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Tessa Ganserer: Queer im Bundestag

Im Laufe des Sommers posten wir Artikel aus der Print-Ausgabe #16: „Über Menschen“.

Sie ist das Vorbild, das sie selbst nie hatte. 

Seit der letztjährigen Bundestagswahl ist Tessa Ganserer neue Abgeordnete der Grünen im deutschen Parlament. Ihre Superkraft, wie sie selbst von sich behauptet: trans. Damit ist sie zusammen mit Nyke Slawik die erste transgeschlechtliche Frau im Bundestag. Die 44-Jährige möchte dazu beitragen, dass Politik nicht nur grüner, sondern auch bunter und diverser wird. Denn es bleibt noch viel zu tun für echte Gleichberechtigung für alle. 

Acht Jahre war Tessa Ganserer bayerische Landtagsabgeordnete bei der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Vor drei Jahren outete sie sich offiziell. Die Transition vor den Augen der Öffentlichkeit durchzustehen, war alles andere als einfach für sie. Ungerechte Behandlung, Diskriminierung, Hass und abwertende Kommentare in den Medien erlebt sie noch immer täglich. 

Doch davon lässt Tessa Ganserer sich nicht unterkriegen – ganz im Gegenteil. Ihre größte Motivation für den Bundestag zu kandidieren: das entwürdigende und verfassungswidrige Transsexuellengesetz. Wer in Deutschland seinen amtlichen Personenstand ändern möchte, muss erst ein aufwendiges und langwieriges, gerichtliches Verfahren über sich ergehen lassen. Dazu gehört die Vorlage eines ausführlichen „Translebenslaufes“, sowie zwei psychologische Gutachten. „Das Gesetz ist entwürdigend“, kritisiert Tessa Ganserer, die das Verfahren selbst verweigert. Bei der Wahl musste sie sogar mit ihrem „Deadname“, also dem abgelegten Namen, auf dem Wahlzettel antreten. Es ist also höchste Zeit, diesem und allen anderen queer-feindlichen Gesetzen den Kampf anzusagen.  Eine Aufgabe, der sich Tessa Ganserer und Nyke Slawik als Abgeordnete im Bundestag ab sofort stellen werden. 

Ich hatte die Möglichkeit, mich mit Tessa Ganserer zu unterhalten.


Die Zeitlos: Sie schreiben zusammen mit der Grünen Abgeordneten Nyke Slawik Geschichte. Sie ziehen als erste transgeschlechtliche Personen in den deutschen Bundestag ein und tragen maßgeblich dazu bei, dass das deutsche Parlament diverser wird. Wie sind Ihre Gefühle dabei? Warum ist ein vielfältig aufgestellter Bundestag wichtig? 

Tessa Ganserer: Für mich ist es eine große Ehre im Deutschen Bundestag Politik mitgestalten zu dürfen. Unzählige Studien und Untersuchungen belegen, dass Abstimmungsergebnisse und Diskurse besser werden, wenn Teams vielfältig aufgestellt sind. Das gilt zum Beispiel in der Wirtschaft und anderen Bereichen, aber eben vor allem in der Politik. Der Bundestag sollte den Querschnitt der Gesellschaft möglichst gut abbilden. Gerade Menschen aus marginalisierten Gruppen bringen einen bestimmten Erfahrungsrucksack mit sich, der anderen Menschen fehlt. Die Folgen davon sind dann besonders für diese Gruppen täglich spürbar.

Ein Beispiel ist die geschlechtergerechte Verkehrs- und Mobilitätspolitik. Dieser Politikbereich wird extrem stark von Männern dominiert, obwohl es große geschlechterspezifische Unterschiede beim Mobilitätsverhalten gibt. Wir haben in all unseren Parlamenten eine viel zu geringe Frauenquote. Die Bedürfnisse von Frauen finden oft viel zu wenig Beachtung, weil Männern nicht denselben Erfahrungshorizont wie Frauen haben.  

Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind im Bundestag stark unterrepräsentiert. Ich selbst weiß aber beispielsweise auch nicht, wie sich Alltagsrassismus anfühlt, weil ich ihn selber nicht erlebe. Politische Diskurse werden mit Sicherheit besser werden, wenn das Parlament entsprechend diverser aufgestellt ist. Für echte Repräsentation reicht es aber nicht bloß zu sagen, wir haben jetzt ja ein oder zwei Menschen im Parlament, die diese Gruppe vertreten. Das ist immer noch zu wenig. 

War es schon immer Ihr Traum, als Abgeordnete im Bundestag zu sitzen? 

Nein, eigentlich nicht. Ich habe mich zuerst viele Jahre ehrenamtlich engagiert, ohne für irgendwas zu kandidieren. Auch Bundespolitik war auch nicht unbedingt von Anfang an mein Ziel. Mein Wald- und Forstwirtschaftsstudium war ausschlaggebend für mein Interesse an Umwelt- und Verkehrspolitik.  Diese Themen liegen im Zuständigkeitsbereich der Landespolitik. Allerding wenn es um die Rechte von queeren Menschen und transgeschlechtlichen Menschen geht, dann ist das Bundesgesetzgebung. Deshalb habe ich mich dann entschieden für den Bundestag zu kandidieren. 

Wie sind Sie zur Politik und zu den Grünen gekommen? 

Das war 1998: Die erste Bundestagswahl, bei der ich mitwählen durfte. Während dem diesjährigen Wahlkampf-Sommer habe ich mich oft daran zurückerinnert, weil die Ausgangssituation sehr ähnlich war. Es lagen 16 Jahre Helmut-Kohl-Regierung hinter Deutschland und ich kannte nichts anderes – wie dieses Jahr mit Angela Merkel. Für mich war einfach klar, es ist jetzt an der Zeit für eine ökonomische, ökologische und gesellschaftliche Erneuerung der Bundesrepublik Deutschland. Gerade Klimaschutz war mir wichtig. Da waren die Grünen als politische Heimat naheliegend. Und ich wollte auf Nummer sicher gehen, dass es diese Erneuerungen auch wirklich gibt. Mit einem Wahlkreuz wollte ich mich nicht zufriedengeben, sondern mich auch wirklich selbst engagieren. 

Welche politischen Themen sind Ihnen besonders wichtig? Was sind Ihre Ziele?

Es gibt drei Politikbereiche, die mir besonders am Herzen liegen: Bekämpfung der Klimakrise, soziale Gerechtigkeit und Aufbruch in der Gesellschafts- und Queerpolitik. 

Erstens sind für mich als Grüne Klimaschutz und der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlage eine sehr große politische Motivation. Ich würde gerne meine Arbeit im Bereich Verkehrspolitik, die ich jahrelang im Landtag machen durfte, im Bundestag fortführen. Im Hinblick auf die Klimaschutzziele muss man leider feststellen, dass der Verkehrssektor als einziger in den letzten 30 Jahren so gut wie gar nichts an CO²-Einsparungen beigetragen hat. Wenn wir hier nicht schnell die Kurve bekommen, dann werden wir die Klimaschutzziele nicht einhalten können. Der Verkehrssektor ist fast für ein Viertel der CO²-Emissionen verantwortlich. 

Zweitens ist mir als Arbeiterkind soziale Gerechtigkeit ein sehr großes Anliegen. Für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist es wichtig, dass die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch größer wird. Allein der armutsfeste Mindestlohn von 12 Euro wird die Lebenssituation von Millionen von Menschen deutlich verbessern. Auch Kinderarmut muss effektiv eingedämmt werden. 

Der dritte Bereich ist der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Rechte von queeren Menschen. Hier muss dringend etwas getan werden, wie zum Beispiel die Stärkung der Rechte von transgeschlechtlichen Menschen, aber auch die Reform des Abstammungsrechts, das lesbische Co-Mütter diskriminiert. Es geht aber nicht nur um die Rechte von queeren Menschen, sondern viel mehr um die Frage, wie gehen wir als Gesellschaft miteinander um. Gerade mit Hate Speech in den sozialen Medien ist ein Problem aufgetreten, dass uns als Demokrat*innen nicht kalt lassen darf. Wir dürfen auf keinen Fall zulassen, dass dieser Hass von den sozialen Medien auf die Straße schwappt und unsere freiheitlich-demokratische Gesellschaft vergiftet. 

Sie ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich, weil sie sich als transgeschlechtlich geoutet haben. Stört Sie das manchmal auch oder sehen Sie sich eher als Vorbild und wollen ihren Standpunkt bewusst nutzen? 

Teils – teils. Das ist eine schwierige Gradwanderung. Es ist immer noch so viel Aufklärungs- und Akzeptanzarbeit notwendig – das erlebe ich täglich. Die Hassnachrichten, die ich auf sozialen Medien bekomme, sind nur die Spitze des Eisberges. Man muss sich nur die Kommentarspalten unter den Berichterstattungen anschauen. Es gibt leider einen gewissen Teil in unserer Gesellschaft, bei dem fehlende Akzeptanz sogar in tiefgehenden Hass umschlägt. Für mich ist es anstrengend, mich damit rumzuschlagen und es ist auch anstrengend, immer wieder nach persönlichen Erfahrungen gefragt zu werden. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass es wichtig und notwendig ist. Menschen müssen über ihre Erfahrungen berichten, damit andere Menschen anfangen, zu verstehen.  

Sie selbst erfahren also leider immer wieder Hass und Ablehnung. Sie haben damals Ihr Coming-Out im öffentlichen Rampenlicht durchgestanden, was alles andere als einfach gewesen sein muss. Was hat Ihnen damals besonders als Stütze geholfen? Wie gehen Sie heute mit Hass-Kommentaren um? 

Ich denke im Wesentlichen sind es die positiven Antworten und Reaktionen, die allein in der Anzahl weit überwiegen und die teils so herzerwärmend und persönlich sind. Die machen mir deutlich, dass Liebe stärker ist als Hass und deswegen werden ich mich da auch nicht unterkriegen lassen. 

Hate Speech, Hetze, Gewalt und Hassbotschaften im Netz nehmen zu und sind ein nicht ungefährliches Problem. Was muss die Politik dagegen tun?

Wir haben es hier mit mehreren Problemen zu tun, bei denen es sehr starke Parallelen gibt. Das alles sind gesellschaftspolitische Probleme, die die Politik nicht allein lösen kann. Dazu gehören Sexismus, sexualisierte Gewalt, Misogynie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus, Antiziganismus, Ableismus, Queer-Feindlichkeit. Also zusammengefasst: Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. 

Menschen bestimmter Gruppen wird aufgrund bestimmter Merkmale von anderen das Recht abgesprochen, gleichberechtigt dazuzugehören. Sie werden ausgegrenzt, benachteiligt und abgewertet. Teilweise schlägt diese fehlende Akzeptanz sogar in Gewalt um.

Über diese Probleme diskutieren wir alle seit Jahrzehnten, trotzdem sind sie immer noch nicht aus der Welt. Das heißt für mich aber nicht, dass wir uns damit abfinden müssen – ganz im Gegenteil. Auch wir als Gesellschaft müssen einen Beitrag leisten und gut miteinander umgehen. Die Politik ist auch gefragt, aber kann das Problem nicht allein lösen. Wir können gruppenbezogene Fremdenfeindlichkeit nicht im Parlament per Beschluss aus der Welt schaffen. Hier braucht es Aufklärungsarbeit, Akzeptanzarbeit und Demokratieförderung. 

Und betroffene Personen, die Benachteiligung erfahren, müssen ermutigt und empowered werden. Deswegen braucht es eine Weiterentwicklung des allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes hin zu einem echten Anti-Diskriminierungsgesetz. Benachteiligte Menschen müssen die Zuversicht und das feste Vertrauen haben, dass der Staat ihnen hilft, ihr Recht einzufordern. Wenn ich mich nur auf Queer-Feindlichkeit beschränke, wissen wir, dass 90 Prozent der Straftaten nicht zur Anzeige gebracht werden. Dort wo fehlende Akzeptanz in Gewalt und Hass umschlägt, braucht es konsequentere Ahndung. Gerade bei Hate Speech gehört auch dazu, dass Plattformenbetreiber*innen stärker in die Pflicht genommen werden. 

Das veraltete Transsexuellengesetz legt Ihnen und auch vielen anderen queeren Personen große Steine in den Weg. Ihnen insbesondere auch während Ihrer Kandidatur für den Bundestag. Warum ist es so wichtig, dass dieses Gesetz geändert wird? 

Das Gesetz war meine Motivation, für den deutschen Bundestag zu kandidieren. Es ist in mehreren Beschlüssen vom Bundesverfassungsgericht als grundgesetzswidrig erklärt worden. Es steht bis heute aus, dass die Bundesregierung sich offiziell bei den Menschen entschuldigt, die deshalb Unrecht erfahren haben. Ich halte auch einen Entschädigungsfond für notwendig. 

Im Jahr 2007 hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass Ehescheidungen, als Voraussetzung für die Personenstandsänderung, verfassungswidrig sind. Bis dahin mussten sich verheiratete transgeschlechtliche Menschen erst scheiden lassen. Das hat massive materielle Schäden, auch für die Ehepartner*innen, verursacht. Hierfür braucht es eine Wiedergutmachung und eine Entschuldigung.

Das gleiche gilt für alle Menschen, die bis 2011 ihre Personenstandsänderung erst nach einer geschlechtsangleichenden Operation bekommen haben. Bis dato musste man laut dem Transsexuellen Gesetz nachweisen, dass man diese Operation vorgenommen hat und unfruchtbar ist. Bereits vor zehn Jahren hat das Verfassungsgericht diesen Eingriff in das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit als unzulässig erklärt. Seitdem ist dieses Gesetz aber nicht angepasst worden. Es ist ein Fakt, dass hier heute noch eine Vorgabe im Gesetz steht, die grundgesetzwidrig ist. So lange wurde von der unionsgeführten großen Koalition versprochen, dass das Gesetz reformiert wird, aber passiert ist gar nichts. 

Seit 2015, also seit 6 Jahren, fordert sogar der Europarat von den Mitgliedsländern, dass sie einfache, unbürokratische und schnelle Verfahren zur amtlichen Personenstandsänderungen einführen, die auf Zwangsbegutachtungen verzichten.  Betroffene Personen ohne oder vor der amtlichen Personenstandsänderung erleben deshalb tagtäglich demütigende Situationen. Sie können in diesem Land keinen Leihwagen mieten, sie können keinen Mobilfunkvertrag abschließen, keinen Corona-Schnelltest machen, ohne, dass sie gegenüber anderen wildfremden Menschen ihre Transgeschlechlichkeit erklären und rechtfertigen müssen. Das führt auch zu Problemen im Berufsleben. Deswegen muss dieses Gesetz dringend durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. 

Mit welchen Klischees muss endlich aufgeräumt werden? Welche Sätze können Sie nicht mehr hören? 

Da gibt es jede Menge, ich weiß gar nicht womit ich anfangen soll. 

Also mein erster Flop: Queerpolitik ist Identitätspolitik. Mit diesem Framing wird bewusst davon abgelenkt, worum es hier eigentlich geht. Es geht hier nämlich nicht um irgendwelche Extravaganzen oder Sonderrechte, sondern es geht um die Rechte und die Würde von Menschen. Wir sind alle verschieden, aber wir sind trotzdem alle gleich an Rechten. 

Zweitens der Satz: „Was wollt ihr denn? Ihr dürft ja jetzt sogar heiraten?“

Drittens: Alle Sätze, die damit anfangen: „Ich habe ja nichts gegen, aber …“

Viertens: Sätze, wie: „Wenn jemand sein Geschlecht ändern möchte …“ oder „das biologische Geschlecht kann man nicht ändern.“ 

Diese Sätze zeigen, dass wir es als Gesellschaft immer noch nicht geschafft haben, unser Weltbild den entsprechenden Erkenntnissen anzupassen. Der Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld hat vor hundert Jahren schon erkannt, dass das Geschlechtsteil nicht zwischen den Beinen sitzt, sondern zwischen den Ohren. Geschlechtlichkeit lässt sich nicht allein von körperlichen Merkmalen ausmachen. Deshalb bin ich auch nicht im falschen Körper geboren. Ich bilde mir nicht ein, eine Frau zu sein, ich bin es. Geschlechtlichkeit ist ein untrennbarer Bestandteil unseres Bewusstseins. 

Wir haben die Welt von Klein auf nur mit einer rosa und hellblauen Brille betrachtet. Geschlecht ist aber nichts Binäres. Trotzdem gibt es einen wahnsinnigen Normierungsdruck in unserer Gesellschaft, sich mit einer geschlechtsangleichenden Operation daran anpassen zu müssen.  

Es ist ein Fakt, dass es Männer mit einer Vulva gibt, die Kinder zur Welt bringen und es ist ein Fakt, dass es Frauen mit Penissen gibt. Das haben wir zu akzeptieren. 

Mir ist wichtig zu sagen: Ich möchte niemandem einen Vorwurf machen. Ich habe einfach bei mir persönlich festgestellt, dass ich diese gesellschaftliche Transfeindlichkeit so sehr verinnerlicht hatte, dass ich mich früher unglaublich schwer getan habe, mich selbst zu akzeptieren. Wir müssen als Gesellschaft endlich den Sprung schaffen und gut miteinander umgehen. Da kommt man nicht mit dem Zeigefinger weiter, sondern mit einem gesellschaftlichen Dialog.

beenhere

Infobox

 Deadname: abgelegter, alter Name. Gerade für transgeschlechtliche Menschen, die sich einen neuen Namen gegeben haben, kann es extrem verletzend sein, sie mit ihrem Deadname anzusprechen. 
Transsexuellengesetz: Gesetz über die amtliche Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit.
Amtliche Änderung des Personenstandes: Änderung des Geschlechtseintrags im Zentralen Personenstandsregister. Durch Änderung des Personenstands (vormals „Geburtenbuch“) wird man offiziell im gelebten Geschlecht anerkannt und kann passende Dokumente erhalten.
CO-Elternschaft, CO-Parenting, CO-Mütter, CO-Väter: Unter Co-Parenting oder Co-Elternschaft ist eine Form der Familiengründung, bei der sich Erwachsene gezielt zusammentun, um (meist ohne Sex) ein Kind zu zeugen.   Mehr-Eltern-Familien oder auch Regenbogenfamilien sind bisher nicht rechtlich verankert. Bisher können in Deutschland aber nur zwei Personen rechtliche Eltern werden. 
Abstammungsgesetz: Bei einer gleichgeschlechtlichen Ehe kann die Ehefrau der Mutter nur durch eine aufwändige und langwierige Stiefkindadoption der zweite rechtliche Elternteil des Kindes werden. 
Ableismus: Diskriminierung wegen einer körperlichen oder psychischen Beeinträchtigung oder aufgrund von Lernschwierigkeiten
Misogynie: Frauenhass
Antiziganismus: Abneigung gegen Sinti und Roma

Anmerkung: Das Interview habe ich am 12. November 2021 geführt. Am 24. November haben SPD, Grüne und FDP schließlich ihren Koalitionsvertrag vorgestellt. Dieser verspricht viele Verbesserung für queere Menschen. So soll zum Beispiel das Transexuellengesetz, das Tessa Ganserer kritisiert, durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. Mehr zu den queerpolitischen Plänen der Ampelkoalition kannst du in meinem Online-Artikel auf der Website der Zeitlos nachlesen. 

Foto: © Büro Tessa Ganserer