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„Zeitmanagment ist das Wichtigste!“

Pierre Foechterle blickt, wie viele von uns, auf ein außergewöhnliches Jahr zurück. Doch für ihn war es keinesfalls ein Verlorenes. Im Oktober konnte sich der Fitness-Influencer aus Innsbruck den Titel IFBB Champion sichern. Pierre lebt jedoch nicht nur für seinen Sport. Er studiert Management, Communication und IT am MCI Innsbruck und arbeitet als Stellvertretender Studioleiter in einem Fitnessstudio. Ich spreche mit dem Athleten darüber, wie er es geschafft hat Studium, Arbeit und Sport zu vereinbaren.

Die Zeitlos: Wie ist deine Leidenschaft zum Kraftsport entstanden?

Pierre: Die Leidenschaft zum Kraftsport ist bei mir grundsätzlich durch das Fußballspielen entstanden. Einer meiner Freunde war damals schon sehr Kraftsportbegeistert und war, im Gegensatz zu mir, immer der kräftigste und der stärkste. Ich dagegen war immer sehr dünn und eher drahtig. Irgendwann hat er mich dann gefragt, ob ich Lust hätte mit ihm in die Kraftkammer zu gehen. Das war für mich das erste Mal in einem Fitnessstudio. Damals war ich 16, das ist nun bereits 6 Jahre her. Ich habe mich damals sofort in den Sport verliebt, da es einfach ein extremer Kontrast zum Ausdauersport ist. Ich bin dann regelmäßig mit ihm trainieren gegangen und habe dementsprechend schnell Erfolge gesehen. Sobald die Erfolge dann da sind, macht es süchtig.

Die Zeitlos: Du warst heuer sehr erfolgreich bei den Wettkämpfen. Wie bist zu auf die Idee gekommen mitzumachen?

Pierre: Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich am Anfang nie auf meine Ernährung achten und Kalorien zählen wollte. Je mehr man sich aber mit dem Sport befasst, umso mehr Erfahrung man über die Jahre aufbaut, desto größer werden die Ziele. Und aufgrund meiner vorherigen Sportarten, Fußball und früher noch Handball, war ich immer schon sehr kompetitiv. Das hat mir dann am Kraftsport auch gefehlt. Zu meinem ersten Wettkampf habe ich mich dann nach vier Jahren Training entschieden. Heuer konnte ich auch erste Erfolge verzeichnen, ich konnte zweimal den ersten, einmal den zweiten und einmal den vierten Platz holen.

Die Zeitlos: Was bedeuten die Wettkämpfe für dich und was ist dein Ziel?

Pierre: Die Bedeutung der Wettkämpfe hat sich bei mir in den letzten Jahren ein wenig verändert. Bei meinem ersten Wettkampf, vor zwei Jahren, habe ich nicht gewonnen. Das kann dich ziemlich runterziehen. Mein Ziel war es heuer eigentlich nur, besser auf der Bühne auszusehen als damals. Bei den Österreichischen Meisterschaften habe ich heuer natürlich den Erfolg gehabt. Jetzt hab meine Ziele schon ein bisschen höhergestellt. Ich möchte nächstes Jahr bei einem naturalen, dopingfreien, Verband starten, nicht mehr bei der IFBB, und möchte innerhalb dieses Verbandes Profi werden.

Die Zeitlos: Abgesehen vom Kraftsport absolvierst du ein Vollzeitstudium und arbeitest zusätzlich. Wie schaffst du es, deine Ziele trotzdem zu verfolgen?

Pierre: Es ist ziemlich wichtig, Prioritäten zu setzten. Gerade weil ich die letzten Jahre so eine große Leidenschaft für den Sport entwickelt habe, muss ich ehrlich sagen, dass meine Priorität wahrscheinlich sogar der Sport ist. Mein gesamter Alltag strukturiert sich um den Sport. Natürlich sind Dinge wie Uni und Arbeit für mich nicht unwichtig, aber persönlich gibt mir der Sport am meisten. Ich versuche den Erfolg meines Sports zu gewährleisten, den Rest versuche ich so handzuhaben, dass kein Bereich darunter leidet. Das heißt, ich will meinen Abschluss an der Uni machen und ich will auf der Arbeit Ergebnisse erzielen. Das Wichtigste ist dabei ein optimales Zeitmanagement.

Die Zeitlos: Es wirkt, als hättest du immer viel zu tun. Wünschst du dir manchmal mehr Freizeit?

Pierre: Es kommt immer auf die Situation an, ich habe die letzten Monate schon einige Male darüber nachgedacht, ob es besser gewesen wäre, wenn ich die Beförderung auf der Arbeit abgeschlagen hätte, da es viel Präzision und Verantwortung mit sich gebracht hat. Das in Kombination mit der Wettkampfdiät und dem Studium war schon ziemlich viel. Das ich nur Montag bis Freitag arbeite, ist nie der Fall. Ich habe immer irgendwas zu tun. Training ist sowieso immer präsent, da natürlich neben dem eigentlichen Training auch Ernährung und Regeneration wichtig sind. Natürlich mache ich schon, aufgrund der Regeneration, zwei Tage die Woche Pause vom Training. In der Off-Season gibt es auch manchmal einen Cheatday, an dem ich mit meiner Freundin mal einen Burger essen gehe. Im Endeffekt war es, bis jetzt, doch immer machbar.

Die Zeitlos: Wie schaffst du es, Studium, Job, Privatleben und Sport unter einen Hut zu bringen?

Pierre: Es ist ziemlich viel Routine. Besonders der Morgen ist bei mir momentan sehr routiniert. Was das Aufstehen, das Dehnen und das Frühstück angeht. Ich versuche die Dinge so sehr zu normalisieren, dass sie mir nicht mehr wie ein Aufwand erscheinen. Keiner steht auf und denkt sich, dass er keine Lust hat die Zähne zu putzen. Wenn man dies mit anderen Aufgaben untertags auch so hinbekommt, denkt man gar nicht mehr darüber nach, ob das eine Arbeit ist, die man gerne macht, man macht sie einfach.

Die Zeitlos: Deine Freundin ist selbst Fitnessmodel und dein Bruder trainiert mit dir. Wie wichtig ist die Unterstützung und das Verständnis von Freunden und Familie?

Pierre: Sehr wichtig! Mein Leben wäre um einiges komplizierter, wenn meine Freundin kein Verständnis für das hätte, was ich mache. Vor allem bei einer Wettkampfvorbereitung ist man viel auf Unterstützung angewiesen, weil der Bodybuilding-Sport ein extrem egoistischer ist. Wenn deine Familie und dein Umfeld kein Verständnis dafür haben, musst du dich davon fast abkapseln, um deine Ziele zu erreichen. Zum Glück steht meine Freundin da sehr dahinter. Mein Bruder trainiert zum Beispiel aufgrund von Corona und den damit verbundenen Home-Workouts manchmal wieder gemeinsam mit mir. Da er auch eine große Leidenschaft für den Kraftsport hat, motiviert das natürlich sehr.  

Die Zeitlos: Ein gutes Zeitmanagement ist für dich das wichtigste, wie schafft man es dieses zu verbessern?

Pierre: Ich glaube das wichtigste ist, in jeder Situation einen kühlen Kopf zu bewahren. Man sollte sich eine genaue Übersicht aufbauen, über Dinge die gemacht und Aufgaben, die erledigt werden müssen. Jeder, der studiert und nebenbei arbeitet, weiß, dass sich manche Dinge manchmal überschneiden und die To-Do-Liste ewig erscheint. Dann ist es einfach wichtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie viel Zeit die Dinge in Anspruch nehmen und wie man sie am besten einteilen kann. Wenn man beginnt so zu arbeiten, wird man merken, dass der ganze Aufwand, der im Kopf gigantisch erscheint, doch machbar ist. 

Die Zeitlos: Gerade in stressigen Zeiten ist es oft schwierig sich noch zu einem Workout aufzuraffen. Hast du Tipps wie man es schafft sich nach einem anstrengenden Tag noch zu motivieren?

Pierre: Jeder hat mal keine Lust aufs Training, das kennt auch jeder Athlet. Die Tage gibt’s einfach. Am besten ist es einfach, die Trainingssachen sofort mitzunehmen, und im Anschluss an die Uni oder Arbeit gleich trainieren zu gehen. Es kennt jeder allzu gut, wenn man nach Hause kommt und sich aufs Bett legt, fällt man in ein tiefes Loch und will meistens nicht mehr aufstehen. Wenn man sich müde fühlt ist ein Supplement, mit dem man immer gut arbeiten kann, einfaches Koffein. Ich selbst bin mittlerweile auch richtig zum Kaffeetrinker mutiert, ich nehme ihn aber nur vor Trainings zu mir.

Die Zeitlos: Welche Bedeutung haben für dich Disziplin und Motivation?

Pierre: Für mich sind die eigenen Ziele fast wichtiger als Disziplin. Man muss wissen, warum man etwas macht. So werden viele Dinge viel einfacher, egal ob es sich um kleine Ziele handelt, wie Gewicht zu verlieren, oder große Langzeitziele. Es sicher gut, wenn man große, fast unrealistische Ziele hat. Auf dem Weg dahin sollte man sich aber auch kleine Ziele setzen, die innerhalb von Wochen oder Monaten erreichbar sind, egal ob dies ein Trainingsgewicht oder ein Körpergewicht ist. Dann kommt die Motivation fast von selbst.

Die Zeitlos: Wie wichtig ist Ernährung für dich und wie schaffst du es, sie in deinen Alltag zu integrieren?

Pierre: Der Tipp für alle Leute, die nach Ernährungstipps fragen, ist meistens „Spring nicht ins kalte Wasser“. Bau dir deine Ernährung über die kommenden Wochen, Monate und Jahre auf. Ich würde empfehlen klein anzufangen, vielleicht den Zucker mal wegzulassen, immer mehr Aspekte einzuarbeiten und Struktur zu finden. Das ist für fast alles heute meine Antwort. (lacht) Wenn man die Lebensmittel findet, die der eigene Körper benötigt, um bestmöglich zu funktionieren, dann wird Ernährung zu etwas ganz Einfachem. Einfacher wird es im Studienalltag durch meal prepping, dadurch weiß man immer genau was man dem Körper zuführt und spart dabei auch noch Geld. 

Die Zeitlos: Hast du abschließend noch Tipps für Neulinge, die mit dem Training beginnen möchten?

Pierre: Ich würde jedem empfehlen, sich in die Materie reinzusteigern, sich so viele Informationen zu holen wie möglich. Probiert verschiedene Dinge aus, schaut euch verschiedene Quellen an und hinterfragt auch ein bisschen, welcher Sinn hinter den Dingen steht. Versucht so, das Beste für euch selbst herauszufinden. Vor allem im Kraftsport gibt es sehr viele Herangehensweisen. Man wird über die Zeit lernen, was einem selbst am meisten Spaß macht und die besten Erfolge bringt.

Bilder: © Pierre Foechterle

Hi, ich bin Hannah. Hier findest du den ein oder anderen Artikel von mir. Wenn ich nicht gerade an etwas schreibe, studiere ich an der Universität Innsbruck. Abseits des Schreibtisches bin ich meistens irgendwo zwischen Innsbruck und Lienz zu finden, dort am liebsten draußen. Du willst mehr wissen? Sieh dir einfach meine Verlinkungen an!