IFFI 2019: Von Erwartungen und Überraschungen

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Bereits zum 28. Mal fand vergangene Woche das Internationale Filmfestival Innsbruck statt. Mittlerweile hat es im Kulturkalender seinen festen Platz und sich bei Kinoliebhabern und Cineasten einen Namen gemacht. Auch unsere Redakteurin ist ein großer IFFI-Fan und hat sich für DIE ZEITLOS ins Filmgetümmel gestürzt. Ein Resümee aus sechs Kinotagen, 13 Filmen, Nickerchen, einem Kaffee, großen und kleinen Erwartungen und das alles, rund um die Welt!

Zugegeben, als ich Dienstag früh, am Tag des Festivalbeginns, beim Frühstück sitze, hält sich meine  Vorfreude noch in Grenzen. Zu sehr stecke ich noch im Alltagstrott zwischen Uni, Nebenjob und Freizeitstress fest. Groß informiert habe ich mich noch nicht und überlege sogar meine Filmauswahl willkürlich zu treffen. Denn davon bin ich überzeugt: Irgendwie gut sind ja alle Beiträge beim IFFI. Dementsprechend hoch liegt für mich auch die Erwartungslatte.

Indien zum Warmwerden

Bei der Vorschau zum Eröffnungsfilm kommt sie endlich, die Vorfreude, auf die kleinen Leinwandwunder, künstlerische Hybride aus Ton, Bild und Bewegung, Filme mit Wow-Effekt.

Die IFFI-Eröffnung im Leokino ist gut besucht.

So sitze ich also in „OLU“ und warte auf den Begeisterungsflash. Doch trotz Unterwassergöttin, Vollmondnächten und einem verliebten Amateurmaler kommt es nicht dazu. In Erinnerung bleiben mir die in meinen Augen fantastisch-kitschigen Computeranimationen in Kombi mit düsterer Hindu-Mythologie sowie ein Hauptdarsteller, der in Verzweiflung vor einem Anruf seine Sim-Karte isst. Und die Erwartungslatte rutscht ein Stückchen tiefer.

Der Trailer zu „OLU“ („SHE“) …

Acht Kurztrips

Nach den unerfüllten Hoffnungen vom Vortag setze ich umso mehr auf eines meiner IFFI-Highlights, den Kurzfilmpreis der Uni: Abwechslung ist hier garantiert, die Filme sind kurz, aber intensiv. Schließlich sitzen wir, drei Zeitlos-Kollegen, zwei Regisseure, eine Darstellerin und eine Handvoll anderer Zuschauer im Cinematograph, um uns ins australische Outback entführen zu lassen, mit Vampiren zu jagen und den Mordversuchen an der Schildkröte Mathilda beizuwohnen. Während „A Room with a Coconut View“ erlebe ich schließlich eine kleine emotionale Achterbahnfahrt: Nach einem starken Start wird es schnell ziemlich zäh und als ich zum dritten Mal denke, der Film wäre vorbei,  es aber nochmal weiter geht,  muss ich einfach loslachen. Danach wiegt mich die monotone Computerstimme in ein sanftes Nickerchen. Am Ende des Tages ist mir zwar bewusst, dass ich so eben acht gute Kurzfilme erleben durfte, für den erhofften „Bam!“ hat es aber wieder nicht gereicht.

… und zum Kurzfilm „A Room with a Coconut View“.

Zeitreise nach Thailand

„Chang: A Drama of the Wilderness“ wird als „besondere Wiederentdeckung“ angekündigt und weil es solche Filme nur zum IFFI zu sehen gibt, steht er auf meinem Plan. Die Vorfreude hält sich offen gestanden in Grenzen, während ich mich frage, wie viel Kinobegeisterung es braucht, um einen Stummfilm von 1927 zu schauen?! Zu Vorführungsbeginn weist Festivaldirektor Helmut Groschup noch darauf hin: „Ein alter Film. Ein Stück Filmgeschichte. Ein Stück Elefantengeschichte.“ Na gut, dann mal los.

Festivaldirektor Helmut Groschup und Festivalpräsident Hans Kohl bereiten das Publikum auf „Chang: A Drama of the Wilderness“ vor.

Was es dann zu sehen gibt, ist ein wahres Mammutprojekt! Unfassbare Bilder, extreme Produktionsbedingungen und das alles 1927! Dazu eine Reihe glücklicher Zufälle sowie die nötigen technischen Ressourcen um den Film überhaupt zeigen zu können. Das alles ist grandios! Wow! Jetzt bin ich begeistert!  Mein IFFI und wofür ich es so liebe, ist zurück!

Ein kleiner Einblick in den Stummfilm „Chang: A Drama of the Wilderness“ von 1927.

Kenia, Österreich und Kuba in drei Tagen

Von nun an würde ich am liebsten in jeden Film gehen. Wer weiß welche fantastischen Streifen es noch zu sehen gibt! Der kenianisch-deutsche „Supa Modo“ zum Beispiel: ein schöner Film und leicht, obwohl das Thema so schwermütig ist. „Das schönste Land der Welt“ kommt so amateurhaft daher, dass man sich oft nicht sicher ist, ob nun die Realität so absurd ist oder nur die Absurdität so real dargestellt wird. Und schließlich Kuba, oh yes! Bei einer Tasse Kaffee wird „La pelicula de Ana“ zu meinem Abschlussfilm.

„Supa Modo“, einer meiner Favoriten beim IFFI 2019.

Obwohl nicht alle Filme meine Erwartungen erfüllt haben, liegt die Latte nach dem IFFI 2019 nochmal ein Stückchen höher. Denn es kommt nicht allein darauf an, ob ein Film gefällt oder nicht. Alle aber öffnen ein Fenster in eine andere Welt, eine andere Kultur und die Weiten des Mediums Film – und allein das kann einen ganz schön vom Hocker hauen. Die Filme haben es verdient gesehen zu werden!  Wenn es also nächstes Jahr Ende Mai heißt „29. IFFI“, schmeißt eure Erwartungen über den Haufen, denn das IFFI überrascht! Lasst euch drauf ein, geht hin und freut euch auf einen Blick über den Tellerrand, den ihr sicher in Erinnerung behalten werdet.

Auf dem Weg zu meinem Abschlussfilm am IFFI-Sonntag.

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Fotos: Lisa Probst

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