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Interview mit einem Jungunternehmer – Kilian Trenkle von “FeetUp”

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„Erfolg ist die Konsequenz richtiger Entscheidungen. Doch wie aber fällt man richtige Entscheidungen? Durch gesammelte Erfahrung. Und wissen Sie wie man Erfahrungen sammelt? Durch falsche Entscheidungen.“

 

Hey Kilian, stell dich doch mal bitte den Zeitlos-Lesern vor

Ich bin 25 Jahre alt, komme aus dem Allgäu. Nach meinem Abitur 2006 stand ich vor der Wahl „irgendwas“ zu studieren oder mich erstmal umzuschauen, wo es mich hinzieht. Mittlerweile bin ich Grafiker und Gründer der Firma „FeetUp“- ein Hersteller und Vertrieb für ein Hilfsmittel, das die Yoga-Welt auf den Kopf stellt.

Foto: Kilian Trenkle

Wie bist du auf die Idee für FeetUp gekommen?

Mit einem Bekannten hatte ich die Idee ein Produkt zu entwickeln, mit dem jeder einen Kopfstand machen kann. Was sich auch für mich anfangs sehr verrückt anhörte, war nach genauerem Hinsehen eine gute Idee: Yoga ist ein boomender Markt. In Städten wie Berlin oder Köln gibt an fast jeder Ecke ein Yogastudio. Die Sache mit dem Kopfstand ist nun die folgende: Ein Großteil der Yoga-Übenden kann keinen Kopfstand, obwohl die Haltung eine Art „Meisterübung“ ist. Quasi: Viele wollen es, wenige können es- mit FeetUp aber Jeder.

Was war der entscheidende Meilenstein, um das Business erfolgversprechend starten zu können?

Auf jeden Fall war entscheidend, dass meine Familie und Freunde mich unterstützt haben- sowohl finanziell als auch in Sachen Motivation. Es gibt genügend Menschen die einem Zweifel in den Kopf setzen, à la: „Was machst du denn, wenn es irgendwann nicht mehr läuft?“ Das kann einem besonders am Anfang den Mut rauben. Ein Meilenstein für mein Business war also: die Erkenntnis dass man nichts falsch machen kann, weil man aus allem etwas lernen und dann besser machen kann. Hier haben meine Familie und Freunde eine wichtige Rolle gespielt.

Ist dir die Umsetzung auf Anhieb gelungen?

Nein! (Lacht laut) Gerade am Anfang macht man die meisten Fehler. Das liegt ja auch in der Natur der Sache. Ich musste mich in alle Bereiche der Produktherstellung und Vermarktung einarbeiten: Webseite, Flyer, Import-Export, Vertrieb, Messen etc. Egal um welches Gebiet es sich handelt, beinahe überall beginnt Neuland. Da ist klar, dass man Fehler macht!

Deine größten unternehmerischen Faux-Pas bisher?
Einmal wurde bei einer kompletten Produktionsreihe eine falsche Farbe fürs Leder genommen. Mein Produkt wird vorwiegend von Frauen gekauft – da war der Aufschrei riesengroß. In Folge mussten unzählige Polster auf eigene Kosten ausgetauscht werden. Seitdem nehme ich das Wort „Qualitätssicherung“ ein wenig ernster.

Was würdest du, könntest du die Uhr zu deinem Karriere-Start zurückdrehen, anders machen?

Puh, schwierige Frage…denn im Prinzip hat man ja jeden Tag aufs Neue die Chance, alles anders zu machen. Dazu fällt mir eine passende Geschichte ein. In einem Berliner Café unterhielt ich mich mit einer älteren Dame. Ihrem Outfit zu Folge musste sie Designerin oder ähnliches gewesen sein. Wir redeten über Erfolg. Da stellte sie mir die Frage:
„Junger Mann, wie definiert man Erfolg? …Erfolg, ist die Konsequenz richtiger Entscheidungen. Doch wie aber fällt man richtige Entscheidungen? Durch gesammelte Erfahrung. Und wissen Sie wie man Erfahrungen sammelt? Durch falsche Entscheidungen.“

Konkret zur Frage zurück: Ich würde alles zackiger angehen. Weniger Zeit mit Gedanken verschwenden, die nicht viel mit dem Wesentlichen zu tun haben. Ich würde schon früher mit mehreren Menschen zusammenarbeiten, anstatt alles selber machen zu wollen.

Wie geht es dir als junger Unternehmer im Umgang mit Geschäftspartnern, wo liegt die Herausforderung?

Die eigene Art zu arbeiten ist in der Regel unprofessioneller, als die eingespielten Abläufe in bestehenden Unternehmen. Daher muss man seine eigenen Hausaufgaben gut und pünktlich erledigen. Eine große Herausforderung für mich war es, in Meetings professionell zu sein und trotzdem locker zu bleiben. Klarheit und Fokus empfinde ich als extrem wichtig. Je mehr Geschäftsleute ich kennenlerne, desto mehr fällt mir aber auch auf: Das Business steht im Vordergrund – der persönliche Charakter ist aber mindestens genauso wichtig.

Wurdest du mal für deine Idee ausgelacht?

Nein gelacht wurde nicht. Ich stamme einer Pfrontener Holzfäller-Familie ab. Arnold Schwarzenegger-Gene. Da lacht man nicht. Spaß beiseite. Es wird natürlich viel geschmunzelt. Und das ist auch völlig in Ordnung. Die Idee ist auf den ersten Blick ungewöhnlich und die meisten Leute haben mit Yoga nichts am Hut. Das Gegenteil ist mittlerweile der Fall. Wenn ich alte Freunde treffe, ist Interesse und Zustimmung groß.

Dein persönlicher Tipp an StudentInnen, die eine unternehmerische Idee umsetzen möchten?

Legt los! Denkt bis ins kleinste Detail über die Idee nach. Wendet euch direkt an die Menschen, die ihr braucht, um den ersten Schritt zu machen. Versucht die Idee so gut wie möglich mit eigenen Mitteln zu realisieren. Holt eure Familie und Freunde mit ins Boot. Arbeitet vor allem mit denen, die sich auch für die Idee begeistern. Nehmt die Herausforderung an! (Anstatt ein Party-Auslandssemester zu machen, nehmt euch lieber ein halbes Jahr für eure Idee. Macht in diesem halben Jahr trotzdem genug Party 😉 ) Habt Freude bei allem was ihr tut, hört immer auf euer Herz. …Probiert mal Yoga.

Interview von Sophia Frisbie

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