(IMHO) Kapitel acht: Wer hat Angst vorm Gehsteigpanzer?

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Er ist immer auf der Suche. Er findet seine Opfer überall. Er diskriminiert in der Wahl seiner Beute nicht anhand von Hautfarbe, Alter, Geschlecht oder ob man die cineastischen Ergüsse von Til Schweiger toll findet. Er ist unersättlich, unermüdlich und unaufhaltsam. Er hat deine Mutter schon erwischt, genauso wie deine Geschwister, deinen Freund oder deine Freundin, deinen Bankberater und auch den süßen Typen/das süße Mädel, der/die dich in der Vorlesung immer so nett anlächelt. Und er wird auch dich kriegen, denn er ist: Der Gehsteigpanzer!

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Wo ist der Gehsteigpanzer?
Wer sich noch nicht ganz in die heimelige Welt der virtuellen Realität zurückgezogen hat, findet sich von Zeit zu Zeit in der Situation wieder, die eigene Wohnung verlassen zu müssen. Die Gehsteige der Stadt werden zu Bahnen auf denen man durch die Straßen zieht, um das Ziel und damit auch die Sicherheit vor ihm zu erreichen. Doch genau dort, auf den mühsam (und in Innsbruck fast täglich) sauber gekehrten Gehwegen, lauert der Gehsteigpanzer. Man sieht ihn zwar schon aus der Ferne klar auf sich zukommen, ein Entkommen gibt es aber nicht. Widerstand ist zwecklos.

Wie arbeitet der Gehsteigpanzer?
So stürzt man sich also hinein in den Kampf. Es wird versucht auf der linken Seite eine Finte zu setzen um dann rechts flankieren zu können, doch der Panzer lässt sich von solchen Manövern nicht beeindrucken. Mit einem Räuspern will man ihn einschüchtern und zum Rückzug bewegen, dagegen ist er aber entweder komplett immun oder hat sich bereits im Vorhinein mit Kopfhörern abgesichert.
Gekonnt positioniert sich der Gehsteigpanzer immer wieder genau an der eigenen Front und macht ein Vorbeikommen damit unmöglich.

Eren Saracevic_flickr

Wer ist der Gehsteigpanzer?
War der Begriff früher noch recht eng gefasst (das PONS Wörterbuch der Jugendsprache führt ihn gemeinsam mit z.B. „Puddingdampfer“ als Synonym für einen dicken Menschen), so ist es nun eindeutig an der Zeit ihn auszuweiten.
Denn nicht nur manche unserer beleibteren MitbürgerInnen haben es sich offensichtlich zum Ziel gesetzt, uns das Weiterkommen so schwer wie möglich zu machen.
Wie eine griechische Phalanx stellen sich Damen fortgeschritteneren Alters auf, bremsen was das Zeug hält und geben sich dabei mit ihren Einkaufstrolleys gegenseitig Deckung. Alte Männer schleichen förmlich dahin, während der Jack Russell Terrier schon ungeduldig an der Leine zerrt. Kinder fahren auf ihren Rollern nebeneinander Patrouille. Snowboard Dudes errichten mit ihren Brettern Straßensperren. München Girlies flanieren geschützt durch ihre Carhartt-Behelmung gemächlich vom Breakfast Club in Nowhere Store.
Allgemein scheint ein jeder, der nicht mit dem Fluch des flinken Fußes belegt ist, und dadurch öfters Gruppen von ungeduldig dreinschauenden Menschen hinter sich aufstaut, vom Geist des Gehsteigpanzers beseelt.

Falls also auch sie, werte Leserinnen und Leser, sich öfters fragen: „Warum kriege ich beim Überholtwerden immer so ein verächtliches Schnauben zu hören? Und was soll das alles eigentlich, ich war schließlich noch nie hinter einer langsamen Mauer aus Menschen gefangen!“ Dann sollten sie eines bedenken: Wer nicht genau sagen kann, wer nun gerade der Gehsteigpanzer ist, der ist es mit höchster Wahrscheinlichkeit selbst!

Beitragsbild: „A look down the eerie Rue de Bievre“ von Dustin Gaffke via Flickr unter CC 2.0
Fotos: „Fear of the Dark“ von stuart anthony via Flickr unter CC 2.0, „#262“ von Eren Saracevic via Flickr unter CC 2.0

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