Aus dem Leben eines Nachtportiers

Share

Selbst, wenn die meisten Jobs für Studierende mit ihrem eigentlichen Studienfeld nur am Rande zu tun haben gibt es doch in jedem Job Erlebnisse, die hängen bleiben. Als Nachtportier bekommt hier zahlreiche Kleinode mit. Es folgen drei Einblicke unter die Oberfläche der Innsbrucker Nachtwelt, die andernfalls vielleicht verschlafen worden wären.

Auf der Suche

nachtportier2

Columbus ist der Spitzname, den ich dem älteren Herrn gegeben habe, der in einer Oktobernacht, irgendwann gegen 3 Uhr morgens, in die Lobby gestolpert ist. Er wollte in zwei Stunden mit dem Fernbus weiter gen Süden, aber da alle Zimmer belegt waren, bot ich ihm einen Platz am Tisch und einen Kaffee an. Da ich für ein paar Stunden ebenfalls nichts zu tun hatte, setzte ich mich zu ihm und wir unterhielten uns ein bisschen. Dabei stellte sich heraus, dass er seit über zehn Jahren auf Reisen und schon beinahe in jeder Ecke der Welt gewesen war. Er war arbeitslos, und ich habe nicht gefragt, wie er sich das finanzierte, vielleicht durch Ersparnisse. Was mich wirklich interessierte, war, wie lange er noch vorhatte, weiter zu reisen. Er sagte nur: “Until I find my soulmate. I know she is out there somewhere.”

 

Zigarettengeschichten

nachtportier25

Interessant waren auch die Gespräche mit einem Typen, der aufgrund einer Filialeröffnung für ein paar Tage in Innsbruck bleiben musste. Nachdem es im Hotel keine Raucherbereiche gibt, sind wir irgendwann vor das Hotel auf eine Zigarette gegangen. Aus der einen Zigarette wurden drei, und nach etwa einer Stunde, in der er mir von seinem Lebenswandel erzählt hat – sehr früh auf der schiefen Bahn gelandet, dann aber umgedreht und jetzt Filialleiter – musste ich wieder rein, da ich ja nicht (auch, wenn dieser Artikel den Anschein erwecken mag) nur fürs Quatschen und das Anhören inspirierender Lebensgeschichten bezahlt werde.  

 

Eine Erinnerung, die durch den Magen geht

nachtportier3Zum Abschluss noch eine kleine, aber feine Weihnachtsgeschichte: Eine junge Kanadierin kam gegen Mitternacht zurück ins Hotel und erzählte mir sichtlich gut gelaunt, aber mit dem nach ein paar Bier eintretenden ärgerlichen Stammtisch-Ton davon, was für eine Schnapsidee es gewesen war, mit ihren Eltern über die Weihnachtsferien nach Österreich zu fahren. Ganz Innsbruck feierte, und ihre Eltern wollten, dass sie spätestens um Eins daheim war. Ehe ich etwas erwidern konnte, fragte sie mich nach dem nächsten McDonalds, düste davon und kehrte wenig später mit Pommes, Burger und Sprite für sich und Chicken Nuggets, Pommes, Cola und etwa 5 Packungen diverser Saucen für mich zurück. Ich wollte ablehnen, aber sie sagte nur: “I want you to remember that. I want you to tell everybody about the crazy Canadian who once bought you a shitload of fast food. Can you do that for me?”

Tja, dieser Wunsch ging mit diesem Artikel wohl in Erfüllung.

 

Fotos:  Magischer MondKevin Phillips  via Publicdomainpictures via CC0,  Unsplash via Pexels via CC0 (Beitragsbild), Splashi via Pixabay via CC0


Die einen arbeiten als Nachportier, die anderen beim Waffenhändler unseres Vertrauens. Hier geht’s weiter zu: Mein Sommerjob in der Waffenschmiede.

Share