Dirty Jobs #3: Wo aus dreckig sauber wird

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Die wohl letzte Station des Abwassers ist die Kläranlage, wo es so gereinigt wird, dass es dem Wasser vom Inn entspricht. Im letzten Teil unserer Serie spricht der Ingenieur und Betriebsleiter der Kläranlage Roßau mit uns über seinen Alltag und erklärt, wie man aus dem Abwasser Strom und Wärme gewinnen kann.

Harald, Ingenieur und Betriebsleiter der Kläranlage Roßau

Die Zeitlos: Wie sieht denn bei Ihnen so ein typischer Arbeitstag aus?

Harald: Ich persönlich sitze eigentlich überwiegend im Büro und führe administrative Tätigkeiten aus. Dazu gehören etwa Behördenmeldungen, Berichtswesen und das ganze Betriebsdatenmanagement. Die Leute, die draußen beschäftigt sind, machen ihre Rundgänge und schauen, dass die Anlagen so funktionieren, wie sie sollten. Die haben ihre „Pager“ mit, auf welchen sie Störungsmeldungen erhalten. Diese Störungen müssen dann behoben werden.

Welche Grundfunktionen hat das Innsbrucker Klärwerk?

Die Kläranlage hat die Grundfunktion, das Abwasser so zu behandeln, dass es für die Umwelt unbedenklich ist. Wir reinigen das Abwasser, sodass es dann quasi dem Wasser vom Inn entspricht. Trinkwasser produzieren wir nicht, weil es einfach nicht nötig ist. Technisch wäre es möglich, in Österreich aber wirtschaftlich sinnlos, weil wir genügend Trinkwasser zur Verfügung haben. Sehr positive Nebenerscheinungen sind, dass die Kläranlage mittlerweile an die 60 bis 70 Prozent Eigenstrom produzieren kann. Wir brauchen relativ viel Strom, weil das eine sehr große Anlage ist. Wir haben einen Abwasserzulauf von etwa 50.000 Kubikmetern am Tag, die wir reinigen müssen. Durch das Reinigen des Abwassers entsteht dann ein Klärschlamm. Aus diesem Klärschlamm und aus dem Bioabfall, den wir noch in Innsbruck und Umgebung sammeln, können wir ein Faulgas produzieren, aus dem wir schließlich Strom und Wärme gewinnen. Wir können mehr Wärme produzieren, als für den Anlagenbetrieb notwendig ist. Es gibt auch noch ein Biomasse-Kraftwerk, das mit dem Klärwerksprozess selbst nichts zu tun hat. Hier wird aus Waldhackgut Strom und Wärme erzeugt. Der Strom wird in das Stromnetz und die Wärme in unser System einspeist. Damit haben wir noch zusätzliche Überwärme, die wir an die TIGAS-Fernwärme ausspeisen.

Haben Sie sich bei Ihrer Arbeit hier jemals die Hände dreckig gemacht? Oder machen das Andere?

(Lacht) Die hab‘ ich mir auch schon dreckig gemacht. Wir haben immer wieder mal Umbauten, bei denen auch die Führungsetage vor Ort ist.  Es ist unsere Einstellung, dass wir selbst vor Ort etwas sehen wollen und bei großen Umbauten auch mit Hand anlegen, wenn Not am Mann ist. Als wir vor zwei Jahren den Faulturm ausgeräumt haben, war ich selbst mit drin, um zu reinigen und Verzopfungen zu lösen. Der Faulturm ist ein Behälter mit 4600 Kubikmeter Fassungsvermögen, der mit Faulschlamm gefüllt ist. 

Wie lautet eigentlich Ihre Berufsbezeichnung und was haben Sie gelernt oder studiert?

Ich habe ein Verfahrens- und Umwelttechnikstudium am MCI gemacht. Jetzt bin ich hier Betriebs- und Abteilungsleiter.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit? Gibt es vielleicht etwas, was Sie an Ihrer Arbeit nervt?

Die Arbeit ist generell sehr abwechslungsreich. Unsere Anlage ist Mitte der 90er Jahre in Betrieb gegangen und mittlerweile schon entsprechend in die Jahre gekommen. Es gibt relativ viel auszutauschen. Ich kann mit vielen technischen Innovationen herumspielen und kreativ sein. Etwas, das mich nervt, gibt es eigentlich nicht.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie von Anderen Anerkennung für die Arbeit, die Sie leisten, bekommen und wenn ja, von wem?

Ich glaube, dass die ganze Thematik sicher noch sehr stiefmütterlich behandelt wird und relativ im Verborgenen schlummert, weil einfach keiner weiß, was wirklich dahintersteckt. Die Leute, von denen man, wenn dann, Anerkennung bekommt, sind die, die sich in der Materie auskennen. Ich würde sagen, der Normalbürger merkt eigentlich nichts von diesen Dingen. Egal, ob Kläranlage, Kanalisation oder Trinkwasserversorgung – das sind alles Sachen, die im Verborgenen passieren. Wobei Anerkennung vielleicht das falsche Wort ist. Ich würde eher behaupten, dass viele Leuten einfach wenig darüber wissen, was wirklich in diesen Bereichen passiert. Sie verbinden ein Klärwerk meistens eher mit etwas Negativem, weil es dreckig sei und stinke. Das sind die gängigen Vorurteile, mit denen ich konfrontiert werde, auch wenn ich eigentlich 95 Prozent der Zeit im Büro sitze.

Mehr Informationen zu unserer Innsbrucker Kläranlage, die eine der modernsten Kläranlagen Europas ist, findet ihr auch hier.

Portrait: Martina Frötscher, Titelbild: Felix Unverzagt

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