Thanksgiving mit Dillon Cooper

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Letzte Woche Donnerstag war ich beim Dillon Cooper Konzert in der PMK. Was ich dort so erlebt habe, habe ich noch in derselben Nacht stichwortartig festgehalten. Man lasse das ganze eine Woche ruhen, erhitze es wieder und versehe es mit einer Prise Reflektion und Distanz – Et Voilá! Das war der Auftritt von Dillon Cooper aus meiner Perspektive:

 

Die Voracts

Schon die Support-Acts waren erste Sahne und brachten die Crowd in die richtige Hip-Hop-Party-Stimmung. „JerMC und HipHop Joshy“ aus Wien lieferten soliden Sound mit Texten auf deutsch. Dass die beiden wahrscheinlich nicht zum ersten Mal auf der Bühne standen, wurde schnell klar. Das Zusammenspiel zwischen den MCs (die beiden Rapper), mit der Crowd und dem DJ passte wie die rhetorische Faust aufs Auge.

Links HipHop Joshy, rechts JerMC

Sehr sympathisch war mir persönlich auch der zweite Voract, „MikeEoGuru“ aus Brooklyn. Dieser betonte sowohl beim privaten Plausch vor dem Auftritt, als auch auf der Bühne, dass er verschiedene Soundvarianten auf Lager habe. So spielte er unter anderem einen unveröffentlichten „Disstrack“, welcher sich gegen einen anderen Rapper aus Brooklyn richtete. Aber auch ein frisch aufgenommener Song mit Gesangs-lastiger Hook (= Refrain) oder ein „Song für die Ladies“ durften nicht fehlen. Letzterer gefiel mir richtig gut, obwohl ich schätzungsweise nicht zur angegebenen Zielgruppe gehöre.

MikeEoGuru mit seiner DJane

Die Show beginnt!

Bevor dann der sehnsüchtig erwartete Mainact startete, zeigte erstmal Coopers DJ, was er draufhat. Der Mann an den Turntables veranstaltete ein anständiges Warm Up und mixte verschiedene bekannte Lieder aus dem Hip-Hop Bereich zusammen. Dabei tanzte er hinter seinem Dj-Pult herum, bediente die Regler lässig hinter dem Rücken und strahlte mit breitem Grinsen die pure Lust auf Musik aus.
Irgendwann hörte man dann auf einmal eine Stimme über die Lautsprecher. Jedoch stand auf der Bühne immer noch nur der Dj. Während ich mich fragte, wer da eigentlich spricht und ob das jetzt Dillon Cooper ist, trat der lang erwartete Künstler ins Scheinwerferlicht.

Der Entertainer in seinem Element

Eine Party mit Herz, ein Künstler mit Message

Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass Coopers Show ein Konzept hatte. Das war keine reine Aneinanderreihung von Songs und spontanen Ansagen, sondern eine inhaltlich zusammengehörige, mehrteilige Aufführung, in der hin und wieder ein roter Faden sichtbar wurde. Dieser war in meiner Wahrnehmung aus zwei Aspekten zusammengewebt:

1. Am 22.11. ist Thanksgiving und wir, die wir durch unsere Liebe zu Hip-Hop miteinander verbunden sind, feiern den Abend zusammen!
2. Es gibt Höhen und Tiefen im Leben und Dillon berichtet uns von den seinen.

Ich erinnere mich gut an folgende Aussage:

When you ask yourself if you’re still heading into the right direction- isn’t THIS the point when you gotta move on?

Ich könnte mir vorstellen, dass sich diese Aussage auf seine Entscheidung für ein Leben als Künstler bezieht.
Dank des freundlichen Engagements des Veranstalters Mint Hip Hop war es mir auch möglich, ein Interview mit Dillon zu führen, welches im Rahmen des „Zeitlosfunk“ auf Freirad zu hören sein wird. Unter anderem sagte der US-Amerikaner in unserem Gespräch klar, dass er mit dem „Touren“, also dem wochenlangen Aneinanderreihen von Auftritten in verschiedenen Städten, am meisten Geld verdiene. Sein Beruf bringt es also mit sich, regelmäßig über längere Zeit von Freunden und Familie in seiner Heimat getrennt zu sein. Diese und andere Schwierigkeiten, die spezifisch für den Beruf des Musikers und Schauspielers sind, könnten Dillon manchmal an seinem Weg zweifeln lassen. Dass er diese Gedanken bei seiner Show mit seinen Fans teilt, trägt einen Teil zu dem bei, was man vielleicht als „Authentizität“ des Künstlers bezeichnen kann. Die Show ist durchsetzt von Anekdoten aus Coopers Welt. Das Slang-Wort dafür: „Realness“.

“D-I double Hockeysticks“ verbrachte mit uns sein Thanksgiving und startete sogar einen Video-Anruf mit seiner Oma, während er einen Song performte. Später zog er sein Shirt aus, setzte sich hin und spielte Gitarre. Ein anderes Mal stieg er hinunter zu seinen Fans und rappte inmitten der Crowd. Solche Aktionen verliehen dem Konzert eine ganz persönliche Note.

Mit 8 Jahren fing Cooper an, Gitarre zu spielen

Die Show spornte zu sportlichen Höchstleistungen an: Spätestens ab dem zweiten Drittel des Konzertes wurde bei einigen Songs so hart gepogt, wie es die Enge und die Rücksicht auf Umstehende zuließen. Besonders gefeiert wurde etwa der Track „State of Elevation“.
Bevor sich der Rapper endgültig verabschiedete, spielte er mehrere Zugaben und wünschte uns, dass jeder sicher nach Hause komme.

„Jump!“

…Übrigens: Am darauffolgenden Donnerstag, den 29.11. trat niemand geringeres als die beiden Oldschool-Legenden „Smif n Wessun“ ebenfalls in der PMK auf! Zu verdanken haben wir das der Crew von Mint Hip Hop, die bei der PMK für das Booking im Hip-Hop Genre zuständig sind. Diese engagierten Menschen holen regelmäßig geniale Acts nach Innsbruck und leisten so einen großen Beitrag zu der lebendigen Hip-Hop Szene in dieser schönen Stadt. Big Up!

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Bilder: Felix Unverzagt

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