(IMHO) Kapitel siebzehn: Die Weihnachtsmarktterroristen

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Die Weihnachtszeit, die schönste Zeit des Jahres, so sagt man. Alle sind nett zueinander und die Nächstenliebe ist das größte Gut. So sehen das auch die zahlreichen Touristen, welche die Tourismusbranche um den einen oder anderen Euro bereichern.

„Alle Jahre wieder“, so heißt es in einem der bekanntesten Weihnachtslieder. Hier in Innsbruck kommt aber nicht nur das „Christuskind“, sondern es kommen auch die Weihnachtsmarktbesucher, die Weihnachtsmarktterroristen.

Es gibt ja auch viel zu sehen hier in Innsbruck. Auf jedem freien noch so kleinen Platz wird ein kleiner Weihnachtsmarkt aufgebaut. Dabei dürfen drei Dinge niemals fehlen: ein Glühweinstand, der eine undefinierbare süße Brühe ausschenkt, ein Stand mit Souvenirs, die spätestens nächstes Weihnachten ihren Platz in die letzte Ecke der Wohnung gefunden haben und eine Gruppe von Blasmusikanten, die sich bei den Temperaturen wahrscheinlich alle ihre Finger abfrieren. Diese spielen dann immer in 30-Minuten-Loops alle mehr oder weniger bekannten Weihnachtsmelodien durch.

Durch diese lieblichen Melodien und dem unverkennbaren Duft des Glühweins angelockt strömen dann die, vorwiegend italienischen, Touristen durch die Straßen von Innsbruck. Auf ihrem Weg vom Auto zum Weihnachtsmarkt, oder von einem Teil vom Weihnachtsmarkt zum nächsten, oder vom Glühweinstand wieder zurück zum Auto gehen diese Weihnachtsmarktterroristen über Leichen. Sie machen es dir nicht nur unmöglich, dich an ihnen vorbeizuschlängeln, diese Gehsteigpanzer laufen dir auch noch vor das Fahrrad.

Wenn die Weihnachtsmarktterroristen den Weg zu den Ständen endlich nach langsamen Marsch geschafft haben, dann füllen sich die engen Gassen und Plätze Innsbrucks mit einer unüberschaubaren Anzahl an Leuten. Wer durch dieses Menschenmeer hindurch möchte, könnte fast glauben, er würde im Ozean schwimmen und jede Sekunde ertrinken.

Ich habe mich am Anfang dieser Weihnachtszeit, also Mitte Oktober, gefragt warum ich sie eigentlich nicht so gern habe. Vor einigen Wochen ist es mir klar geworden. Ich mag eigentlich Glühwein, vor allem den Hausgemachten, ich mag auch die Weihnachtslieder und wer kann denn schon etwas gegen Lichterketten einwenden, wenn es sowieso schon um vier Uhr stockdunkel ist. Aber es sind diese lieben Weihnachtsmarktterroristen, vor allem italienischer Herkunft, die das alltägliche Leben in der vorweihnachtlichen Zeit um einiges beschwerlicher machen. Ihr lieben Weihnachtsmanngroupies, geht doch bitte wieder dahin, wo ihr hergekommen seid, oder irgendwo anders hin, auf jeden Fall nicht dahin, wo ihr mir wortwörtlich auf die Füße tretet. Danke!

Foto: Lorenz Zenleser

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