Gewalt an Frauen – (K)Ein Tabuthema

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Seit 1981 gedenken Menschenrechtsorganisationen jedes Jahr am 25. November an Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt wurden. Unter Gewalt versteht man nicht nur die physische Gewalt, sondern auch sexuelle oder psychische. 1999 erklärten die Vereinten Nationen diesen Tag offiziell zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“. Auch in Tirol ist Gewalt gegen Frauen ein Thema. Zu mehr Sensibilisierung soll dabei die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ führen, in deren Rahmen in Innsbruck mehrere Veranstaltungen organisiert werden.

Frauenrecht

Im Jahr 2014 veröffentlichte die Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) die bisher weltweit größte und ausführlichste Erhebung über Gewalt gegen Frauen in Europa. Der Bericht weist darauf hin, dass jede dritte Frau in Europa seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat. Dies geschieht häufig im häuslichen, also im privaten Umfeld. Laut Bericht der FRA meldet sich nur jede dritte Betroffene bei einer Behörde oder sozialen Einrichtung. Die Dunkelziffer dürfte demnach auch höher sein als die offiziellen Zahlen.

Lage in Österreich

Auch die Zahlen für Österreich sehen nicht rosig aus. Durchschnittlich wird jede fünfte Österreicherin Opfer von Gewalt. Auch hier werden die meisten Fälle nicht bekannt. Woran liegt das? Maria Rösselhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Österreichischen Frauenhäuser, erklärt in einem Bericht vom Fachbereich Frauen und Gleichstellung des Landes Tirols, dass jede fünfte Frau nicht weiß, an wen oder wohin sie sich wenden kann. Hinzu kommt, dass (häusliche) Gewalt nach wie vor ein Tabuthema ist und häufig hinter verschlossenen Türen bleibt. Durch die zunehmende Dichte an Einrichtungen, die Verschärfung von Gesetzen oder Sensibilisierungsmaßnahmen, wie die Aktion „Gewaltfrei Leben“, wird aber versucht die aktuelle Situation zu verbessern.

Gewalt an Frauen

Lage in Tirol

Im Jahr 2015 verzeichnete die Beratungsstelle des Tiroler Frauenhauses etwas mehr als 2.500 Beratungskontakte. 132 Frauen und Kinder suchten hier 2015 Schutz vor Gewalt. Das Gewaltschutzzentrum Tirol unterstützte im letzten Jahr 1.051 Opfer von häuslicher Gewalt. Darunter waren 905 Frauen. Dass lediglich 580 Fälle der Polizei gemeldet wurden zeigt auf, dass die Hemmschwelle zur Anzeige auch in Tirol noch hoch ist. Immerhin wurden immerhin 460 Betretungsverbote verhängt. Bei den restlichen 120 zur Anzeige gebrachten Delikten handelte es sich hauptsächlich um Stalking.

Veranstaltungen rund um den Tag gegen Gewalt an Frauen in Innsbruck

Um das Thema Gewalt an Frauen verstärkt in der öffentlichen Wahrnehmung zu verankern finden zu diesem Anlass mehrere Aktionen statt. So unterstützen beispielsweise das Land Tirol, das Tiroler Frauenhaus sowie der Verein Mannsbilder die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“. Diese Kampagne beginnt am 25. November und endet am 10. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschenrechte. Dafür wird für diese Zeit am Landhausplatz die Fahne „Frei leben ohne Gewalt“ gehisst.

Gewalt an Frauen

Daneben finden im Rahmen der Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ diverse Veranstaltungen statt. So ruft die Frauenvernetzungsgruppe für Begegnung und Austausch am 25. November um 17:30 zu einer Demonstration bei der Annasäule in der Maria-Theresienstraße auf. An selber Stelle findet am 29. November eine Live-Performance statt. Diese soll daran erinnern, dass Frauen nicht nur Opfer sondern auch Überlebende von Gewalt sind. Bereits am 28. November findet am MCI ein Vortrag mit anschließender Diskussion von Helga Konrad zum Thema „Frauen, Flucht und Menschenhandel“ statt. Am 1. Dezember lädt das Leokino zu einen Schwerpunktfilmeabend zum Thema „Frauen & Flucht“ ein. Einen Tag später wird im Kesselhaus die Performance „Dem Ton einen Namen geben“ aufgeführt.

Der Radiosender FREIRAD hat am 25. November einen Schwerpunkt zu diesem Thema gesetzt. Ab 12 Uhr werden diverse Sendungen ausgestrahlt, unter anderem unterhalten sich geflüchtete Journalistinnen und Journalisten über die Stellung der Frau in ihren Herkunftsländern und ein Beitrag beschäftigt sich mit Gewalt in der Sprache.

 

Fotos: Violence against women, we can stop it!, European Parliament via Flickr unter CC 2.0, Hamburg steht auf gegen Gewalt gegen Frauen, Urban Explorer Hamburg via Flickr unter CC 2.0, Flagge „frei leben – ohne Gewalt“, SPD.de via Flickr unter CC 2.0, STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN, Chris West via Flickr unter CC 2.0

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