Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Nachbericht: Diametrale 2020

Share

Der letzte Tag des Diametrale Filmfestivals im Leokino bot eine Fülle an experimentellen Filmen – ganz nach dem Motto „nutzlos und schön“. Die Zeitlos war direkt vor Ort und berichtet über zwei Produktionen aus Österreich.

Im Rahmen der Diametrale wurden insgesamt 35 Kurz- und acht Langfilme vorgestellt, die vom Komischen und Schönen dieser Welt handeln. Auch zum Auftakt des finalen Tages des Festivals war das Leokino gut gefüllt und die Gäste warteten mit Spannung auf die Tirolpremieren von „Mensch Maschine Or Putting Parts Together“ und „Under the Underground“. Der Abend, gefüllt mit nutzlosem und schönem, startete mit einem Kurzfilm, der vom Zusammenspiel von Mensch und Maschine handelt.

Synthesizer oder Küchenmaschine

Warum bekommt eine Frau eine Küchenmaschine geschenkt, wenn sie sich ursprünglich einen Synthesizer gewünscht hat? Dieser aus ihrem Leben gegriffenen Frage geht die Regisseurin Adina Camhy im acht-minütigen Kurzfilm Mensch-Maschine Or Putting Parts Together nach. Die Leinwand zeigt Ausschnitte aus unterschiedlichen, schon etwas älteren Dokumentationen über Küchenmaschinen und andere Haushaltsgeräte. Im Hintergrund vermischen sich Klänge des Synthesizers mit der Stimme einer jungen Frau, welche Ihren Gedanken über den Einfluss von Technologie in der Gesellschaft freien Lauf lässt. Weshalb wird Technik meist mit Männern assoziiert, während Frauen die Affinität für alles Technische abgesprochen wird? Wie passen diese Klischees mit dem Umstand zusammen, dass etliche Haushaltsgeräte von hart arbeitenden Frauen des globalen Südens produziert werden? Während der Kurzfilm zu Beginn wie ein loses Aufeinanderfolgen von Gedanken wirkt, entpuppt er sich nach kurzer Zeit als eine komplexe, feministische Kapitalismuskritik.

Ein Keller voller Schätze

Under the Underground führt den Zuseher in die geheimnisvolle Welt eines großen Areals voller elektronischer Musikgeräte ein, welches sich irgendwo im Wiener Untergrund befindet. Regisseurin Angela Christlieb begleitet zwei aufgeweckte und kreative Tüftler, wobei sich neben kuriosen Geräten in diesem gigantischen Keller auch einige große Hürden offenbaren. Der Mietvertrag dieses riesigen Areals, in welchem an faszinierenden Geräten rumgewerkelt wird, läuft in einigen Jahren aus. Aufgrund der schieren Menge an musikalischen Gerätschaften steht der Fortbestand des Areals in der Schwebe und die dort tätigen Künstler müssen sich nach einem neuen Schaffensort umsehen. Auch Wiener Musiker wie Vodoo Jürgens musizieren in diesem Palast der kuriosen Schätze und so zeigt der Film anschaulich, wie schwer es heutzutage ist, seinen Tag produktiv zu verbringen, ohne dabei jedoch effiziente Ergebnisse zu liefern. Under the Underground ist ein Film, der sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregt, über all die nutzlosen und schönen Dinge, die der Wiener Untergrund zu bieten hat.

Mehr unter: https://www.diametrale.at/

Fotos:

Titelbild: DIAMETRALE. Experimental Film Festival