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Lieber Fehler, sprich mit mir

Weisheiten wie „Fehler machen ist menschlich“ oder „Aus Fehlern lernt man und schafft etwas umso Besseres“ – werden gerne weitergegeben, um andere und auch oft sich selbst nach einem Missgeschick zu beruhigen. Aber so manch ein Fehler oder eine getroffene Entscheidung geistert länger als nur einen Augenblick im Kopf herum, verleitet manches Mal dazu, alles und jede*n in Frage zu stellen und dann manchmal blockiert sie einen und es wird rein gar nichts „Besseres“ geschaffen.

Fehler sind vollkommen okay. Sie passieren ständig und jede*r kann dazu eine kleine oder große Geschichte erzählen. Fehler sind gesellschaftlich akzeptiert. Über Fehler wird viel geredet und diskutiert. Fehler sind sogar nicht nur gesellschaftlich akzeptiert, – sondern werden auch oft als cool und erstrebenswert angesehen, und das vor allem dann, wenn daraus gelernt wurde und daraus das Beste kreiert wurde. Aber was, wenn dieser lang ersehnte Learning-Effekt oder gar der Ruhm einer Erfolgsstory ganz und gar ausbleibt? Wenn dieser eine Fehler gerade gar nicht cool und „redenswert“ ist und einfach schon seit Tagen, Wochen oder Monaten unsere Gedanken und Gefühle steuert und sich heimlich in den Alltag schleicht?

Fehler können Raum für Inspirationen schaffen und haben auch das Potenzial, dich ein ganz schön großes Stück weiterzubringen. Aber wie? Es wird nicht genügend darüber gesprochen, was zwischen dem Fehler machen und aus dem Fehler lernen liegt.

Daraufhin habe ich ein wenig Recherche betrieben. Ich wollte den Gefühlen, die das Fehler machen mit sich bringen, auf den Grund gehen und den weit verbreiteten sowie angestrebten Drang nach Perfektionismus verstehen.

Google hat Antworten

Auf meiner Suche nach Antworten liefert mir Google welche. Fehler können verhindern, dass sich dasselbe Missgeschick wiederholt. Fehler sind also eine Anhäufung von Schutzschildern, die dich vor demselben Fehler bewahren und dir dazu verhelfen in Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen und besser zu handeln. (side thought: Jetzt musste ich sogar daran denken, dass Fehler im Grunde gleich sind wie eine Impfung und dass Fehler unser Abwehrsystem stärken, um weitere Fehler zu machen. Uhh, this pandemic is controlling my head.) Aber was passiert, wenn uns ein gemachter Fehler daran hindert, weiterzumachen? Die Angst vor einer weiteren Misere, wie der Derzeitigen zu groß ist, um den Fehler hinter sich zu lassen und sich weiter zu trauen?

Sich die Frage zu stellen, was einen Selbst an dem gemachten Fehler so wahnsinnig stört, sollte helfen, der Sache näher auf den Grund zu gehen. Macht Sinn, denn oftmals verbergen sich weitaus tiefer sitzende Themen, welche die Gefühle der Scham und des Ärgers nach dem Fehler-machen erst auslösen.

Fehler zu machen, bedeutet auch, dass etwas passiert. Dass du dich getraut hast, einen neuen Weg einzuschlagen. Der kreative Prozess der Ideenumsetzung ist im Grunde mit dem Fehler-machen eng verwickelt. Aber dafür passieren nicht nur Fehler, es passieren auch bereichernde Erlebnisse und Erfolge. „Wenn nichts passiert, dann passiert auch nichts.“ erklärt die liebe Dorie dem besorgten Vater Marlin im Animationsfilm Findet Nemo. Da ist was Wahres dran.

Der liebe Goethe hat auch dazu was zu sagen

Manfred Osten erklärt in seinem Buch Die Kunst Fehler zu machen, wie eine fehlerfreundliche Lebenskunst auch als Überlebenskunst gelten kann. Als großes Vorbild sieht er die Sichtweise Goethes, welcher meint, unsere Vernunft und Intelligenz sind die eigentlichen Verursacher dafür, dass Fehler für uns als Problem erscheinen.

„Ich bin so guter Dinge; So heiter und so rein; Und wenn ich einen Fehler beginge; Könnt’s keiner sein.“  – Goethe

Goethe beschreibt auf diese Weise den idealen Umgang mit eigenen oder fremden Fehlern. Der Fehler soll gar nicht erst benannt werden, sondern als wichtiger Teil eines guten Ganzen angesehen werden.

Für mich klingt das alles wirklich weise, und eine solche Sichtweise kann schnell von einer externen Position erlangt werden. Aber inmitten des Gefühls und der Gedanken, „Das war ja klar, dass mir das passiert“ und „Warum bin ich so dumm, was werden die anderen denken“, erlangt man schwer eine solche Ansicht.

Und TED-Talks sind wirklich toll

Vielleicht ist es der persönliche Touch, oder vielleicht die Zeitspanne von 10 Minuten, welche sich genau auf meine Aufmerksamkeitspanne abgestimmt hat. Die Beschäftigung mit einigen TED-Talks zum Thema: Umgang mit Fehlern, haben mir Klarheit gegeben. Denn es wurde ein für mich sehr wichtiger Punkt angesprochen. Self-Forgiveness. Sich selbst verzeihen, Selbstvergebung. Und obwohl ich bei dem Wort Vergebung sofort an die Bibel und das Christentum denke, war es für mich ein wichtiges Schlüsselwort. Es ist ähnlich, wie der Satz „Es ist okay“. Denn es geht darum, den Fehler anzunehmen, sich mit ihm zu beschäftigen, um ihn dann loszulassen. Zu akzeptieren, dass der Fehler da ist, dass es okay ist. Fehler zu verbergen oder zu verdrängen sind temporäre Möglichkeiten aber keine nachhaltigen Lösungen. Denn genau dann nistet sich der Gedanke an den Fehler und die damit verbundenen Sorgen in deinem Kopf ein und machen es sich dort gemütlich und begrüßen dich dort von Zeit zu Zeit.

Aber um so weit zu sein, sich selbst zu verzeihen, muss zuerst ein wenig mehr in der eigenen Einstellung passieren. Cristel Carrisi erklärt in einem TED-Talk von TEDxZagreb, Verantwortung zu zeigen und die Ursachen des Fehlers nicht auf andere zu schieben, ist ein essenzieller Schritt, um das unglückliche Geschehnis anzunehmen.

“I am who I am today, thanks to my choices and my choices only.” – Cristel Carissi

Der nächste Schritt, und das ist wirklich wichtig für jede*n, ist aufzuhören, sich mit anderen zu vergleichen. Social Media ist in unseren Alltag integriert und es trägt erheblich dazu bei, sich ständig unterbewusst mit dem Leben anderer zu vergleichen.

“Do not waste your time looking what other people are doing because it is not reality.”  – Cristel Carrisi

Es ist genau die toxische Mischung der Fehler-Verleumdung und dem permanenten Gegenüberstellen und Vergleichen von sich selbst mit anderen, die dich schlecht und wertlos fühlen lässt. Denn du definierst dich weder über deine Fehler noch durch andere. Du bist du, dank all deiner Erfahrungen unabhängig von anderen.

 

Bilder von unsplash.

hello people, that's me. studiere gerade im 4ten Semester Non-Profit Management und illustriere von Zeit zu Zeit Menschen und was ich sonst noch so schön finde. und manchmal findet ihr hier den einen oder anderen Artikel von mir. viel Spaß beim durchschmökern.