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Tag der offenen Clubs: Die Clubkultur kämpft um Anerkennung

Dröhnende Bässe, mitreißende Beats, Tanzen bis zum Morgengrauen. Lange Nächte in Clubs und Touren durch die Bars von Innsbruck. Solche Abende verschwinden langsam aus dem Gedächtnis und bleiben nur noch vage Erinnerungen. Dabei wünscht man sich oft nichts lieber als sich wieder die Seele aus dem Leib zu tanzen, lachend mit Freund*innen anzustoßen und die Freiheiten des Studierens zu genießen. Nach genau einem Jahr der Stille fand letzten Samstag in den Clubs und Bars der Stadt der Tag der offenen Clubs statt. Über zehn Nachtlokale und Pubs öffneten ihre Türen und forderten Aufmerksamkeit für die Rettung der Nachtkultur.

Tante Emma Club

Wo sonst eine Gruppe rauchender, feiernder Menschen mit Bier und Cocktail in der Hand steht, ist vor dem Eingang des Clubs Tante Emma am Samstag ein Kinderwagen abgestellt. Ein paar Minuten später läuft ein Dreijähriger an der Hand seines Papas aus dem Club. Ein Bild, das wohl vor Corona nicht zustande gekommen wäre. Der Tag der offenen Clubs soll Aufmerksamkeit erregen – nicht nur bei eingestandenen Partygängern, sondern auch in der breiten Bevölkerung. Und wann nachts wieder durchgetanzt werden kann, ist alles andere als sicher. Mit dem Slogan „Es muss nicht in der Nacht sein“ war ausgehen in der Emma im Herbst zwischen 16:20 und 01:00 Uhr erlaubt. Doch auch ein solcher Kompromiss ist nicht in Sicht. Ums finanzielle Überleben kämpfen die Mitarbeiter*innen der Emma mit dem Verkauf von Merch wie T-Shirts, Taschen oder dem Emma-Spiel.

p.m.k.

50 Meter weiter in den Viaduktbögen herrscht ebenso Stille. Lediglich am Tag der offenen Clubs konnten Besucher*innen ihre heißgeliebte Tanzfläche des p.m.k. wieder einmal betreten. Wenn auch nur nachmittags, im Hellen und mit leiser Lounge-Musik im Hintergrund. Obwohl keine Menschenmengen mehr in die Räume des p.m.k. begrüßt werden können, bietet der Club Künstler*innen weiterhin eine Bühne. Die Auftritte der DJs und Bands können wöchentlich auf YouTube gestreamt werden. „Kultur als Gesundheits- und Sozialleistung in Zeiten der Pandemie“, wie das p.m.k. das Programm des peep.klub passend beschreibt.

„Kultur als Gesundheits- und Sozialleistung in Zeiten der Pandemie“ – p.m.k.

SixtyTwenty

Zwischen zwei Vorlesungen auf einen Kaffee, nach einem anstrengenden Unitag auf ein Feierabendbier, zum Fußballschauen oder Musik genießen. So zieht das SixtyTwenty seine Gäste normalerweise an. Wo bis in den Herbst hinein noch Studierende mit Bier und Cocktails draußen zwischen Heizstrahlern bedient wurden, herrscht seit November gähnende Leere. Das Pub will mit seiner Teilnahme am Tag der offenen Clubs Solidarität zeigen. Solidarität mit den Clubs, Solidarität mit den Künstler*innen. Wo sonst nur Getränke stehen, konnte man am Samstag fröhliche Bilder von Musiker*innen während eines früheren Auftritts im Sixty betrachten. Eine Hommage an die vergessene Nachtkultur.

Dachsbau

Auch in dem Nachtclub direkt am Inn wollte man am Tag der offenen Clubs auf die missliche Lage der Clubkultur hinweisen und allen Beteiligten wieder ein bisschen Freude bringen. Der Dachsbau öffnete sonst immer seine Tür ab null Uhr für HipHop-Begeisterte und diejenigen, die es werden wollen. Seit Corona hat die Location wie auch unser sonstiges Sozial- und Arbeitsleben auf Online umgestellt. Dachsbau Television bietet verschiedenste Streamingformate wie eine Late Night Show, Gaming Abende, Freeride Nights oder Liveauftritte an. Im 3Dachsbau können Besucher*innen vom Wohnzimmer aus via Virtual Reality die Tanzfläche betreten, ein Bier an der Bar bestellen, oder tanzen lernen. Auch wenn der neue Dachsbau Spaß bringt, wünschen sich die Mitarbeitenden nichts sehnlicher als die Schaufensterpuppen endlich wieder durch echte Barmänner und Barfrauen auszutauschen.

Im Dachsbau stehen derzeit nur Schaufensterpuppen hinter dem Tresen. (© Sofie Amann)

Montagu Bed & Beers

„Drinks, Hostel, Sandwiches, Musik. Vibes.“ So beschreibt sich die Bar mit Hostel selbst. Das Hostel hat die Skisaison verpasst, der Veranstaltungsraum vermisst Bands und Tanzende. Andere Bars hoffen auf einen Straßenverkauf und die Öffnung von Sitzgelegenheiten im Freien. In der Höttinger Gasse gelegen, ohne Laufkundschaft, ohne Außenbereich und durch die Beschwerden der Anwohner sieht das Montagu jedoch keinen Sinn in der Öffnung. Lediglich Corona-Hilfen würden verloren gehen. Nur wenn das Montagu wie im Sommer den gesamten Innenbereich für Gäste öffnen dürfte und auch Alkohol ausschenken dürfte, würde sich eine Öffnung lohnen. Dennoch sollte am Samstag ein Zeichen gesetzt werden. Der Tag der offenen Clubs soll deutlich machen, dass die Clubkultur am Leben erhalten werden muss.

Der Veranstaltungsraum im Montagu.
Der Veranstaltungsraum im Montagu. (© Sofie Amann)

Club Cubique

Wer gern zu House, Techno, Deep-House und Minimal tanzt oder mit einem Bier in der Hand den Fuß im Takt wippt, ist im Club Cubique richtig. Seit einem Jahr ist die Stimmung in den Räumen des Clubs jedoch gedrückt. Keine Dröhnende Musik, kein Stimmengewirr, nur der vorbeirauschende Zug ist zu hören. Zumindest die bunten Lichter erinnern noch an einen Tanzclub. Der Besitzer zeigt Verständnis für die Situation und erkennt die Maßnahmen als notwendig an. Doch auch er wünscht sich ein offeneres Ohr speziell für die Nachtgastro, die von der Politik in den gleichen Topf wie die Tagesgastro geworfen wird. So erhielten die Clubs den ganzen Sommer über, als Restaurants wieder öffnen durften, keine finanziellen Hilfen und blieben auf ihren Mieten und Fixkosten sitzen. Die Clubkultur soll in den Augen vom Cubique endlich als solche anerkannt und unterstützt werden. Denn ohne Einnahmen kein Überleben.

Rififi

Das Kulturwohnzimmer mit Partykeller. Wo einst vegane und vegetarische Gerichte verspeist wurden, lokale und internationale Bands die Gäste bespielten und Partys gefeiert wurden, liegt am Samstag nur noch Nostalgie in der Luft. Die Betreiber des Rififi trauern den vielen Bands, Musikliebhaber*innen und der Stammkundschaft hinterher. Warum es immer noch kein gutes Öffnungskonzept gibt und Corona-Hilfen nur spärlich ausfallen, dafür haben sie kaum noch Verständnis. Sie wollen ihren treuen Mitarbeitenden nicht kündigen, können die zehn Prozent des Kurzarbeitergeldes, welches der Staat nicht übernimmt, jedoch kaum noch tragen. Das Rififi will wieder Raum für junge Leute schaffen und den in diesen Zeiten so sehr vermissten sozialen Kontakt – unter Einhaltung des Abstands – fördern. Die Leute sollen lauter werden, so der Wunsch des Besitzers.

Leere Stühle statt tanzender Menge im Rififi. (© Sofie Amann)


Die Lage der Innsbrucker Nachtclubs und Bars ist prekär. Bei Gesprächen rund um Corona-Hilfen und Öffnungsstrategien muss die Clubkultur sich hintenanstellen. Sie hat keine große Lobby, deshalb ist es umso wichtiger, dass wir unsere Lieblingslocations unterstützen. Wie kann diese Unterstützung aussehen? Verlegt am Freitagabend die Party mit Livestream in eure WG, likt und teilt Posts, kauft Merch, bleibt informiert und sprecht über euren Club. Und sobald es wieder geht: Feiert als ob’s kein morgen gäbe!


Beitragsbild: © Matthew LeJune via unsplash

Hallöchen, ich heiße Sofie und versuche mich hier bei Die Zeitlos im Schreiben. Ich studiere im Bachelor Wirtschaftswissenschaften und Politikwissenschaft an der Sowi und genieße ansonsten den Innsbrucker Lifestyle sehr. Wandern, Mountainbiken, Klettern oder Skitour gehen versüßt mir den Alltag. Viel Spaß beim Lesen der vielen spannenden Artikel!