-Seite nur „Das müssen sie können“ ist, und „Das sollen sie mitbringen“ dann die zweite Seite. Da bist du schon von vornhinein eingeschüchtert und denkst dir, das ist nichts für dich. Bei foodjobs war das alles irgendwie recht klar, verständlich und locker.

Pia Schorlemmer

Du bist nach deinem Studium also erstmal im Internet auf Jobsuche gegangen. Was sind deine Tipps, auf was man bei der Online-Jobsuche achten muss?

Pia: Es war mir nie bewusst, dass es so spezielle Jobbörsen überhaupt gibt. Man kann sich wahnsinnig viel Zeit sparen, wenn man gleich spezifischer sucht. Das wäre so der erste Tipp, den ich geben würde, vor allem, wenn man schon ganz genau weiß, was man gern machen möchte. Dann würde ich auf jeden Fall nach einer Spezialjobbörse schauen. Diese gibt es auch in anderen Branchen wie zum Beispiel in der IT oder für Medizin.

Dann ist es auch wichtig, ein Gefühl für die Unternehmenskultur zu bekommen und vor allem auf sein Bauchgefühl zu hören. Also gerade beim Fliesenhersteller war der Ton, wie man miteinander kommuniziert hat, sehr förmlich. Als ich mit Bianca (Geschäftsführerin von foodjobs; Anmerkung der Redaktion) per Email geschrieben habe, hat sie sogar mit Smileys geantwortet. Das ist natürlich immer von Person zu Person unterschiedlich und es kommt darauf an, was man sucht und bevorzugt. Aber auf sein Bauchgefühl sollte man da schon hören. Wenn man bereits im Vorhinein denkt: „Ich weiß nicht, ob die Firma was für mich ist“, dann wird sich das wahrscheinlich auch bestätigen. Man sollte also seinen Kopf vielleicht ein bisschen ausschalten und bei einer Stelle, die einem gefällt, auch gar nicht so sehr aufs Geld achten.

Also für diejenigen, die nach der Ausbildung oder dem Studium einen Job suchen: aufs Bauchgefühl hören, wirklich spezifisch suchen und sonst vielleicht auch mal bereit sein, etwas anderes zu machen und nicht nur in eine Richtung gehen.

Worauf sollte man beim Erstgespräch und beim Vorstellungsgespräch am meisten achten?

Pia: Man sollte sich natürlich über das Unternehmen informieren. Das ist hoffentlich für alle naheliegend, denn es gibt nichts Peinlicheres, als gar nicht zu wissen, was das Unternehmen eigentlich macht.

Ich finde man sollte ehrlich sein im Bewerbungsgespräch. Es gibt bestimmte Fragen, die ein Personaler eigentlich nicht stellen darf, aber es kommt trotzdem vor, dass sie es machen. Dann sollte man sich im Vorhinein überlegen, wie man darauf antwortet. Also ich habe mir vorher verschiedene Fragen gestellt wie: „Wenn ich jetzt in dem Bewerbungsgespräch gefragt werde, ob ich rauche, was sage ich dann?“. Ich bin Raucherin und das ist natürlich keine positive Eigenschaft und vielleicht auch nicht so gerne gesehen in manchen Betrieben. Ich habe dann aber für mich schon vor dem Bewerbungsgespräch entschieden, dass ich offen damit umgehe.

Wir bei foodjobs machen ja auch Bewerbertrainings mit Studierenden und die fragen dann oft: „Wie ist das denn mit den Hobbys? Ich mache Extremsport und wenn ich das jetzt angebe, denken die vielleicht, ich habe eine hohe Verletzungsgefahr und falle aus für ein paar Monate.“ Eine Bewerberin hat auch mal erzählt, dass ihr Hobby Cosplay ist und war verunsichert, ob sie das in der Bewerbung angeben sollte. Da sollte man immer ehrlich sein, denke ich. Weil im Endeffekt, wenn das Unternehmen etwas dagegen hat oder irgendwie komisch darauf reagiert, dann will man auch nicht in dem Unternehmen arbeiten. Das ist genauso in Bezug auf die Glaubensrichtung, die Ethnie und so weiter. Wenn man das Gefühl hat, man kann sich nicht so zeigen, wie man ist, dann sollte man auch nicht bei dem Unternehmen anfangen. Also auch da wieder auf das Bauchgefühl hören und ehrlich sein. Denn auch so etwas wie Extremsport oder Cosplay hat ja positive Seiten, beispielsweise in Bezug auf die Soft Skills. Ein Extremsportler ist risikobereit und extrovertiert und somit optimal für den Vertrieb geeignet. Deswegen sollte man nicht davor zurückschrecken und kann gern etwas anderes angeben als „Kochen, Lesen und Reisen“.

Vielen Dank für das Gespräch!

Wenn ihr noch mehr zu Online-Jobbörsen lesen wollt, dann schaut euch unseren Artikel zu Pias Arbeitsstelle foodjobs.at an !

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Bilder:
Titelbild: Alabama Extension – CC0

Portrait: von der Interviewten selbst zur Verfügung gestellt