Banane – kch

Share

In einem Witz über den Tiroler Dialekt, ist dies, Banane – kch, die Antwort auf die Frage nach einem Tiroler Wort mit k. Der typisch tirolerische Laut, stellt für diejenigen, denen der Dialekt selbst nicht geläufig ist, kein größeres Hindernis dar. Doch bleibt es nicht bei dem kleinen „k“, das mehr wie ein „kch“ klingt, denn in Innsbruck begegnet man neben Tiroler Mundart auch österreichischer Dialektvielfalt und zahlreichen Varietäten des Deutschen…

Was?

… macht einen Dialekt eigentlich zu einem Dialekt? „Sprachwissenschaftlich betrachtet, ist es letztlich Definitionssache“, erklärt Yvonne Kathrein, Leiterin des Tiroler Dialektarchivs. Hintergrund der Sprachvarianten ist die geografische Herkunft der Sprecher. „Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, es gibt so viele Dialekte wie Sprecher, da jeder ein bisschen anders redet“, ergänzt Kathrein. „Demzufolge ist es auch schwierig Zahlen zu nennen. In Tirol kann man aber zumindest zwei große Dialekt unterscheiden: Alemannisch und Bairisch.“

Was?

… unterscheidet Dialekte denn dann von eigenständigen Sprachen? Immerhin kann einem Hamburger „Schnopkram schnopen“ (‚Süßigkeiten essen‘) im Zillertal genauso unverständlich sein, wie umgekehrt ein „aftang“ (Füllwort; ‚nachher‘, ‘ schlussendlich‘). Was hat das denn noch mit Deutsch zu tun, könnte man meinen. Wieder ist es eine Frage der Definition. Häufig hat die „Sprache“ selbst dabei tatsächlich nur wenig zu sagen, da die Unterscheidung auf Politik, Geschichte und Kultur zurückzuführen ist. So kommt es auch, dass wir beispielsweise Dänisch, Norwegisch und Schwedisch als eigene Sprachen betrachten, obwohl sich die Sprecher dieser Sprachen untereinander vermutlich besser verständigen können als der Berliner mit dem Zillertaler.

Was?

… war zuerst da? Hochdeutsch ist die Sprache der Medien, der Verwaltung, wird in der Schule gelehrt und dient zur allgemeinen Verständigung.  Hochdeutsch war zuerst da, könnte man glauben. Doch Dialekte sind keinesfalls Ableger des Standards. Vielmehr haben sich die Varietäten nebeneinander entwickelt, aber eben je nach Region unterschiedlich. Die Standardsprache kann also ebenfalls als ein Dialekt gesehen werden. Mit dem feinen Unterschied, dass sie es als einzige geschafft hat, mehr Funktionen und Prestige zu erlangen als alle anderen.

Was?

… sollte man sonst noch über Dialekte wissen? Die österreichischen und süddeutschen Dialekte haben einige Gemeinsamkeiten. Nichtsdestotrotz steht jeder Dialekt für regionale Identität, was sich oft schon in den Bezeichnungen der Dialekte zeigt (Tirolerisch, Berlinerisch etc.). Wie bei Sprachen ist es auch möglich, sich einen Dialekt anzueignen. „Einen Dialekt zu übernehmen hat viel mit der persönlichen Einstellung und Identität zu tun und kann unbewusst oder bewusst geschehen. Bewusst entscheiden sich manche aber nicht nur der eigenen Identität wegen dagegen, einen anderen Dialekt anzunehmen. Es ist ja auch immer eine Frage, wie die lokale Bevölkerung darauf reagiert, wenn man sich deren Dialekt anzueignen versucht“, bemerkt Yvonne Kathrein.  Schließlich auch in der Aussprache den typischen Akzent eines Dialekts gänzlich zu übernehmen, hält die Leiterin des Dialektarchivs allerdings für fast unmöglich.

Was?

… passiert in Zukunft mit den Dialekten? „Die Wahrnehmung der Bevölkerung ist häufig, dass die örtlichen Dialekte verflachen. Wissenschaftlich betrachtet handelt es sich aber eher um einen logischen Anpassungsprozess an überregionalere Formen.“ Vor allem in der städtischen Umgebung würden sich diese etablieren, im ländlichen Raum sei dies aber noch lange nicht der Fall, erklärt Kathrein. „Dass Dialektbegriffe aus bestimmten Domänen aussterben, ist klar, der bäuerliche Bereich zum Beispiel gehört nun mal nicht mehr zur heutigen Lebensrealität.“  In anderen Teilbereichen unseres Alltags erlebe Dialekt dafür eine Renaissance, beispielsweise beim Massaging per Handy und Smartphone. „Dialekt funktioniert eben nach wie vor als Erkennungsmerkmal und vermittelt das typische ‚Wir‘“, meint Kathrein.

Innsbruck ist in puncto Dialekte eine Multikulti-Stadt. Gerade deshalb braucht man den eigenen Dialekt keinesfalls zu verstecken (was ja meist ohnehin nur schwer unmöglich ist.) Mehr oder weniger Dialektfärbung, je nachdem woher der Gesprächspartner kommt, ist wohl für alle die einfachste Lösung. Und für den Fall, dass man aufgrund fehlender Anpassungsfähigkeit des Gegenübers, selbst nichts versteht, fragt man am besten ebenfalls übertrieben mundartig oder mit einem astreinen „Wie bitte?“ nach.

Fotos: Lisa Probst

Share
Share
Share