„Brennen“ im BRUX

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Bestrafungen und Verhaftungen von Erdogan-Kritikern stehen in der Türkei auf der Tagesordnung. Orientiert an einer wahren Begebenheit, widmet sich auch die neue Soliarts-Produktion diesem Thema. „Brennen“ erzählt von einer Künstlerin, die im Gefängnis versucht anhand von Worten und Gedanken Widerstand gegen die Diktatur zu leisten. Heute Abend feiert das Monologstück Premiere im BRUX. Die Zeitlos war im Voraus bei der Generalprobe dabei.

 

Widerstand aus dem Gefängnis

„Du kannst nur frei sein, wenn wir alle frei sind.“

„Was kann Kunst erzählen? Was darf Kunst erzählen?“ Klar und deutlich klingen die ersten Textzeilen durch den stockfinsteren Theatersaal und ehe man sich versieht, findet man sich gefangen zwischen einem  wortgewaltigen Monolog und trauriger Wahrheit. Während das Land von einem Diktator beherrscht wird, sitzt eine Künstlerin im Gefängnis. Eingesperrt zwischen Mauern, hin und her gerissen von Angst und Verzweiflung, versucht sie durch Worte Widerstand zu leisten, denn „keine Mauer ist zu hoch, kein Gefängnis sicher genug für meine Gedanken.“.

 

Zwei Frauen, ein Projekt

„Es gibt keine Dunkelheit, es gibt nur unsichtbares Licht.“

„Brennen“ ist ein fiktives Theaterstück, welches in Anlehnung an die persönlichen Erlebnisse von Esin Eraydin entstand. Die gebürtige Kölnerin studierte nach dem Abitur in Istanbul und arbeitete als Schauspielerin. Als Mitglied der Erdogan-kritischen Theater- und Produktionsfirma ArtIst wurde sie schließlich verhaftet. Nach 15 Jahren in Istanbul lebt Eraydin heute wieder in Köln. Vor einem Jahr lernte die Schauspielerin Sarah Milena Rendel von Soliarts kennen. Dabei entstand auch die Idee für ein gemeinsames Projekt. Etwa drei Monate schrieb die Soliarts-Autorin und -Regisseurin an ihrem neuen Stück „Brennen“. Nach weiteren drei Probewochen feiert das Monologstück heute Abend um 20.30 Uhr Premiere im BRUX.

 

Systemkritisch und Wortgewaltig

„Jede Leidenschaft für Gerechtigkeit, hast du im Keim erstickt.“

40 Minuten Monolog zu einem ernsten Thema – nichts für meinen Feierabend, mag sich mancher denken. Wie gewohnt, bringt Soliarts keine plumpe Storys und seichten Humor, sondern ein  Stück zum Nachdenken auf die Bühne. Das Thema des Stückes ist zudem aktueller denn je. „Brennen“ strotzt nicht nur vor Systemkritik und Wortgewalt, sondern fesselt die Zuschauer, vom ersten Satz an, an das Bühnengeschehen.  Durch die dramaturgische und schauspielerisch abwechslungsreiche Umsetzung, bewegt man sich mit der Protagonistin von einem Gedankenschritt zum nächsten: Da wird Kritik laut, dann scheinen Angst und Verzweiflung fast greifbar und schon im nächsten Moment lassen einen Erinnerungen die Gefängnismauern vergessen. Vielmehr als ein düsteres Gefangenendasein, stellt „Brennen“ dabei aber vor allem die Notwendigkeit des Widerstands, von Leidenschaft und Kampf für Freiheit und Solidarität dar.

 

Weitere Vorstellungen:

16., 17., 20. und 21. Januar 2018

Beginn jeweils um 20.30 Uhr

Tickets unter http://www.brux.at/produktionen/brennen/

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