ÖH-Wahlen 2017 #3: Die Jungen liberalen Studierende (JUNOS) im Interview

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Bei den ÖH-Wahlen 2015 kandidierten die jungen liberalen Studierende (JUNOS) zum ersten Mal unter diesen Namen. Man konnte das Mandat in der Universitätsvertretung halten, auch wenn man nicht ganz so viele Stimmen erhalten konnte wie noch 2013. Die JUNOS fallen vor allem dadurch auf, da sie die einzige Fraktion sind, die sich für Zugangsregeln und Studiengebühren einsetzt. Wie sie sich das genau vorstellen und was sie sonst noch so machen hat der JUNOS-Spitzenkandidat Julian Plangger uns im „Zeitlos“-Interview verraten.

Die Zeitlos: Wie bist du zur Politik gekommen und was waren deine ersten konkreten Schritte dahingehend?

Julian Plangger: Ehrlich gesagt habe ich mich nur im Internet angemeldet. Mir haben die liberalen Ideen schon immer gut gefallen. Und vor knapp eineinhalb Jahren bin ich zur Parteijugend der NEOS gekommen und mit meinem Studienbeginn im Oktober bin ich schließlich in die JUNOS reingerutscht.

Z: Und wie bist du Spitzenkandidatin der JUNOS geworden?

J: Wir sind eine recht kleine Fraktion mit einer Handvoll Leute. Wir haben dann gemeinsam besprochen, wer die Zeit dazu investieren möchte, wer bereit ist auch ein Semester aufzuschieben, um ordentliche Studentenarbeit zu machen. Ich habe mir das lange überlegt und habe mich dann recht spät dazu entschlossen dies zu übernehmen.

Z: Die Wahlbeteiligung bei den ÖH-Wahlen ist generell niedrig. Dies war nicht immer so. Etwa in den 1960ern lag die Wahlbeteiligung bundesweit bei gut 70%. Glaubst du, dass eine geringe Wahlbeteiligung Auswirkungen auf die Legitimität der ÖH haben könnte?

J: Ja, auf alle Fälle. Wir JUNOS haben auch den Vorschlag gemacht, die ÖH-Zwangsmitgliedschaft abzuschaffen. Denn da sowieso alle Studenten automatisch Mitglied der ÖH sind muss die ÖH nicht aktiv um Mitglieder werben. Dies führt dazu, dass einige Studenten gar nicht wissen, was die ÖH überhaupt macht, weshalb für diese die ÖH-Wahlen auch uninteressant sind. Wir sind darüber hinaus der Meinung, dass eine gute Interessensvertretung keinen Zwang braucht. Und wir glauben, dass dadurch die ÖH ernster genommen werden würde als derzeit vom Bildungsminister.

Z: Wenn wir schon bei der Bildungspolitik sind. Wissenschaftsminister Mitterlehner hat Ende April seinen neuen Plan der Hochschulreform präsentiert. Dieser soll ab 2019 wirksam werden. Sein Plan sieht mehr Budget, mehr Personal und Ausstattung, bessere Betreuung und mehr prüfungsaktive Studien vor. Um dies zu erreichen will Mitterlehner Eignungsverfahren, Eignungstest und Zugangsregeln einführen, über deren Einführung die Unis selbst entscheiden können. Auch soll die Studienbeihilfe erhöht werden. Ein guter Plan?

J: Den Plan begrüßen wir JUNOS und ich persönlich sehr. Allerdings muss man bei den Zugangsbeschränkungen aufpassen. Wir JUNOS sind für faire Zugangsbeschränkungen, wir möchten kein Numerus Clausus-System wie in Deutschland haben und auch keinen einmaligen Aufnahmetest wie bei der medizinischen Uni. Wir wollen, dass die Uni die Aufnahmeverfahren individuell bestimmen kann. Aber es müssen auf alle Fälle persönliche Gespräche, Motivationsschreiben und ähnliche Dinge vorkommen.

Z: Eines eurer Themen, die Zugangsbeschränkungen, hast du ja schon vorgestellt. Mit welchen anderen Themen wollt ihr bei den Studierenden punkten?

J: Unser Wahlslogan ist „Eliteunis für alle“. Wir meinen, dass die österreichischen Universitäten im Vergleich zu unseren Nachbarländern in den Rankings stark abrutschen. Die Politik muss auch endlich den Auftrag erfüllen die zwei Prozent des BIP in den Hochschulsektor zu investieren. Des Weiteren sollen nachgelagerte Studiengebühren kommen. Das heißt, dass Studenten, die von einem Studium profitieren, einen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit leisten und einen kleinen Teil nachzahlen. Wir stellen uns da einen Betrag von 200 bis 500 Euro pro Semester vor, den der Student über 30 Jahre hinweg bezahlen kann. Wir fordern darüber hinaus mehr Livestreams auf allen Fakultäten, weil es nicht sein kann, dass im Zeitalter der Digitalisierung alle Studenten in den Hörsaal kommen müssen, um veraltete Vorlesungsmethoden anzuschauen.

Z: Ihr JUNOS seid die einzigen, die seit Jahren die Einführung von Studiengebühren verlangt. Wie ist diese Forderung vereinbar mit dem freien Zugang zu Unis?

J: Das ist dadurch vereinbar, da es eben nachgelagerte Studiengebühren sein sollen. Das jetzige System sieht so aus, dass der freie Hochschulzugang von allen Bürgern finanziert wird. Das finden wir nicht fair, da Universitäten trotzdem mehr Studenten aufnehmen müssen, als Studienplätze sinnvoll finanziert werden können. Wir sagen daher, dass man, anstatt diese Studenten während des Studiums durch Knockout-Prüfungen oder durch der Hinderung der Vergabe an Seminarplätzen hinauszudrängen, nachgelagerte Studiengebühren einführt. Dies würde so aussehen, dass wenn Studenten über 1100 Euro netto pro Monat verdienen, diese dann acht Prozent vom Wert, der darüber geht, nachzahlen.

Z: Und was würde sich konkret an der Uni durch Studiengebühren ändern, wie etwa der Anzahl der Studierende?

J: Wir werden ja oft kritisiert, dass sich durch dieses System die studentische Vielfalt verringern würde. Aber in Australien gibt es dieses System schon seit mehreren Jahren und da zeigen Studien, dass sich die studentische Vielfalt dadurch sogar erhöht hat.

Z: Und letzte Frage: Was würdest du gerne als Spitzenkandidat von den Studierenden wissen?

J: Zunächst einmal würde es mich interessieren, wie ihnen unsere Programmpunkte gefallen, auch wenn ich schon viele positiven Rückmeldungen erhalten habe. Und persönlich geht es mir darum, dass die Studenten in Innsbruck ein schönes Leben haben und eine schöne Zeit an der Uni verbringen.

Z: Danke für das Interview.

Foto: Matthäus Masè

Bisher erschienene Interviews: AG, GRAS

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