(IMHO) Kapitel sieben: Liebe IVB,

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Es ist ja nicht so, als wäre diese Stadt ein teures Pflaster. Du und ich wissen, wie günstig man in Innsbruck wohnt und lebt! Da lege ich selbstverständlich gern ein paar Euros mehr hin. Und seit 2015 jetzt noch mehr. Weil du es bist.

Doch ich will mal nicht übertreiben, viel teurer bist du gar nicht geworden. Das Semesterticket etwa bekommt man nach wie vor um schlanke 129,50€! Im Anbetracht der rasanten Geldentwertung  ist das wohl alles andere als selbstverständlich, danke dafür. Das Innsbrucker Netz misst ja ein Drittel des Streckennetzes Wiens und das bei einem nur 55€ teureren Studententicket. Zu Recht: Innsbruck ist viel kleiner, aber welcher hauptstädtische Student kann schon behaupten, ein derartiges Bergpanorama während der Busfahrt auf die Uni inszeniert zu bekommen? 1:0 für die IVB.

Studenten wie ich wissen ja außerdem gar nicht, was sie mit dem Geld sonst sinnvolles anfangen sollten. Sie bevölkern die Stadt mit ihren naiven, prokrastinativen Geistern und machen nebenbei viel zu viel Lärm. Für dich noch wichtiger: Sie können meist eh nicht viel anders, als mit dir oder per Rad zu fahren, also ist’s ja eh wurst. Bei den Berufstätigen hingegen sieht die Sache anders aus: Die Jahreskarte hast du von 462 auf 330€ gesenkt, damit ihnen der Umstieg vom Auto auf die Öffis leichter fällt. Ich gebe zu, das ist ein ziemlicher Schritt in Richtung umweltfreundlicher Verkehr. Zum Vergleich: In Salzburg kostet das Jahresticket 366€ und österreichweit fährt es sich nur in Graz günstiger.
Nämlich um 228€ pro Jahr – das sind nicht einmal 65 Cent täglich und um das zu ermöglichen legt die Stadt Graz für jedes einzelne Jahresticket 171€ Förderung hin. Was, unter uns gesagt, zu schön ist, um wahr zu sein. Woher soll so viel Geld bitte kommen? Werden die Grazer verarscht? Irgendetwas kann da nicht mit rechten Dingen zugehen. Ich sage: Derart manipulative Geldspritzen haben wir Innsbrucker nicht nötig!

Da finde ich, liebe IVB, deine ehrliche Preiserhöhung von 2,00€ auf 2,70€ für eine Einzelfahrt weitaus transparenter. Nein, ich freue mich sogar, diese 70 Cent extra zu bezahlen. So weiß ich wenigstens, dass wir Bus- und Straßenbahnreisenden uns nur und auch wirklich nur aus eigener Kraft finanzieren. Manche Dinge muss man einfach allein bestreiten, damit man danach auch wahrhaftig stolz darauf zurückblicken kann. Danke, dass du und die Stadtgemeinde hier in den richtigen Momenten hart bleibt. Und immerhin: Im (äußerst seltenen) Fall, dass ich genügend Kleingeld und Zeit bis zur Abfahrt habe, unterstützt du mich am Automaten sogar mit ganzen 40 Cent weniger. Wie großzügig.

Hinweis der Redaktion: in einer früheren Version des Artikels wurden die Kosten für das Salzburgticket mit 494 beziffert. 

Foto: „In curva“ von 7Bart via Flickr unter CC 2.0

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