IMHO #40 – Spekulatius & Co. geht auch schon jetzt!

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Wer hat eigentlich bestimmt, dass Glühwein, Spekulatius und ähnliche weihnachtliche Köstlichkeiten nur in der Adventszeit zu genießen sind? Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz. Und da ich absolut keinen tiefgründigen Sinn darin sehe, fordere ich die allgemeine Akzeptanz der Tatsache, dass Glühwein auch an nasskalten Herbsttagen mit gutem Gewissen getrunken werden darf und Lebkuchen mit Schokoguss zu jeder Jahreszeit unsere Gaumen versüßen können.

An grauen Novembertagen gelüstet’s mich nach heißem Glühwein.

Auf dem Weg nach Hause treffe ich mich mit einer Freundin am magischen Glühweinstand, denn uns friert’s! Später gönne ich noch mir einen heißen Apfel-Zimt Tee und tunke meinen Spekulatius hinein. Vor allem an den deprimierend düsteren Herbsttagen ist ein solcher Genuss einfach gemütlich. Jedoch gibt es einige Stimmen, die behaupten, ich solle noch weitere vier Wochen frieren und mich mit normalen Schokokeksen aus dem Sonderangebot begnügen. Die Industrie hat bereits vor Jahren die Weichen dafür gestellt, dass Zimtgebäcke und Punsch bereits ab Oktober in nahezu allen Supermärkten angeboten werden. Doch noch immer halten einige diesen Genuss für zu früh.

In der ach so friedlichen Weihnachtszeit finden wir kaum Zeit, um entspannt den einen oder anderen Nürnberger Lebkuchen zu genießen. Stattdessen stehen Weihnachtseinkäufe, Inventuren in der Arbeit, Uni-Prüfungen und und und auf der To-Do Liste. Deswegen verschlingen wir viel zu viele der mit Liebe gebackenen Plätzchen in unseren gestressten Schlund, um im neuen Jahr unseren Weihnachtsspeck mit lästigen Diäten wieder loszuwerden. Dabei fängt im Oktober das Semester gerade erst an. Wir haben viel Zeit, um die weihnachtlichen Spezialitäten mit Genuss zu verspeisen oder zu trinken. Für mich ist das Grund genug, sich Spekulatius schon vor Halloween zu gönnen.

Bei einem solch herbstlich-winterlichen Glühwein wird’s gemütlich warm.

Dasselbe gilt für den klassischen Glühwein. Dieses heiße Weingetränk ist ein Kulturerbe, deren erste Rezepturen bereits von den Römern um 100 vor Christus entwickelt wurden. Im Laufe der Zeit haben verschiedene Völker ihr eigenes Spezialrezept kreiert. Indem wir also schon früh im Jahr mit dem Konsumieren solcher Köstlichkeiten anfangen und unsere Bekannte auf einen Glühwein treffen, betätigen wir uns in gewissem Sinne kulturell. Darüber hinaus waren die im Glühwein verwendeten Gewürze in der Vergangenheit sehr teuer. Im Mittelalter beispielsweise konnten sich nur Könige und Fürsten den Genuss eines Glühweins leisten. Von daher können wir uns alle wie Königinnen und Könige, Fürstinnen und Fürsten sowie vor allem Herrscher über uns selbst fühlen. Denn nichts und niemand schreibt uns vor, wann wir unsere nach Weihnachten gelüstenden Gaumen befriedigen.

 

Bilder: Titelbild von kakuko via Pixabay unter CC0 1.0 Universal; Bild von lenalindell20 via Pixabay unter CC0 1.0 Universal; Bild von Bru-nO via Pixabay unter CC0 1.0 Universal

 

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