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Wer braucht schon Feminismus…

Am 8. März feiern wir einen ganz besonderen Tag. Bekannt ist er unter vielen verschiedenen Namen. Manche nennen ihn Weltfrauentag. Einige kennen ihn unter der Bezeichnung Internationaler Frauenkampftag. Die meisten bevorzugen aber einfach die kurze Bezeichnung Frauentag. Entstanden ist er bereits in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg, damals noch als Teil des Kampfes um Grundrechte. Doch was hat sich seitdem eigentlich getan?

Feminismus schlägt erste Wellen

Zu Beginn war der Frauenkampftag eine Initiative sozialistischer Organisationen im Kampf um die Gleichberechtigung, das Wahlrecht für Frauen sowie die Emanzipation von Arbeiterinnen. Erstmals stattgefunden hat er am 19. März 1911. Um zu verstehen, wie es um den Feminismus heute steht, müssen wir uns erstmal den langen Weg ansehen, den er schon hinter sich hat. Dabei wurde für Anliegen gekämpft, die noch lange nicht überall selbstverständlich sind.

Die ersten Forderungen zur Gleichberechtigung wurden bereits um 1850 laut. Somit war der Grundstein für die erste Welle der Frauenbewegung (first wave feminism) gelegt.  Auch wenn sie häufig als Frauenstimmrechtsbewegung bezeichnet wird, war die Durchsetzung des Frauenwahlrechts keinesfalls das einzige Ziel. Neben der rechtlichen, war auch die soziale Emanzipation der Frau damals schon ein Thema. Unter anderem wurden Erwerbs- und Ausbildungsmöglichkeiten, höhere Mädchen- und Frauenbildung, Arbeiterinnen- und Mutterschutz, Jugend- und Kinderfürsorge und die Reform des Ehe- und Familienrechts gefordert.

Das Private wird politisch

Die zweite Welle (second wave feminism) entstand in der Nachkriegszeit und stand unter dem Motto „Das Private wird Politisch“. Themen dieser zweiten Frauenbewegung waren zum Beispiel die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen und die Aufklärung über Verhütungsmittel. Der Kampf um Selbstbestimmung über die eigene Schwangerschaft und den eigenen Körper waren zum Teil erfolgreich. Schwangerschaftsabbrüche wurden in einem bestimmten Rahmen legalisiert und die strafrechtlichen Bestimmungen in Österreich abgeschafft.

Doch auch das Thema Arbeit war noch lange nicht vom Tisch. Der Fokus verschob sich aber auf die Bedeutung des Geschlechts und die damit verbundenen Diskriminierungen. Forderungen waren damals Lohn für Hausarbeit, Beteiligung an der Erwerbsarbeit und gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Besonders wichtig war aber die Bekämpfung der Gewalt gegen Frauen. Erschreckenderweise wurde noch in den 1970er Jahren Gewalt gegen eine Frau oft als Gewalt gegen die Sitte und ein Objekt gesehen, nicht gegen eine Person. In dieser Zeit wurde auch die Forderung nach mehr Frauen in der Politik immer lauter. Im Jahr 1979 bekamen die Frauen sogar ein Staatssekretariat für allgemeine Frauenfragen im Bundeskanzleramt.

Ist Feminismus mittlerweile überflüssig?

Frauen dürfen mittlerweile wählen, arbeiten und haben sogar ein Frauenministerium. Nun stellt sich die Frage: Brauchen wir Feminismus heute überhaupt noch? Natürlich darf eine Frau wählen und arbeiten. Sie verdient aber immer noch deutlich weniger als ein Mann. Erklären lässt sich das nur schwer, denn Frauen in Österreich sind statistisch gesehen sogar besser gebildet. In der Privatwirtschaft wird der Unterschied öfters durch das Arbeiten in Teilzeit begründet. Das stimmt aber nur bedingt. Pro Arbeitsstunde bekommen weibliche Beschäftigte nämlich durchschnittlich um 22 Prozent weniger. Auch Berufe die typischerweise Frauen zugeschrieben werden, sind meistens deutlich schlechter bezahlt als stereotypische Männerberufe. Ebenfalls auffällig? Frauen sind sehr selten im oberen Management-Bereich zu finden. Für die meisten Mitarbeiterinnen ist im Mittleren Management Endstation, also in jener Führungsebene, die dem Top-Management untergeordnet ist.


Bild von Anete Lusina / Pexels

Wie wichtig Feminismus heute noch ist, zeigt sich im Privaten noch deutlicher. Tatsächlich sind die Ausmaße auch in Österreich schockierend. Für jede dritte Frau in Europa gehört körperliche und sexuelle Gewalt zum Alltag. Dabei passieren die Übergriffe meist im persönlichen Umfeld, die Täter gehören oft zur eigenen Familie. Beinahe drei Viertel aller Frauen erfahren mindestens einmal in ihrem Leben sexuelle Belästigung. Sogar das Grundrecht der Frauen, selbst darüber zu entscheiden, wer sie anfassen darf, wird in der heutigen Zeit oft noch in Frage gestellt. Ein Beispiel dafür, mit welchem Respekt Frauen oft heute noch behandelt werden ist der Luder-Sager aus dem vergangenen Jahr. Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler hatte damals Marianne Götsch, eine WWF-Sprecherin, vor laufender Kamera als „widerwärtiges Luder“ beschimpft. Die Begründung: Sie ließ nicht zu, dass er ihr ins Wort fällt! Folgen für den Politiker gab es aber keine. Er hat sein Amt immer noch inne. Die Forderungen nach einem Rücktritt wurden vom Tiroler Landeshauptmann, Günther Platter, als politischen Spielchen abgetan. Außerdem hätte weder die Tiroler Bevölkerung noch er in einer Krise Verständnis für Neuwahlen, so Platter.

Noch 170 Jahre bis zur Gleichstellung

All dies zeigt deutlich, dass wir von einer Gleichberechtigung und einem respektvollen Umgang noch weit entfernt sind. Eine Antwort darauf, wie viel Zeit dies noch beanspruchen könnte, liefert der Gender Gap Report. Laut ihm dauert es noch 170 Jahre, bis man von internationaler Geschlechtergerechtigkeit sprechen kann. Sogar in Westeuropa rechnet man noch mit 54,4 Jahren.  Dass es in Österreich ebenfalls noch viel zu tun gibt, zeigen internationale Vergleiche. Im globalen Ranking des Global Gender Gap Index liegt Österreich auf Platz 34. Dazu bleibt nur noch eines zu sagen: Feminismus? Unbedingt, denn the future is equal!

Beitragsbild: Foto von Robert Jones /Pixabay

Hi, ich bin Hannah. Hier findest du den ein oder anderen Artikel von mir. Wenn ich nicht gerade an etwas schreibe, studiere ich an der Universität Innsbruck. Abseits des Schreibtisches bin ich meistens irgendwo zwischen Innsbruck und Lienz zu finden, dort am liebsten draußen. Du willst mehr wissen? Sieh dir einfach meine Verlinkungen an!