Rappender Mönch im Bach gesichtet

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Tobias Ennemoser, Teil des „Jedermann“-Orchesters in Salzburg, überrascht seit ungefähr zwei Jahren mit seinen Youtube-Videos. Sein Künstlername ist TubAffinity. Das Genre ist Freestyle-Funk mit Beat-Box-Glasur und Kabarett-Sträuseln als Toping.

Tobias Ennemoser erscheint mit ein paar Minuten Verspätung am Treffpunkt. Er entschuldigt sich, das Schminken habe etwas länger gedauert. In den vergangenen Stunden beschäftigte er sich mit seinem Style und seinem Make-Up. Letzteres habe er sich heute sogar noch gekauft. Tobias Ennemoser ist einen Meter neunzig groß und siebenundzwanzig Jahre alt. Er hat einen Bart und Kleidergröße XXL. Nach der Erklärung kommt die erste Frage: Ist der Kimono in Kombination mit der Ziegenglocke zu viel? Schnell werden ein paar Selfies gemacht, um das zu checken, und schon landet der Kimono auf der Straße.

Die musikalische Karriere von Tobias begann wie viele andere: Als Kind spielte er Blockflöte, Geige sowie Posaune und sang im Chor. Doch das begeisterte ihn kaum. Mit 14 Jahren erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch: Er lieh sich eine Tuba aus und begann zu üben. In dem Alter war es ihm jedoch peinlich mit diesem Instrument nach Hause zu kommen. „Meine Eltern unterstützten mich zwar finanziell, hatten aber wenig Verständnis für meine Leidenschaft “, sagt Tobias. Das liegt daran, dass der Beruf des Tubisten nicht in ihr Lebenskonzept passt und generell eher unbekannt ist. Obwohl die Tuba mittlerweile im Trend ist. Neben der Blasmusik-Szene bauen Pop-Bands das Instrument vermehrt in ihren Sound ein. Diese beiden Genres waren für Tobias jedoch nie sonderlich relevant. Schon als Jugendlicher mochte er Funk-Musik und spielte damals auch in einer Band namens Dr. Biene. Vor allem die Shows bereiteten ihm sehr viel Freude. Deshalb wollte er auch lernen wie man richtig Musik macht und der beste Weg dafür schien damals eine Ausbildung am Musikgymnasium und ein Studium der klassischen Musik zu sein. Spätestens in seiner Ausbildung am Mozarteum, merkte er, dass dieses Genre nicht seine Leidenschaft ist und er entfernte sich von der Klassik. „Denn diese Musik ist streng und autoritär. Die Szene ist altmodisch und konservativ“, erklärt er. Im Studium werden die Studenten und Studentinnen zu Orchestermusikern oder Solisten ausgebildet. Dabei ist die Technik das wichtigste. Das widersprach den Wünschen von Tobias. Er wollte musizieren, Lieder schreiben, arrangieren, sich selbst schlichtweg kreativ ausleben und lernen wie Musik funktioniert.

In Salzburg beschäftigte er sich jedoch nicht nur mit klassischer Musik, sondern setzte sich auch mit Jazz auseinander. Er lernte Jazz-Musiker kennen. Sie jammten und spielte Konzerte. Da er sich autodidaktisch mit diesem Stil befasst hatte, konnte er mit ihnen auftreten. Trotzdem stieß er an seine Grenzen. Als er schließlich ein Konzert der Big Band der Dozenten und Dozentinnen der Anton Bruckner Universität im „Jazzit“ erlebte, wusste er, dass er dort studieren wollte. Nach zwei Jahren brach er somit die Ausbildung am Mozarteum ab und wechselte in die Abteilung für Jazz und Improvisierte Musik an der Anton Bruckner Universität.

Mittlerweile hat er sein Studium beendet und arbeitet an verschiedensten musikalischen Projekten. So spielte er als Tubist bei der Inszenierung des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen mit und veröffentlicht seit zwei Jahren Videos auf Youtube. „Ich bin mit Youtube aufgewachsen und wollte schon immer Musik-Videos machen. Das hat als ein Versuch begonnen“, erzählt Tobias, dessen Künstlername TubAffinity lautet. An diesem arbeitet er noch heute. Seine letzten zwei Veröffentlichungen sind „Haushalt“ und „Schokolade“. Die Unterschiedlichkeit der Videos zeigt, dass es keine Leitlinie gibt, außer Freude und Interesse an der Arbeit. Das verfolgt er auch bei seinem neuen Solo-Programm, das sich ebenfalls TubAffinity nennt. Am Donnerstag, den 11. Oktober, fand der erste Auftritt im Wiener Lokal „Das B.A.C.H.“ statt, wo er die Vorband von „Gewürztraminer“ bildete. Tobias stand in einer Mönchskutte auf der Bühne. Um seinen Hals hing eine goldene Rapper-Kette. Seine Vielfalt und Verrücktheit erklärt er auch durch eine innere Suche: „Momentan weiß ich noch nicht genau, was ich darstellen und vermitteln will. Aber ich glaube, dass ich meine Richtung bald finde.“

Titelbild & Foto 1: Christina Vettorazzi

Foto 2: Dino Bossnini

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