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„Po ja. Brüste nein?“

„Ihr Bild verstößt gegen die Gemeinschaftsrichtlinien.“ Diesen Satz mussten bereits viele Frauen nach Veröffentlichung ihres Beitrags auf Instagram lesen. „Ein Mitglied findet ihren Beitrag anstößig“ „Das Bild entspricht nicht dem Regelwerk unserer App“ „Ihr Beitrag enthält pornografische Inhalte“, Die Vorwürfe sind zahlreich. Erst seit zwei Jahren dürfen zum Beispiel weibliche Brüste auf Posts ohne Zensur von einer Hand gegriffen werden. Zuvor galt dies noch als Pornografie. Bilder von Brustamputationen sind erst seit Kurzem erlaubt und die Klitoris wurde nun das erste Mal detailgetreu in Schulbüchern abgebildet. Aber warum wird Nacktheit so stigmatisiert?

Ein Hintern erhält zwei Millionen Likes

Vor allem in den sozialen Medien werden noch immer weibliche Brustwarzen zensiert. Männliche hingegen dürfen in aller Pracht und in sämtlichen Fitnessstudios dieser Welt präsentiert werden. Auch Justin Biebers berühmtes „buttpic“ aus dem Jahr 2013, in welchem er der Kamera seine nackte Hinterseite zeigte, schien keinerlei Regeln gebrochen zu haben – und erntete über zwei Millionen Likes. Heruntergenommen hatte es der Sänger selbst.

Künstler*innen in der Kritik

Besonders Künstler*innen, Aktivist*innen, Fotograf*innen und Designer*innen werden auf den sozialen Plattformen für die Präsentierung ihrer Werke mit Hasskommentaren und/ – oder Zensur konfrontiert. In schwereren Fällen droht die Schließung ihrer Konten – eine folgenschwere Realität – beziehen mittlerweile viele Künstler*innen einen großen Teil ihrer Kund*innen über die sozialen Netzwerke.

Die Beschwerden sind vielfältig. Eine davon sticht dabei jedoch besonders heraus. Denn sie kommt von Frauen selbst. Die Aussage: „Deine Designs sexualisieren den Körper der Frau und sind somit kontraproduktiv für den Feminismus.“ 

Das Ding mit dem Feminismus

Der Duden definiert Feminismus als den „Oberbegriff für verschiedene Strömungen, die sich für die Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freiheit aller Geschlechter, v. a. von Frauen, und gegen Sexismus einsetzen“ Feminismus spricht sich also nicht nur für die Gleichberechtigung, sondern auch für die Unabhängigkeit und Eigenständigkeit aller Geschlechter aus.

Aus diesem Grund sollten Designerinnen, Tänzerinnen, Models – ja auch Pornodarstellerinnen – die Freiheit besitzen, weibliche Lust, Rundungen und Schönheit in ihrem eigenen Ermessen darzustellen. Solange es aus freiem Willen geschieht und nicht durch äußeren Einfluss. Denn genau diese Selbstverwirklichung ist im Feminismus doch ein zentrales Kernelement. Zeugt das selbstbewusste Darstellen des eigenen Körpers nicht von einer gewissen Stärke?

Einen nackten Körper – vielleicht sogar den eigenen – in Kunst und Design darzustellen bedeutet also weniger die Herabsetzung des weiblichen Körpers, sondern steht viel mehr für eine starke, unabhängige Frau.

Tatsächlich existiert jedoch noch immer eine Hürde, die Frauen daran hindert: das Denken einer Gesellschaft, welche sich an vielen Stellen noch immer dem männlichen Geschlecht und seiner Lust zugewendet hat, anstatt für einen gerechten Ausgleich zu arbeiten. Eingeprägte Klischees der Vergangenheit hindern uns noch immer daran, in der Gegenwart anders zu handeln.

Von der Lust der Frau

Es ist ein weit verbreiteter Stereotyp, dass Frauen weniger Lustempfinden und „Bedürfnis nach Sex“ verspüren als Männer. Oftmals werden Frauen in ihrer Lust unterdrückt. Sie müssen sich der des Mannes unterordnen. Kultur und Gesellschaft erschweren es ihnen heutzutage, in einer männerdominierten Welt ihr Lustempfinden auszuleben. Auch in den Medien.

Pornografische Filme werden überwiegend aus Sicht des Mannes gedreht – Frauen nehmen dabei eine unterwürfige Stellung ein. Sängerinnen, Schauspielerinnen oder Künstlerinnen, welche sich bewusster mit ihrem sexuellen Image auseinandersetzen, werden von der Boulevardpresse abgewertet und als „aufmerksamkeitsgeil“ abgestempelt, wie Miley Cyrus bei Veröffentlichung ihres Musikvideos zu dem Song Wrecking Ball. Darin zeigt sich die Sängerin nackt auf einer schwingenden Abrissbirne.

Dabei sollte die weibliche Lust normalisiert werden.

Die serbische Performance Künstlerin Marina Abramović zeigte dies, indem sie in ihrer Performance „seven easy pieces“ Vito Acconci‘s Performance „seed-bed“ wiedergab. Acht Stunden lang masturbierte sie unter einer Holzbühne, auf der sich die Besucher befanden. Ist Marina Abramović’s Performance nun Pornografie? Dient sie der Lust des Mannes? Ganz im Gegenteil.

Design und Kunst gleich Pornografie?

„Nackt sein bedeutet, man selbst sein.“, plädiert der Schriftsteller Daniel Bergner in seinem Essay „Ways of Seeing“. Warum also ist es Männern erlaubt, ihren nackten Körper und ihre Lust in den Medien zu präsentieren – sie selbst zu sein, wenn sie es wollen – und Frauen soll es noch bis heute verwehrt bleiben, indem ihr Handeln von der Gesellschaft verpönt oder oft genug sexualisiert und mit Pornografie gleichgestellt wird.

Bei Kunst, die weibliche Körper repräsentiert, sprechen wir genau dann von einer Sexualisierung, wenn sie vorwiegend für den Zweck der männlichen Lust produziert wird. Was Künstler*innen versuchen anzustreben und zu präsentieren, hat wenig mit Pornografie zu tun. Sie zeigen den weiblichen Körper in sämtlicher Varietät, mit seinen individuellen Eigenschaften und Merkmalen. Sie benutzen ihn als politisches Aushängeschild und als Leinwand, als Model und als Wachrüttler. Oder aber auch in einer idealisierten Form, wie es die antiken Künstler taten.

Eine kurze Geschichte der Kunst

Denn Nacktheit war schon immer ein zentrales Thema in der Kunst. Der Mensch strebt nach einem Abbild seines körperlichen Selbst. Eine Sexualisierung fand selten statt. Vielmehr ging es um die Darstellung der Natur und des Körpers.

Von der Symbolisierung der Fruchtbarkeit in Form der Venus von Willendorf über die Sehnsucht der Griechen nach körperlicher Perfektion bis hin zur Neuerfindung und Wiederaufwertung in der Renaissance. Der Körper wird nackt dargestellt. Sowohl weiblich als auch männlich.

Wenn Frauen über Frauen urteilen

Eine Sache hat sich jedoch nie geändert. Kunst ist nämlich das, was die rezipierende Person mit ihren Gedanken daraus macht und wie sie das Werk interpretiert. Wenn Künstler*innen also ihre Arbeit auf Instagram, Tiktok und Co. veröffentlichen, muss es nicht jedem gefallen. Schon klar. Jedoch würde es viel mehr Sinn ergeben, diese Künstler*innen, Fotograf*innen und Designer*innen für ihren Schritt in die Selbstständigkeit, das Ausleben ihrer Kreativität und ihren Schaffensdrang zu feiern.

Künstlerische Werke erhalten sowohl positive als auch negative Kritik. Das ist nur natürlich. Doch bei den oben beschriebenen Beschwerden geht es nicht um Gefallen oder Nichtgefallen. Diese Frauen kritisieren die Sexualität, Selbstbestimmung und Lust anderer Frauen und dezimieren somit ihre eigene.

Die eigentliche Unterdrückung der Frau

Die Unterdrückung der Frau innerhalb von Gesellschaft, Politik und Kultur tritt dann in den Vordergrund, wenn Frauen sich nachts nicht alleine auf die Straße trauen, Donald Trumps „grab them by the pussy“ von seinen Anhänger*innen auf T-Shirts gedruckt wird oder Zwangshochzeiten und Genitalverstümmelung noch immer gang und gebe sind. Frauen wurden ihr Leben lang vorgeschrieben, was sie mit ihrem Körper machen dürfen und was nicht. Welchem Schönheitsideal sie entsprechen sollen und ob es ihnen überhaupt erlaubt ist, zu entscheiden, ob sie Mütter werden wollen. Unabhängig ihrer eigenen Zukunft und Meinung.

Selbstbestimmung des eigenen Körpers ist und ihr Ausdrücken in der Kunst ist genauso essenziell, wie jeder andere Aspekt auf dem Weg der Gleichberechtigung aller Geschlechter.

Für interessierte an diesem Thema findet in Innsbruck bald ein „Porn Film Festival“ statt, bei dem mehr feministische Pornos dargestellt werden. Mehr Informationen findet ihr unter folgendem Link:

https://diebaeckerei.kupfticket.at/events/porn-film-fest-best-of-pornfilmfestival-vienna-matte-glossy/

Credits:

Wer sich für die Designs begeistert, kann gerne mal bei Lena Gerbert, Inhaberin des Kreativbüros Clique G vorbeischauen 🙂

www.cliqueg.com

www.instagram.com/clique_g_