Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

PolitFilmFestival vol.I: Outdoor: Die rumänischen Unbestechlichen

Endlich wieder Kultur genießen. Das konntest du am 23.07. im Rapoldipark beim Outdoor-Teil des PolitFilmFestivals, das dieses Jahr unter dem Thema „Macht und Betrug“ abgehalten wird. Gezeigt wurde der politische Dokumentarfilm „Kollektiv – Korruption tötet“ (Originaltitel: Colectiv) von Alexander Nanau, bei dem es um die medizinische Versorgung der Opfer eines Brandes in einem Bukarester Nachtklub vor dem Hintergrund des korrupten rumänischen Gesundheitssystems geht. Nach der Filmvorführung lud das PolitFilmFestival zur Podiumsdiskussion mit Ashwien Sankholkar, Investigativ-Journalist und Chefreporter der Rechercheplattform „DOSSIER“, und Martin Kreutner, Mitinitiator des Antikorruptions-Volksbegehrens und ehemaliger Dekan und Geschäftsführer der International Anti-Corruption Academy (IACA).

Der Oscar-nominierte Film zeigt, wie Journalist*innen der Sportzeitung „Gazeta Sporturilor“, allen voran Chefredakteur Cătălin Tolontan, die einzelnen Skandale und korrupten Spiele des rumänischen Gesundheitssystems offenbarten. Denn nach dem Brand im Klub starben noch einmal 37 Brandopfer in den Krankenhäusern – allerdings nicht an den Verbrennungen, sondern an multiresistenten Keimen, die sie sich in den Kliniken eingefangen hatten. Aus den Recherchen der Redakteur*innen der Sportzeitung ging hervor, dass die verwendeten Desinfektionsmittel um das Zehnfache verdünnt worden waren. Die Arbeit der Journalist*innen war sogar so erfolgreich, dass der Gesundheitsminister und die gesamte rumänische Regierung zurücktraten. An seine Stelle tritt der ehemalige Patienten-Anwalt Vlad Voiculescu. Sofort wird erkennbar, dass politische Transparenz und eine faire Postenvergaben ganz oben auf seiner Agenda stehen, doch die Anforderungen an ihn sind hoch und die Herausforderungen zahlreich. Hinter ihm steht der Kameramann und vor ihm das korrupte rumänische Gesundheitssystem.

Auch der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi (Die Grünen) und die Nationalratsabgeordnete Selma Yildirim (SPÖ) konnten sich den Abend nicht entgehen lassen. © Alena Klinger

Korruption in Österreich

Anschließend an die Filmvorführung fand eine Podiumsdiskussion mit Experten, in der auch Zuschauer*innen-Fragen beantwortet wurden, statt. Ashwien Sankholkar befasste sich in seinen investigativ journalistischen Tätigkeiten unter anderem mit der BUWOG-Affäre und den Vorkommnissen rund um Karl-Heinz Grasser. Martin Kreutner ist Korruptionsexperte und Mitinitiator des Antikorruptions-Volksbegehrens. In der von Politikwissenschaftler Marcelo Jenny moderierten Diskussion wurde deutlich, dass Korruption auch hierzulande höchst aktuell ist. Österreich neige immer mehr dazu von einer Kleingruppe, die sich „Familie“ nennt, regiert zu werden. Nicht nur wurde die Justiz öffentlich von einer Regierungspartei angegriffen – es brauchte auch einen Exekutionsbefehl des Bundespräsidenten an den Finanzminister, um bestimmte Akten an den Ibiza-U-Ausschuss zu liefern. Im Corruption Perceptions Index von Transparency International wird das wahrgenommene Korruptionsniveau im öffentlichen Sektor von 180 Staaten verglichen. Dort landete Österreich im Jahr 2020 auf Rang 15. 

Die Stimmung beim ersten Abend des PolitFilmFestivals war gut und das Interesse war groß. Korruption und Machtmissbrauch muss aufgezeigt und diskutiert werden. Deswegen werde ich auch beim zweiten Teil des PolitFilmFestivals dabei sein und hoffe, einige Leser*innen dafür begeistert zu haben.

v.l.n.r.: Ashwien Sankholkar, Marcelo Jenny und Martin Kreutner bei der Podiumsdiskussion. © Alena Klinger

 

Das reguläre Programm des PolitFilmFestivals (13. Bis 15. September im Leokino) wird sich weiterhin Filmen rund um das Thema „Macht und Betrug“ widmen. Alle Infos und Neuigkeiten findest du hier auf der Website des PolitFilmFestivals.

 

Fotos: © Alena Klinger

ein Innsbrucker, der gerne diskutiert, lacht, raunzt, isst und trinkt!