#öhwahl2019 // Interview mit Spitzenkandidatin Daniela Hackl (VSStÖ)

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Von 27. bis 29. Mai 2019 finden die ÖH-Wahlen statt. Da Wahlbeteiligung wichtig und wünschenswert ist, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, Innsbrucks Studierende darüber genauestens zu informieren. In den nächsten Tagen stellen wir euch in mehreren Artikeln und Interviews die verschiedenen Fraktionen und den generellen Ablauf der Wahlen vor. Heute präsentieren wir euch Daniela Hackl, die Spitzenkandidatin des VSStÖ (Verband Sozialistischer Student_Innen).

Die Zeitlos: Für was steht ihr und was wollt ihr verkörpern?

Daniela: Wir stehen vor allem für unsere 4 Grundwerte, die die Basis unserer gesellschaftspolitischen und hochschulpolitischen Arbeit darstellen: Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. So setzen wir uns vor allem für einen bedingungslosen und offenen Hochschulzugang ein. Bildung muss allen Menschen gleichermaßen möglich sein, unabhängig von familiären oder sozialen Verhältnissen, sexueller Orientierung, Hautfarbe oder Geschlecht. Die Hochschule bringt, genau wie die Gesellschaft, leider auch einige Ungleichheiten mit sich. Das ist beispielsweise bei Geschlechterverhältnissen oder marginalisierten Gruppen deutlich sichtbar, da sie teilweise auch an der Hochschule benachteiligt werden. Das fängt bei Frauen, die im Universitätslehrkörper oft unterrepräsentierter sind, an und hört bei höheren Studiengebühren und Zusatzausgaben für Deutschkurse bei ausländischen Studierenden auf. Es gibt also noch vieles, was gemacht werden muss, damit die Hochschule wirklich für alle gleichermaßen zugänglich ist.

Wo seht ihr die aktuellen Probleme an der Universität?

Eines der momentan größten Probleme sind die österreichweiten Zugangsbestimmungen für bestimmte Studienfächer wie Medizin, Jus oder einige geisteswissenschaftliche Fächer. In Innsbruck sind wir hier noch in einer besseren Position, aber es kann theoretisch jederzeit passieren, dass sie auch bei uns eingeführt werden, je nachdem wie sich die aktuellen Studierendenzahlen entwickeln. Zugangsbeschränkungen halten viele Menschen von der Universität ab, weil sich, wenn wie in Medizin spezielle Aufnahmetests durchgeführt werden, nicht alle die gleiche Vorbereitung leisten können und diejenigen, die es nicht können, sind klar im Nachteil. Deswegen wollen wir auch, dass diese „Hürden“, ganz besonders die finanziellen, abgeschafft werden. Also wenn es schon einen Aufnahme- oder Sprachtest geben muss, so wie z.B. in Latein, sollte der Test und die Vorbereitung zumindest kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Wir vertreten aber dennoch die Ansicht, dass Zugangsbeschränkungen der falsche Ansatz sind, um Studierendenzahlen zu senken. Sinnvoller wäre es, mehr in den Hochschulsektor zu investieren.

Zu freier Bildung gehört auch, dass eine kritische Lehre vertreten wird, weshalb wir uns auch für den Ausbau des Wahlfächerangebots aussprechen. In geisteswissenschaftlichen Fächern funktioniert das mit den „Interdisziplinären Kompetenzen“ schon sehr gut, aber es gibt einige Studienfächer, bei denen dieser Bereich gar nicht vorgesehen ist. Dabei wäre das ein sinnvoller und wichtiger Raum für Vernetzung außerhalb der Frontalvorlesungen.

Ein weiteres wichtiges Thema ist wie immer das Thema „Wohnen“. Die Lebenskosten in Innsbruck sind im österreichweiten Vergleich einfach sehr hoch und das Konzept mit der Mietzinsbeihilfe funktioniert nicht gut genug. Mietzinsbeihilfe ab Tag 1 würde viele Studierenden sehr entlasten, gerade diejenigen, die sich jetzt gezwungen sehen, neben der Uni arbeiten gehen zu müssen. Für diese Studierenden wäre es auch wichtig, dass man Lernmaterial wie Skripten online zur Verfügung gestellt bekommt, dass Vorlesungen aufgezeichnet und später angeschaut werden können und dass man das LV-Angebot ausweitet, z. B. in dem man das gleiche Seminar vormittags und nachmittags anbietet, damit sich das arbeitende Studierende besser einteilen können. Die Einführung von Studiengebühren für arbeitende Studierende, die die Toleranzsemesteranzahl überschritten haben, verschärft die Situation zusätzlich. Wir fordern hier vor allem eine Ausweitung der Toleranzsemester und würden die Einführung eines „Teilzeit“-Studentenstatus begrüßen. Die Idee wäre hier, dass teilzeitstudierende Personen länger Beihilfen bekommen, die dafür monatlich geringer ausfallen als bei Vollzeitstudierenden. Generell muss hier aber auch das Beihilfensystem endlich an die Lebensrealität der Studenten angepasst werden.

Was sind eure Hauptthemen?

Uni für alle! Das umfasst die Anpassung des Studiums an die Lebensrealität der Studierenden und somit bessere Studienbedingungen. Dazu gehören: keine Voraussetzungsketten und -prüfungen, keine Zugangsbeschränkungen und ein Ausbau des Beihilfensystems, damit man sich Studieren und Wohnen leisten kann. Auch wollen wir eine freie Bildung mit mehr Fokus auf Feminismus, eine transparentere Gestaltung der ÖH, damit alle die Möglichkeit haben, das mitzuverfolgen und mehr Vernetzung zwischen ÖH, Studienvertretungen und Fachschaftsvertretungen.

Inwieweit würdet ihr euch mit der sozialdemokratischen Partei identifizieren? Gibt es Punkte, wo ihr euch ganz klar von ihr differenziert?

Wir haben ein kritisches Verhältnis zur Partei. Wir sind die kritische Stimme und erkennen Probleme in der Partei, beispielsweise bestimmte gesellschaftliche Strukturen, die sich auch innerparteilich widerspiegeln. So treten wir als feministischer Verband auch in der Partei, genauso wie in Gesellschaft und Hochschule, gegen patriarchale Strukturen auf.

Was würdet ihr den Studierenden gerne mitgeben?

Wir wollen den Studierenden einfach sagen, dass sie mehr haben können! Ich habe ganz oft das Gefühl, dass sich viele denken, dass wir ja eh in einem sehr guten Hochschulsystem studieren und dass unser Beihilfensystem auch recht ok ist, aber da wäre doch noch viel Luft nach oben. Wir möchten ihnen mitgeben, dass sie sich nicht einfach mit dem zufrieden geben müssen, was sie jetzt haben, sondern dass noch mehr geht, wenn wir alle zusammenarbeiten. Ihr könnt aktiv etwas tun und mitgestalten!

Foto: Daniela Hackl / VSStÖ // Grafik: Pauline Tagwerker

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