Od(i)ssee durch Innsbruck – „Mensch ärgere dich“ in der Bäckerei

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Mitten in Innsbruck trieben noch vor einigen Tagen die griechischen Götter ihr Unwesen. Die Innsbrucker Theatergruppe innversion führte an insgesamt vier Terminen die Komödie „Mensch ärgere dich“ in der Bäckerei auf. Bei der Dernière am 05.11. war auch die Zeitlos-Redaktion am Start, um euch  über die Gruppe und ihr Stück berichten zu können.

Worum ging’s in „Mensch ärgere dich“?

Große Aufregung herrscht im Olymp, der Göttervater Zeus ist nicht mehr da. Natürlich stellt sich die Frage: Wer von den Göttern soll die Führung übernehmen und Zeus vertreten, wer darf das Goldene Dachl regieren? Die heißesten Anwärter auf den Posten sind Athene, Aphrodite, Ares und Dionysos.

Schnell einigt man sich, den neuen Herrscher durch ein Spiel zu ermitteln. Die Regeln sind einfach: 1 Mensch, 4 Lokale, 1 Nacht. Wer es schafft, dem Menschen zum Ende des Abends seinen Willen aufzuzwingen, ist der Sieger. Zur Spielfigur der Götter wird der Student Odi.

Athene, Ares und Aphrodite schmieden Pläne

Dionysos und der nichtsahnende Odi

Aus einem gemütlichen Abend mit Freunden wird eine Odyssee. Die vier Götter manipulieren was das Zeug hält und schicken Odi und seine Begleiter über das Spielfeld der Innsbrucker Lokale. Beim Speed-Dating in der Bäckerei, einer Showeinlage im berühmt-berüchtigten Lady Ω und letztendlich – bereits in den frühen Morgenstunden – auf einer wilden WG-Party, verlieren sich die Freunde nach und nach aus den Augen. Am Ende bleibt nur Odi übrig, verwirrt und im Zwiespalt mit sich selbst.

Als schließlich Zeus die Bühne betritt und Odi mit einigen tiefgründigen Lebensweisheiten versorgt, ist klar, keiner der Götter hat gewonnen. Niemand konnte Odi auf seine Seite ziehen und jetzt, da der Göttervater selbst wieder im Hause ist, hat sich der Streit um die Nachfolge sowieso in Luft aufgelöst.

Was kam besonders gut an?

1. Die Bühne und das Bühnenbild

Anders als bei den meisten Veranstaltungen in der Bäckerei wurde die Bühne hier in die Mitte des Raums verlegt. Das Goldene Dachl als Olymp bildet das Zentrum, vor dem sich die Haupthandlung abspielt. Seitlich stehen die Schicksalsschwestern, die das Publikum durch den Abend führen. Der Aufbau, der insgesamt an ein griechisches Amphitheater erinnert, sorgt vor allem für mehr Bewegung und Offenheit im Spiel. Die Figuren kommen von allen Seiten auf die Bühne und als Zuschauer ist man gut damit beschäftigt, in alle Richtungen gleichzeitig zu schauen.

2. Licht- und Ton

Die Gruppe setzt viel auf Multimedia. Auf das Goldene Dachl werden immer wieder kleine Einspieler oder Bilder projiziert, die die Handlung unterstützen. Je nachdem, welcher Gott gerade die Oberhand im Spiel hat, wechselt auch das Licht in den bekannten „Mensch ärgere dich nicht“-Farben.

Musikalisch wurde die Aufführung von zwei Liedern untermalt, die von den Tiroler Musikern 2SEEDSLEFT eigens für das Projekt geschrieben wurden.

Tanzeinlage im Lady Ω zum Song von 2SEEDSLEFT

3. Die Hommage an Innsbruck

Das Stück war nicht nur ganz klar in Innsbruck verortet, auch zahlreiche Verweise auf Innsbrucker Insider – die IVB-Minuten, die Kasspazln in der Kaiserstube, das geschlossene Weekender und und und – sorgten immer wieder für Lacher zwischendurch.

Insgesamt war „Mensch ärgere dich“ auf jeden Fall ein gelungenes, unterhaltsames Stück, das auch vom restlichen Publikum mehr als positives Feedback bekam.

Wer steckt dahinter?

Sie beschreiben sich selbst als „den ersten [Studierenden]Theaterverein an der Universität Innsbruck“.  Entstanden ist innversion 2016 durch eine Initiative von Studierenden der Literaturwissenschaft. Seitdem ist die kleine Gruppe stetig gewachsen. Es wurden talentierte Nicht-Studierende mit ins Boot geholt, die die Schauspieler*Innen bei Drehbuch, Bühnenbild und Regie unterstützen und auch durch Zufallsbegegnungen während der Proben kamen immer wieder neue Gesichter dazu. Mittlerweile wirken 17 Menschen auf und hinter der Bühne mit.

Mit „#surrealice“ und „Mensch ärgere dich“ hat inversion bereits zwei Projekte auf die Beine gestellt und dabei einen ganz eigenen Stil entwickelt. Ausgehend von bekannten Literaturklassiker, wie Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und Homers „Odyssee“ entstand beide Male in Gemeinschaftsarbeit eine Eigenkreation mit selbstverfasstem Drehbuch. Besonders wichtig ist der Gruppe dabei immer der Bezug zur Stadt Innsbruck und dem Studierendenalltag.

Um mitmachen zu können, kommt es nicht unbedingt auf Theatererfahrung an, bei den gemeinsamen Proben lernen auch Schauspielneulinge, ihre Komfortzone zu verlassen und selbstbewusst auf der Bühne zu stehen.

Und wie geht’s jetzt weiter?

Für dieses Jahr sind die Aufführungen vorbei, aber good news: Noch im November werden Pläne fürs nächste Jahr geschmiedet. Ab Sommer können wir mit einem neuen Stück aus der innversion’schen Feder rechnen.


Fotos: innversion (Beitragsbild und Bild 3), Marina Vögele (Bild 1 und 2)

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