Begin typing your search above and press return to search. Press Esc to cancel.

ZFN #2: Hektar Nektar – Biene Maja auf der Spur

Honig ist ein süßer Grund, warum wir uns für Bienenschutz einsetzen sollten. Wichtiger ist jedoch, dass Bienen etwa 80 Prozent aller Nutz- und Wildpflanzen bestäuben. Somit sind sie für ein Drittel aller Lebensmittel verantwortlich. In Mitteleuropa sind seit 1985 rund 25 Prozent aller Honigbienenvölker verschwunden. Die Konsequenzen des Bienensterbens sind tiefgreifend, denn die Biene ist das drittwichtigste Nutztier nach Rind und Schwein. Das Start-up Hektar Nektar hat es sich zur Herzensaufgabe gemacht – mit einem digitalen Marktplatz für Bienen – zum Schutz der gelb-schwarzen Brummer beizutragen. Ihr Ziel: zehn Prozent mehr Bienen in Österreich und Deutschland bis 2028. Die Zeitlos hat sich mit Martin Poreda, einem der beiden Gründer des Unternehmens Hektar Nektar, unterhalten.

Mark und Martin Poreda haben Hektar Nektar gegründet und den Bienenschutz zu ihrer Herzensaufgabe gemacht.1

Die Zeitlos: Ihr habt Hektar Nektar gegründet, weil ihr etwas Sinnstiftendes tun wolltet. Wie seid ihr auf die Idee mit Hektar Nektar gekommen?

Martin Poreda: Am Anfang wollten wir nicht unbedingt etwas Sinnstiftendes schaffen. Sondern wir wollten ein Problem lösen. Das ist bei uns immer der erste Funke, auch bei unserer ersten Gründung Kununu. Wir haben gesehen, dass die Imkerei ein Problem hat, nämlich an Bienen zu gelangen. Deswegen haben wir einen Marktplatz geschaffen, um Bienen zu kaufen, für Imker*innen, oder zu verkaufen, um dieses Problem zu lösen. Dass dann das Sinnstiftende, nämlich das Projekt 2028, daraus entstand, haben wir am Anfang nicht geplant. Aber wir freuen uns, dass es jetzt zu unserem Herzstück geworden ist.

Was ist das Projekt 2028?

Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass in Österreich und Deutschland bis zum Jahr 2028 zehn Prozent mehr Bienen geschaffen werden. Die beiden Zielländer haben wir deswegen ausgesucht, weil die Bienen in diesen beiden Ländern sehr ähnlich sind. Und damit das ermöglicht wird, haben wir den Marktplatz im Hintergrund, der uns die Fragen beantwortet: Wo bekommen wir die Bienen her? Wem geben wir die Bienen? Welche*r Züchter*in hat verlässliche und gesunde Bienen? So haben wir die Logistik im Hintergrund geschaffen, um dieses Ziel erst auszurufen.

Wie kommt ihr an die Bienen?

Wir haben so gut wie in jedem Bundesland Deutschlands und Österreichs Bienenzüchter*innen, die über den Marktplatz aktiv sind. Sie bieten nicht nur anderen Hobby-Imker*innen und Menschen, die in die Imkerei einsteigen wollen, ihre Bienen an. Sondern wir beziehen von ihnen auch die Bienen für das Projekt 2028. Wichtig dabei ist, dass diese Bienenvölker neu geschaffen werden. Es ist keine Bienenschutzmaßnahme, bei der ein Bienenvolk von A nach B verschoben wird, weil das kein Wachstum bringen würde. Sondern dadurch, dass die Imker*innen wissen, dass sie mit uns beim Projekt 2028 einen Abnehmer haben, schaffen sie diese Bienenvölker erst neu.

Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier der Welt. Der Schutz der Biene ist deswegen von großer Bedeutung.

Wie funktioniert Eure Bienenplattform?

Jede*r, der*die zur Rettung der Biene beitragen möchte, kann bei uns mitmachen. Es gibt die Bienenpat*innen oder Bienenfreunde*innen – das sind private Haushalte, die mit kleinen Beiträgen zum Ziel beitragen wollen. Dann gibt es die Imker*innen, die für die Aufzucht und für die Vermehrung der Bienenvölker zuständig sind. Das sind unsere Held*innen im Projekt, Imker*innen und Influencer, wir nennen sie Imkluencer. Auch Unternehmen können etwas beitragen. Aber konkret: Mit kleinen Beitragen bekommen die Bienenpat*innen Honig von uns. Wir verwenden Gelder, um Bienenvölker an Imker*innen zu verteilen.

Wie helft ihr Imker*innen und jenen, die es werden wollen?

Einerseits lösen wir ihr Problem: Wo bekomme ich Bienenvölker überhaupt her? Gerade jetzt in Corona-Zeiten, wo Kontaktlosigkeit vorherrscht, ist das kein leichtes Unterfangen. Früher ist man zum*r Imker*in ums Eck gegangen und der*die hatte vielleicht Bienenvölker parat oder über. Damit konnte man arbeiten. Aber jetzt gibt es den*die Imker*in vielleicht nicht mehr, weil er*sie damit aufgehört hat, weil er*sie zu alt ist oder weil es ihm*ihr zu beschwerlich ist. Und wir lösen dieses Problem, indem man über einen Marktplatz Bienenvölker auch über längere Distanzen beziehen kann. Dadurch ermöglichen wir Bienenzüchter*innen auch das wirtschaftliche Überleben, weil sie durch die Bienenzucht Umsätze generieren können. Und Projekt 2028 versorgt Imker*innen mit Bienenvölkern, Bienenpat*innen mit Honig. So ist das ein schöner, geschlossener Kreislauf, von dem jede*r profitiert.

Der Imker Marian Aschenbrenner betreut seit 1000 Bienenstöcke seit 2011.2

Wieso ist Eure Bienenplattform für eine nachhaltigere Welt so wichtig?

Wir sind der erste Marktplatz auf der Welt. Bis jetzt kam niemand auf die Idee, einen Marktplatz für Bienenzüchter*innen und Imker*innen zu schaffen, obwohl es die Imkerei schon seit Tausenden von Jahren gibt. Dadurch, dass wir Projekt 2028 ausgerufen haben, können wir auch wirklich messen, ob es mehr Bienen gibt. Wir stehen in Kontakt mit unseren Imker*innen. Wir wissen, ob sie aus einem Bienenvolk ein zweites, drittes, viertes gemacht haben. Es ist die erste wirklich nachvollziehbare und nachhaltige Bienenschutzmaßnahme, die messbar ist.

Dass der Schutz von Bienen wichtig ist, ist bekannt. Was kann jede*r Einzelne beziehungsweise wie können Studierende zum Bienenschutz beitragen?

Es beginnt beim Kaufverhalten. Wenn man zum Beispiel zu regionalem Honig greift, der aus gutem Grund ein bisschen teurer ist und nicht zu Mischhonig aus China oder aus anderen Ländern, der unterstützt schon beim Kaufverhalten die Imkerei. Der zweite Schritt ist – das ist auch fast kostenlos – mit offenen Augen durch die Welt gehen und schauen, wo man etwas Gutes für Bienen tun kann. Das heißt, die richtigen Pflanzen kaufen, von denen sich Bienen ernähren oder bestäuben können. Alles was blüht und bunt ist liebt die Biene. Alles, was grün und langweilig ist, ist für die Biene kein Futter und keine Nahrung. Das dritte ist, dass man eine Bienenpatenschaft bei uns abschließen kann. Es ist ein schönes Geschenk, ein nachhaltiges Geschenk, mit Urkunde. So trägt man auf drei Wegen zum Bienenschutz bei.

In bunten blühenden Blumen kann die Honigbiene ordentlich schlemmen.

Euer Unternehmen gibt es seit 2017. Wie wollt ihr Euer Unternehmen in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Wir haben ein ganz klares Ziel: Projekt 2028. Wir wollen zehn Prozent mehr Bienen. Und auf diesem Weg müssen wir 100.000 Imker*innen ausstatten. Da setzen wir auf die Mithilfe von Haushalten, auf die Hilfe deines Magazins, auf die Mithilfe von Unternehmen, die auch ein bisschen mehr Geld in die Hand nehmen können. Wir arbeiten einfach fleißig wie die Bienen vor uns hin.

Schöner Vergleich. Wie viel Honig bekommt man als Bienenpate*in?

Das hängt vom Betrag, den man als Bienenpate*in beiträgt, ab. Für den kleinsten Betrag, also für 30 Euro, bekommt man 120 Gramm Honig. Man kann aber auch nur fünf oder zehn Euro beitragen. Dann gibt’s zwar keinen Honig, aber man rettet Bienen.

Zum Abschluss: Wie isst Du deinen Honig am liebsten?

Ein Löffel pro Tag. Man muss wissen, dass Honig seine Wirkung und all seine positiven Eigenschaften verliert, wenn er beispielsweise in heißem Tee aufgelöst wird. Da ist er dann nur noch Puderzucker.

Vielen Dank für das Interview.

Bienen arbeiten fleißig dafür, dass wir leckeren Honig auf unser Brot schmieren können.

Bilder: 1; 2Hektar Nektar ©; pixabay

ZFN – Zeitlos für Nachhaltigkeit – ist eine Artikelreihe, bei der wir Themen rund um den Klimawandel und Nachhaltigkeit in den Fokus stellen.