(IMHO #22) Liebe IVB, ich will ehrlich mit dir sein…

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Zunächst war ich wirklich stinksauer, als du mir für meine einminütige Busfahrt mit einem falschen Ticket stolze 72,70€ Bußgeld abverlangen wolltest. Aber jetzt ist mein Ärger in pure Bewunderung umgeschlagen. Du hast es doch tatsächlich geschafft, die Strafgebühr um die Hälfte zu verringern – einfach so! Wie machst du das nur?

 Ja, wir kennen sie beide, die frühmorgendliche Eile. Du musst deinen Fahrplan trotz verkehrsverstopfter Straßen einhalten und ich komme gern rechtzeitig zu meinen Vorlesungen an der Universität. Ganz recht, solche StudentInnen gibt es tatsächlich noch. Da kann es schon mal vorkommen, dass man in all dem Stress und mit nervösem Blick auf deine Anzeigetafel das falsche Ticket am Automaten löst. Oder, dass sich die Anzeigetafel irrt und die gewünschte Buslinie doch erst 5 Minuten später an der Haltestelle eintrudelt. Aber dafür haben wir doch beide Verständnis, du und ich! Oder etwa nicht?

 

Wie ich leider erfahren musste, bin ich ein nachsichtigerer Zeitgenosse als du. Aber, wie schon der alte Römer wusste, „ignorantia legis non excusat“, und du kannst mir ja auch wirklich nicht nachweisen, dass ich das Kind-Ticket nur aus Versehen gewählt habe. Könnte ja jeder behaupten! Dazu muss man aber auch sagen, dass du mir nicht gerade viel Zeit zugestanden hast, meines Fehlers gewahr zu werden, schließlich ist es keine lange Strecke vom Hauptbahnhof bis in die Michael-Gaismair-Straße. Aber wie dem auch sei, ich kann deine Strenge schon verstehen –SchwarzfahrerInnen sind doch wirklich das Letzte, pfui! Da ist es schon angebracht, dass du für die schlappen 60 Cent, die mein Kind-Ticket zu wenig gekostet hat, 72,70€ Strafe verlangst. Vor allem, da es doch ein und dieselbe Sache ist, ein falsches Ticket entwertet zu haben, oder gar keines. Da ich aber auch nur ein Mensch bin und meine Gefühle nicht immer im Zaum halten kann, war ich zunächst trotzdem etwas pikiert – ist schließlich keine geringe Summe für eine arme Studentin wie mich! Aber für Reklamierungen gibt es dann ja schließlich das Kundencenter.

Ich also ab ins Kundencenter – ein verständiges Nicken hinter dem Schalter, ein kurzes Seufzen, ein mitleidiger Gesichtsausdruck und die tröstenden Worte: “Ja, schwierig, schwierig, da kann man wirklich nichts machen, das Einzige ist halt …“ – und siehe da, mit ein, zwei Mausklicks haben sich meine 72,70€ in erstaunliche 37€ verwandelt. Wow! Also damit habe ich wirklich nicht gerechnet. Da hast du doch glatt, ohne viel Aufhebens, die Hälfte weggestrichen, einfach so! Bitte verzeih’, ich möchte wirklich nicht undankbar klingen und bin noch immer vom Hocker, aber eines musst du mir nun trotzdem verraten: Kann es sein, dass die ursprünglichen 72,70€ doch nicht ganz angebracht, um nicht zu sagen, reine Abzocke waren, wenn du so bereitwillig auf die Hälfte davon verzichten kannst.


War da nicht auch noch etwas wegen den verteuerten Ticketpreisen der IVB? Hier gehts weiter zu (IMHO) Kapitel Sieben: Liebe IVB,. Falls auch ihr euren Unmut als auch Lob über Gott und die Welt im Rahmen eines IMHO (In My Humble Opinion)- Artikel kundtun wollt, schreibt uns!

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