Vergnügen und Wahnsinn

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Still steh ich da, angeschweißt
Leere Gänge, graue Wände
So leer um mich
so leer in mir
Fad is‘ mir, fad in hier!
Wann kommt der Tag!
Wann das Vergnügen!
Wann Du!

Weißt Du
nachts ist hier nichts los
um 10 Uhr gehen die letzten
Dann beginnt das Warten auf den nächsten Tag

Weißt Du
ich mag die Nacht nicht
die Ruhe schon erst recht nicht
Viel lieber mir der Tag
Wenn sie sich alle um mich drängen, mir Taschen, Essen, Geld in meine leere Wampe stopfen
Tür auf Tür zu, Tag ein Tag aus.
Immer das Gleiche, aber jedes Mal wer anders
Geschichten könnt ich Dir erzählen
Ich, der auf Dein Hab und Gut aufpasst.
Ich, Dein grauer Kasten.
Ich, Dein Spind!

Und weißt Du, aber sicher wirst du wissen, denn es passiert Dir immer, allen, gleichzeitig.
Wenn Du zu mir kommst, nach langem Lernen, mit leerem Kopf, Hunger in Deinem Bauch, Dein Essen in meinem Bauch, Deine langersehnte Pause, meine langersehnte Abwechslung:
Du kommst, voller Vorfreude, gehst auf mich zu, bist gleich bei mir, holst den Schlüssel, streckst die Hand aus, willst aufsperren, und rennst voll dagegen.
Da war jemand schneller als Du, jemand mit der Tür über mir, der sein Handy holt.
Die Spindtür nebenan, ist auch schon offen und die unter mir und alle strömen sie herbei, verdrängen Dich, sind schneller als Du, holen ihre Sachen, Chaos, Trubel, kein Platz mehr.
Und Du drängst dich zu mir, versuchst Deine Sachen zu holen, schwierig, aber geschafft. Endlich.

Sobald Du alles hast was Du brauchst, sind auch meine Nachbarn wieder zu.
Nun stehst Du da, alleine, als ob nie jemand dagewesen, wo Du doch jetzt auch wieder gehen wolltest.

Immer das Gleiche
jeden Tag
nicht nur für mich
auch für Dich
Immer wenn Du zu mir kommst, kommen alle, haben denselben Gedanken, denselben Weg.
Für Dich Wahnsinn, für mich Vergnügen.

Ach, wann kommst Du wieder, wann der Tag!
Es ist so leer um mich
so leer in mir
Fad is‘ mir, fad in hier!
Wann kommt der Tag!
Wann das Vergnügen!
Wann Du!

Foto: Kerstin Schwabenbauer

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