Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

Innsbruck als Vorreiter im öffentlichen Verkehr

Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Innsbrucks kostet ein Einzelticket inzwischen 2,70 €. Diesen Preis zahlt man für jede beliebig lange Fahrt in der Stadt, wenn man kein Jahres-, 8-Fahrten- oder ein ähnliches Ticket kaufen will. Allerdings gibt es alternative Tarifoptionen, die Innsbruck zum Vorreiter bezüglich der Mobilitätswende machen könnten.

Als Innsbruck-Native nutze ich schon mein ganzes Leben die Verkehrsbetriebe der Stadt. Meine Mutter hatte bis vor einigen Jahren kein Auto, was dazu führte, dass ich das IVB-Netz als Kind auswendig kannte. Nachdem ich den Großteil meines Lebens Schüler war, besaß ich eigentlich immer das sogenannte Tirol-Ticket, mit dem ich das ganze Jahr die Öffis zu einem vergleichsweise kleinen Preis, nämlich 96€, in ganz Tirol nutzen konnte. Seit ich kein Schüler mehr bin, muss ich mich mit den konventionellen Tarifoptionen der IVB zufriedengeben. Das Semesterticket nur für Innsbruck, um 139,20 €, ist für mich nicht rentabel, weil ich auch oft auf das Rad oder einen Spaziergang zurückgreife. Deswegen zahle ich, auch wenn ich nur 4 Stationen mit dem Bus oder der Tram in die Stadt fahre, regelmäßig 2,70 € für ein Einzelticket oder rund zwei Euro pro Fahrt mit einem 8-Fahrten-Ticket.

 

Einige Eckdaten zu den IVB: Die Innsbrucker Verkehrsbetriebe gehören zu 51% den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB), zu 45% der Stadt und zu 4% dem Land Tirol. Die Verkehrsbetriebe beschäftigen ca. 700 Mitarbeiter*innen und haben eine Flotte von ca. 200 Fahrzeugen. Die Gesamtlänge des Liniennetzes beträgt 341 Kilometer. (Quelle: IVB)

 

Haltestellentarif: eine realistische Option für Innsbruck?

Einer der alternativen Tarifformen ist der Haltestellentarif. Dabei berechnet sich der Fahrtpreis aus der Anzahl der zurückgelegten Haltestellen. Die Einführung eines Haltestellentarifes könnte die Ticketoptionen der IVB deutlich übersichtlicher und unkomplizierter gestalten. Mit der sogenannten Oyster-Card ist London wohl das bekannteste Beispiel für einen (modifizierten) Haltestellentarif. Beim Eintreten in die Haltestelle checkt man mit der Karte ein und bei der Ankunft an der Zielhaltestelle wieder aus. Dabei wird das Geld automatisch von der wiederaufladbaren Karte abgebucht. Außerdem zahlt man in London höhere Preise zur Rush Hour, um die Auslastung des ÖPNV zu zerstreuen, und ungefähr das Doppelte, wenn man bar anstatt mit der Oyster-Card zahlen will.

Kostenloser ÖPNV: ein großer Schritt zur Mobilitätswende

Tatsächlich gibt es in Innsbruck bereits seit Mai 2020 kostenlose Öffis, aber nur für Tourist*innen, die länger als zwei Nächte in der Stadt bleiben. Die Innsbrucker Hochschüler*innenschaft bezeichnete diesen Schritt der Stadtregierung damals als „Schlag ins Gesicht“ für Studierende. Verschiedene Oppositionsparteien im Gemeinderat orteten eine Rücksichtslosigkeit gegenüber der Stadtbevölkerung und verlangten „Gratis Öffis Für Alle!“. Diesen Spruch kennt man nur zu gut von Oppositionellen und unterschiedlichen Parteien im Wahlkampf. Doch wie realistisch ist der kostenlose ÖPNV für alle Bürger*innen mit Hauptwohnsitz in Innsbruck? Dazu müssen wir kurz einen Blick nach Luxemburg werfen. Obwohl Luxemburg in der EU die meisten PKWs je 1000 Einwohner*innen hat, nämlich 676, ist im Groussherzogtum Lëtzebuerg der ÖPNV seit März 2020 für alle Nutzer*innen kostenlos. Zusätzlich zu den 41 Millionen Euro pro Jahr für den Gratis-ÖPNV, investiert das 600.000-Einwohner*innen-Land bis 2027 rund vier Milliarden Euro in die Infrastruktur der Bahn. Durch die Kombination von Investitionen in den öffentlichen Verkehr, sowie in neue Anreize, wie dem kostenlosen ÖPVN, will der dortige Mobilitätsminister François Bausch (Die Grünen) die Fahrgastzahlen in den Luxemburger Öffis bis 2025 verdoppeln.

Nun stellt sich allerdings die Frage, wie man dieses Prinzip auf Innsbruck oder andere urbane Räume anpassen könnte. Das in Luxemburg angewandte Konzept im ÖPNV ist nicht gut auf andere Städte oder Regionen übertragbar, da es ein kleines Land mit rund 230.000 Pendler*innen pro Jahr ist. Außerdem ist es in Österreich realistischer, dass die ersten Schritte in Richtung kostenlosten ÖPNV von der Bundesregierung, anstatt von den Ländern oder einzelnen Städten kommen. Trotzdem könnte Innsbruck unter einem grünen Bürgermeister als erste Landeshauptstadt Österreichs zum Vorzeigebeispiel mit alternativen Tarifoptionen und vor allem mit günstigeren Preisen in Richtung gratis Öffis preschen und somit einen großen Schritt zur Mobilitätswende machen. Davon würden nicht nur Studierende und Menschen, für die sich ein Jahres- oder Semesterticket nicht lohnt, profitieren. Vor allem aber könnte der kostenloste ÖPNV in Innsbruck dafür sorgen, dass immer mehr Leute vom Auto auf den Bus oder die Tram umsteigen – und so der Umwelt etwas Gutes tun.

 

Bilder: Tobias Goller, Joël de Vriend

 

ein Innsbrucker, der gerne diskutiert, lacht, raunzt, isst und trinkt!