Wer ist dieser Halloween?

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Schon seit Jahrzehnten geht es mittlerweile in Europa um: Halloween. Ein kommerziell gepushter Trend aus den USA, der sich zu Allerseelen, Allerheiligen und dem Reformationstag dazugesellt und sie alle unterdrückt. Doch was ist Halloween eigentlich wirklich?

Das kommende Wochenende dauert von Donnerstag, den 1. bis Sonntag, den 4. November. Das heißt, diese Woche hat drei Wochentage und vier Tage Wochenende! Hört sich erstmal schön an, bringt für mich aber irgendwie unangenehm schwierige Entscheidungen mit sich. Vor etwa zwei Wochen habe ich meiner Freundin zugesagt, mit ihr und ihrer Familie in Südtirol „Allerheiligen“ zu begehen. Damals hatte ich dummerweise nicht auf dem Schirm, dass der Abend davor ja der Halloween-Abend ist, an dem ich in Innsbruck zu einer Hausparty eingeladen bin, auf die ich mich schon lange freue. Zusätzlich bot sich mir  Möglichkeit, mit einem Freund „nach Hause“ ins Rhein-Main Gebiet zu meiner Familie zu fahren, die ich viel (!) zu selten sehe.

Irgendwie habe ich diese Situation nicht so richtig kommen gesehen. Das viertägige Wochenende ergibt sich aus dem Halloween-Abend, sowie den christlichen Feiertagen „Allerheiligen“ und „Allerseelen“. Letztere werden in Hessen (da komme ich her) nicht als Feiertage gelistet, es wird gearbeitet und in die Schule gegangen. Halloween ist dagegen ein großes Spektakel, besonders in den angrenzenden „Ami-Vierteln“. Die Ami-Viertel sind Wohngebiete, in denen Mitarbeiter der US-Army mit ihren Familien wohnen. Aber auch die Deutschen sind größtenteils begeistert von „Trick-or-Treat“, Halloween Partys und allem, was sonst noch so dazugehört.

Allerdings erinnere ich mich daran, wie meine Mutter hin und wieder bemerkte, dass „Halloween“ ja eigentlich ein christlicher Feiertag sei: Am 31. Oktober feiern evangelische Christen nämlich den Reformationstag, im Gedenken an die Reformation der Kirche durch Martin Luther, der am Abend vor Allerheiligen seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben soll.

Kurz zur Übersicht:

                31.10.: Halloween und Reformationstag

                01.11.: Allerheiligen

                02.11.: Allerseelen

Sheesh! Wieder mal was dazugelernt. Doch ich will mehr wissen. Allein schon, dass meine Freundin  behauptete, das heutige Halloween und Allerheiligen „habe nichts miteinander zu tun“ und ich solle besser nicht über die geschichtlichen Hintergründe von Halloween schreiben, erweckte in mir diesen Trieb: Ich muss das jetzt googeln! Wer ist dieser Halloween und wie kam es dazu, dass er drei christliche Feiertage überstrahlt, die sich um ihn herum befinden?

Nach einem tricky surf über verschiedenste Wikipedia-Seiten, den Spiegel und ein paar andere Quellen habe ich mir mein Bild davon gemacht. Das war nämlich so:

Dass Halloween heute in Mitteleuropa auf die klassische Art gefeiert wird, ergab sich aus einer Durchmischung von keltischen (vorchristlichen) und christlichen Traditionen, welche in Irland und Teilen Großbritanniens zwischen etwa 300 v.Chr. und der Mitte des 19. Jahrhunderts lange zusammen vor sich hin köchelten.

Um etwa 300 v. Chr. gab es in der keltischen Zeitrechnung im heutigen Irland ein Fest, welches den Winterbeginn markierte. Dieses findet sich oft unter dem Namen „Samhain“ (gesprochen „Sao-ihn“) und fand etwa anderthalb Monate nach der Herbst-Tagundnachtgleiche statt (der Tag, an dem zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang genauso viel Zeit vergeht, wie zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang). Laut verschiedenen Überlieferungen glaubten die Menschen damals, dass an Samhain die Seelen der Toten aus dem Jenseits ins Diesseits zurückkehren konnten. Man habe sich damals schon verkleidet, Opfergaben vor die Tür gelegt und ähnliche Rituale zur Besänftigung oder Abschreckung der Geister praktiziert. Außerdem diente der Abend wohl als Anlass für ein gepflegtes Trinkgelage.

Als Irland dann 800 Jahre später um etwa 500 n. Chr. christianisiert wurde, versuchten die Missionäre, die heidnischen Feiertage durch christliche zu ersetzen. Zack! Jetzt feiern wir nicht mehr Samhain, sondern Allerheiligen. Dieser Gedenktag zu Ehren aller christlichen Märtyrer wurde vom heiligen Papst Gregor dem IV. in den römischen Generalkalender aufgenommen. Dazu gab’s gleich noch den „Allerseelentag“, dessen Einführung auf den Abt Odilo von Cluny im Jahre 998 zurückgeht und an dem die Christen ihrer Verstorbenen und aller armen Seelen im Fegefeuer durch Gebet und Ablässe gedachten. Historiker und Religionswissenschaftler gehen davon aus, dass sich keltische und christliche Bräuche vermischten und über die Jahrhunderte das Halloween (kommt übrigens von „all hallows evening“) der Iren im 19. Jhdt. hervorbrachten. Beide Feiertage weisen jedenfalls einen Bezug zum Tod und zum Jenseits auf.

Vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit kam es auf den englischsprachigen Inseln in der Halloween-Nacht immer wieder zu Streichen, Ruhestörungen und Belästigungen. Christliche Instanzen beschwerten sich über „abergläubische und tadelnswerte Riten“. Ab dem Anfang des 17. Jahrhunderts bekam Halloween zusätzlich Konkurrenz durch den Reformationstag. Von da an wurde Halloween eher in den katholisch gebliebenen Gebieten der Inseln, besonders in Irland, gefeiert.

Als dann Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund einer Hungersnot massenweise Iren in die USA auswanderten, brachten sie ihren Brauch mit, der dort auf fruchtbaren Boden fiel. Und dass wir in Europa in den 90er Jahren eine Menge Trends aus den USA übernommen haben, ist ja nix neues. Tja, so kam es also dazu, dass mittlerweile auch hier am 31.10. vielerorts orange und schwarz dekoriert wird und es von verkleideten Menschen, beleuchteten Kürbisfratzen und Spezialeditionen von Süßigkeiten wimmelt. Mysterium gelöst!

So wie’s aussieht werde ich über das lange Wochenende ins reformierte und amerikanisierte Rhein-Main-Gebiet fahren, zu meiner Family, in meine alte Hood. Wird bestimmt cool und nice! Vielleicht geht ja auch Party-mäßig was an Halloween… Weil wenn man schon einen Anlass zum feiern hat, dann darf man den auch gerne nutzen. Haben die Leute ja immer schon gemacht.

Happy Halloween!

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Autor: Felix Unverzagt

Fotos (nach CC0 via Pixabay): Jill111 (Beitragsbild), Mariamichelle, Pavlofox, hbieser

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