Dirty Jobs #2: Im Kanal unten

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Schon mal überlegt, was ein Kanalfacharbeiter so genau macht? Auch sie sind für unseren Klo-Komfort zuständig. Doch ihre Arbeit wird meistens nicht richtig wertgeschätzt und sie werden als Verkehrshindernis wahrgenommen. Wie ihr Alltag aussieht und was den Beruf so abwechslungsreich macht, erzählt Gernot, der bei der IKB arbeitet.

Die Zeitlos: Wie sieht denn bei Ihnen so ein typischer Arbeitstag eigentlich aus?

Gernot: Also in der Früh gibt’s erstmal die Arbeitseinteilung. Und nachher fahren wir auf die Baustelle, müssen das Ganze ordnungsgemäß absperren und fangen an. Dann wird eine ständig anwesende Aufsichtsperson eingeteilt, die oben bleibt. Derjenige lässt das Material runter und schaut immer, dass sicherheitstechnisch alles richtig abläuft. Hier werden jetzt zum Beispiel alte Anschlüsse abgemauert.

Das heißt, Sie steigen auch selbst in den Kanal runter…

Ich steige selbst in den Kanal ein, ja.

Welche Arbeiten erledigen Sie dort sonst noch, außer Abmauerungen?

Natürlich machen wir nicht nur Abmauerungen, sondern sanieren auch Risse und Fugen im Kanal, im Schacht und in den Klinkerungen (das sind Ziegel, in denen das Gerinne ist), kontrollieren die Steigeisen im Schacht, oder leeren die Schmutztassen aus, sodass es immer sauber ist. Außerdem stellen wir Hausanschlüsse und Sinkkasten-Anschlüsse für die Straßenentwässerung her, führen Pumpenwartungen durch und reinigen die ganzen Hochwasser-Pumpanlagen. Wir machen einfach alles, was anfällt.

Nicht schlecht! Das ist aber schon auch dasselbe Abwassersystem, das auch im Endeffekt an das Klo angeschlossen wird, oder?

Genau! Daran hängen die ganzen WCs. Die werden dann in Kanälen, die immer größer werden, je näher es an das Klärwerk herangeht, zusammengeführt. Das Wasser rinnt dann ins Klärwerk runter, schlussendlich.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit und gibt es Sachen, die Sie vielleicht ein bisschen nerven?

Mir gefällt die Abwechslung. Also dass man wirklich heute das, morgen das und übermorgen das tut. Und dass wir mit vielen Menschen zusammenarbeiten. Außerdem gefällt mir der Umweltschutzaspekt: Dass man das Abwasser reinigt, sodass es für die Umwelt unbedenklich ist. Wenn mich etwas nervt, dann wohl am ehesten der Verkehr. Wir stellen natürlich eine Verkehrsbehinderung dar und müssen uns mit der Verkehrsbehörde abstimmen. Das ist ein bisschen schwierig, das alles zu händeln.

Haben Sie das Gefühl, dass Sie von Anderen für Ihre Arbeit Anerkennung bekommen und wenn ja, von wem?

Viel Anerkennung bekommt man jetzt, so gesehen, nicht. Es wird schon von den Leuten gutgeheißen, dass wir diese Arbeit erledigen, aber eher von einzelnen Anrainern oder Passanten. Das ist allerdings die Minderheit. Eher werden wir oft als lästig wahrgenommen, weil wir den Verkehr behindern. Also da bekommt man eher die negative Auswirkung ab.

Im nächsten Teil dieser Folge treffen wir auf Harald, Ingenieur und Betriebsleiter der Kläranlage Roßau.

Gruppenfoto und Titelbild: Felix Unverzagt

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