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Into.Wild: Mit dem Kajak auf Entdeckungstour

Einen Monat lang waren Michelle Abert und Liam Strasser zu zweit mit allerhand Gepäck auf den Fjorden Norwegens unterwegs. Sie reisten mit ihren Kajaks von Bergen bis nach Lysebotn. Das Abenteuer- und Fotograf*innen-Duo zeigt mit ihrem Projekt into.wild nicht nur die schönen Seiten der Natur, sondern schafft auch ökologisches Bewusstsein und macht auf den Aspekt der Nachhaltigkeit aufmerksam.

Etwas Außergewöhnliches erleben; ein Abenteuer, das keinem anderen gleicht. Vielen schwebt dieser oder ein ähnlicher Gedanke vor, doch nur die wenigsten fassen den Mut, den Traum auch wirklich in die Tat umzusetzen. Michelle und Liam, die sich während ihres Fotografie-Studiums am Grafischen Kolleg in Wien kennenlernten, stecken voller Tatendrang und setzten sich 2019 ein ambitioniertes Ziel: sie wollen nach Norwegen, um dort einen Monat lang mit dem Kajak die Fjorde zu erkunden! Klingt verrückt? Ja vielleicht, aber für die beiden war es definitiv einen Versuch wert.

Nach über einem Jahr an Planung und Vorbereitung startete im Sommer 2020 ihr Projekt into.wild. Dabei steht neben dem Abenteuer das klimabewusste Reisen im Vordergrund. Alles wurde so nachhaltig wie möglich gestaltet – angefangen bei der Anreise. Das Duo machte sich samt Kajaks, Verpflegung und sonstigem Equipment mit dem Zug von Wien auf nach Norwegen. Allein diese 4-tägige Anreise ist schon ein Abenteuer für sich. In Bergen angekommen, werden sie von der Westküste Norwegens mit Regen und rauem Wetter begrüßt. Das Wetter ist jedoch nicht die einzige Herausforderung, der sie sich in dem folgenden Monat auf See stellen müssen.

© into.wild (Michelle Abert, Liam Strasser)

Regen gemischt mit Schweiß und Tränen

Atemberaubende Bilder, eingefangene Momente, pittoreske Landschaften – alles Teil dieser ungewöhnlichen Reise. Aber ein Abenteuer wäre kein solches, wenn sich unter die schönen nicht auch die eine oder andere missliche Situation mischt. Schweiß und Tränen gehören eben genauso dazu wie Gelächter und Jubel.

„Vom kleinsten Lüftchen bis zu Ehrfurcht erregenden Böen. Von vereinzelten Tropfen zu endlos scheinenden Ergüssen.“

– Michelle, Liam

Eine der größten Herausforderungen, die ein derartiges Projekt mit sich bringt, ist die Organisation der gesamten Reise. Unzählige Telefonate mussten geführt und einige bürokratische Hürden genommen werden – die norwegische Botschaft stand dabei glücklicherweise stets hilfsbereit zur Seite. Durch das fortgeschrittene Stadium der Pandemie war außerdem lange nicht geklärt, ob eine Einreise nach Norwegen überhaupt möglich ist. Sobald sie aber grünes Licht hatten, konnte sie nichts mehr aufhalten – dachten sie zumindest.

Nach der bereits anstrengenden Anreise starteten die beiden voller Tatendrang in das eigentliche Abenteuer und legten in den folgenden Tagen die ersten Kilometer auf dem Wasser zurück. Doch bereits kurze Zeit später stand das Projekt vor einem vermeintlich frühzeitigen Ende. Als sie eines Morgens aufwachten, mussten sie feststellen, dass ihre Kajaks, die am Vorabend noch auf einer Sandbank auf dem Trockenen lagen, verschwunden waren. Nach dem ersten Schock fassten die Abenteurer*innen neuen Mut und starteten gemeinsam mit zwei hilfsbereiten Einheimischen eine Suchaktion nach den verlorenen Booten. Nach mehreren Stunden der erfolglosen Suche gelang es schlussendlich, die beiden herumtreibenden Kajaks noch am selben Tag wiederzufinden und die Reise konnte weitergehen.

Nur wenige Tage später folgte der nächste Rückschlag: Beim Kochen übergoss Liam versehentlich seine Hand mit flüssigem Campinggas (-40°C), das eine Kälteverbrennung zur Folge hatte. Um auf eine solche Verletzung zu reagieren, waren sie nicht vorbereitet. Die mitgeführte Apotheke bot nicht wirklich Hilfe und Sonne, Meerwasser und das ständige Paddeln verschlimmerten die Situation noch zusätzlich. Nach einem unfreiwillig eingelegten Ruhetag blieb den beiden nichts anderes übrig, als sich auf die Suche nach einem Arzt zu machen. Wieder konnten sie sich auf die Hilfsbereitschaft der Norweger*innen verlassen und Liam ließ seine Verletzung bei einem Arzt im nächstgelegenen Ort behandeln. Zum Glück konnten durch die zeitnahe Behandlung bleibende Schäden verhindert werden und das Einzige was bleibt, sind geschlossene Freundschaften und unvergessliche Momente.

© into.wild (Michelle Abert, Liam Strasser)

Unvergesslich ist bestimmt die gesamte Reise. Mit ihren Kajaks erforschten sie eine der beeindruckendsten Gegenden Europas, selbst beim Anblick der Fotografien kommt man kaum mehr aus dem Staunen heraus. Michelle und Liam bewegten sich inmitten von scheinbar unberührter Natur. Zwischen Delfinen, Robben und Adlern paddelten sie von Bucht zu Bucht und sammelten dabei Erinnerungen für die Ewigkeit.

Tag für Tag wurden sie zu einem eingeschweißteren Team, sie entwickelten eine Routine. Selbst bei den widrigsten Umständen hielten sie sich gegenseitig bei Laune. Ihr größter Motivator war sicher Norwegen selbst. Nach einem kalten, ermüdenden Tag folgte wieder ein sonniger, der die Landschaft in all ihrer Pracht präsentierte und die Energiereserven des Duos wieder aufzuladen vermochte. So wurden sie mit atemberaubenden Sonnenauf- und -untergängen beschenkt, die sie mit den mitgeführten Kameras versuchten einzufangen, um so die Erinnerungen zu bewahren.

„Wenn man sich aus der klatschnassen Kleidung schält und jemand da steht mit einem heißen Tee zum Aufwärmen, ist das viel wert.“

– Michelle, Liam

Geschichte schreiben, zumindest für sich selbst

Nach fast einem Monat Paddeln sind die beiden Fotograf*innen am Ziel ihrer Reise angelangt, und um unzählige Erlebnisse, Fotos und Videoaufnahmen reicher. Doch auch ihr Selbstbewusstsein und ihr Selbstbild wurden durch das Kajak-Abenteuer gestärkt. Michelle und Liam zeigen mit ihrem Projekt into.wild, dass es möglich ist, die eigene Abenteuerlust auf eine umweltfreundliche Art auszuleben. Auch wenn es sich oft umständlicher gestaltet, sollte man aus Liebe zur Natur und zu unserem Planeten diesen Mehraufwand in Kauf nehmen und darf dafür im Nachhinein umso stolzer sein.

© into.wild (Michelle Abert, Liam Strasser)

Ein Zeichen zu setzen und dann sagen zu können, das war „a richtig guade G’schicht“ ist ihnen gelungen. Sie sind ihrem Anspruch, ökologisch zu reisen und die Umwelt zu respektieren, gerecht geworden. Seit ihrer Rückkehr arbeiten sie an Vorträgen, mit denen sie darauf aufmerksam machen und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei ihrem Publikum schärfen wollen. Die beiden Freunde aus Österreich sammelten Erfahrungen, Eindrücke und Geschichten, und haben jetzt einiges zu erzählen. 

Am Samstag, 13. März 2021 feierten sie mit ihrer Short-Doku „Paddling by train“ Premiere. Sie gewähren damit einen Einblick in ihre Reise mit allen Höhen und Tiefen. Authentisch und echt, sympathisch und ansteckend. Wir sind gespannt, wo es das Abenteuer-Duo als nächstes hin verschlägt.

Mehr Informationen zum Nachhören: https://www.youtube.com/watch?v=WMdkz_c34-M

Hi, ich bin Nicole und die Chefredakteurin von unserem Magazin Die Zeitlos. An der Universität Innsbruck studiere ich im Master Medien sowie im Master Gender, Kultur und sozialer Wandel. In meiner Freizeit bin ich mal mehr sportlich, mal weniger sportlich. Schreiben und journalistisches Arbeiten zählen definitiv zu meiner größten Leidenschaft. For more Information: folge einfach den Verlinkungen!