Imagine losing Imagination

Share

Felix Kremsner an der Gitarre. Tom Hiltpolt am Bass. Sam Siefert an den Drumms. Ladies and Gentlemen, das ist Imagination.  

Anfang Februar 2017 haben Sam Siefert und Felix Kremsner ihr erstes Album Growing Love in der Innsbrucker Spielstätte The Early Bird vorgestellt. Ende Februar hat sich Tom Hiltpolt den beiden angeschlossen. Kurz darauf folgte das zweite Album Amplitude. Seither haben sie innerhalb und außerhalb von Innsbruck immer wieder Konzerte gegeben. Ihr Sound zeichnet sich durch eine experimentelle Klangfarbe aus, die Elemente aus den Bereichen Jazz und Pop vereint. Anfang Mai wurde das dritte Album aufgenommen. Momentan befindet es sich in den letzten Zügen der Produktion. Die CD und Vinyl erscheinen voraussichtlich im Herbst.

Nun befindet sich die Band in einer Umbruchsituation. Sam Siefert, der Drummer, zieht dieses Wochenende nach Bielefeld um dort seinen Master in Literaturwissenschaft zu machen. Er arbeitet an einer Karriere als Literaturwissenschaftler. Tom und Felix bleiben in Tirol. Wie sieht nun die Zukunft von Imagination aus?

Felix Kremsner (li.), Sam Siefert und Tom Hiltpolt (re.) vor dem Abschiedskonzert am vergangenen Samstag.

 

Die Zeitlos: Wie geht es jetzt mit Imagination weiter?

Sam: Es ist eigentlich so geplant, dass Tom und Felix hier als Duo weiterarbeiten. Sie nennen sich Pasta Express. Im Juli findet dann auch schon ein Konzert statt. Aber Imagination löst sich nicht auf. Wir werden weiterhin zusammenarbeiten. Wenn einer von uns eine Idee hat, kann derjenige den Sound aufnehmen und verschicken. Die anderen senden dann eigene Impressionen zurück. Treffen werden wir uns vorwiegend für die Gigs. Einen Tag vor dem Konzert würde ich nach Innsbruck kommen oder die beiden nach Bielefeld, je nachdem wo wir spielen. Dann können wir zwei bis drei Stunden proben. Das sollte genügen. Wir sind mittlerweile so eingespielt, dass das Grundgefühl passt. Ich bin sehr zuversichtlich, dass der Plan funktioniert.

 

D.Z.: Was genau bedeutet „eingespielt“? Ist das wie beim Sport, dass man ein Gefühl für einander bekommt und ab einem gewissen Level alles von selbst funktioniert?

Tom: Ja, es ist wie beim Fußball. Man weiß, wo die anderen sind und versetzt sich in sie hinein. Manchmal nimmt man sich zurück, damit ein anderer bei einer bestimmten Stelle mehr Freiraum hat. Es geht darum, die Kollegen gut zu kennen.

Sam: Wir starten auch fast jede Probe mit einer Jam. Oft beginnt einer von uns zu spielen und der Rest setzt innerhalb kürzester Zeit ein. Daraus kann sich viel entwickeln, was wir später bearbeiten können.

 

D.Z.: Kommt eure Musik also beim Experimentieren zustande?

Sam: Ja, unsere Lieder werden nicht komplett von einer Person komponiert. Wenn einer von uns eine Idee hat, meist ist das Felix, wird diese ausgearbeitet. Die anderen beiden bringen dabei ihre Eindrücke ein. Daraus entwickelt sich der Sound.

 

D.Z.: Felix, woher nimmst du deine Inspiration?

Felix: Wenn ich schreibe, ist das oft eine sehr gefühlsbetonte Situation. Ich werde von einem Gefühl überwältigt und beginne zu schreiben. Das ist meine Hauptinspiration für das Texten. Wie das Ergebnis aussieht, hängt auch davon ab, was ich in den Tagen und Wochen davor gehört habe. Ich lasse mich stark von der Musik beeinflussen, die mir gerade gefällt.

 

D.Z.: Wie sieht dein Plan für die Zukunft aus?

Felix: Wenn ich das wüsste. Momentan arbeite ich im Bereich der sozialen Betreuung und unterrichte zeitweise ein bisschen. Ich möchte unbedingt weiterhin Musik machen und musikalische Projekte umsetzten. Cool wäre eine Anstellung als Gitarrenlehrer an der Musikschule. Ansonsten werde ich einfach schauen, was sich ergibt.

 

D.Z.: Wie geht es bei dir weiter, Tom?

Tom: Gute Frage, das steht noch in den Sternen. Jetzt werde ich zuerst einmal mein Studium beenden. Ich studiere Deutsch und Geschichte auf Lehramt und beginne bald mit der Diplomarbeit. Hoffentlich kann ich dieses Kapitel damit abschließen und weiterhin Musik machen.

 

D.Z.: Du arbeitest ja auch als Paragleit-Lehrer. Ist die Wirkung vom Paragleiten vergleichbar mit jener eines Auftritts? Und gibt es Momente, in denen dir die Kombination zu viel ist?

Tom: Ja, das ist definitiv eine Herausforderung. Gerade heute habe ich den ganzen Tag gearbeitet und bin anschließend direkt hergekommen. Sam hat sogar mein Instrument aus dem Bandraum holen müssen, weil es sich zeitlich nicht anders ausgegangen ist.

Die Wirkung vom Fliegen und Musizieren ist tatsächlich ähnlich. Bei beidem versucht man sein Gehirn auszuschalten. Es geht darum im Jetzt zu leben. Mittlerweile ist dieser Satz eine Floskel geworden, aber eigentlich ist es unheimlich schwierig. Man zerbricht sich immer den Kopf über etwas.

 

D.Z.: Wie würdest du die Beziehung von der Literatur und der Musik einstufen?

Sam: Ich denke, dass sie stark kooperieren. Wenn ein Musiker ein Buch liest, in dem Musik thematisiert wird, liest er es vermutlich anders als ein Nicht-Musiker. Man geht mit einem anderen Verständnis an die Sache heran und muss sich nicht erst Wissen aneignen, um das Themenfeld zu verstehen. Natürlich achte ich auch sehr auf die musikalischen Elemente in einem Buch.

 

Die Abschiedsparty von Sam Siefert fand am Samstag, den 30. Juni, in The Early Bird statt. Zahlreiche Künstler kamen zum Mitspielen und Singen vorbei. Darunter befand sich auch Ihr Produzent Christian Larese und der Violinist Saw Thet Tun Oo. Im Herbst kommt Sam Siefert noch einmal für ein Praktikum nach Innsbruck. Die Fans dürfen somit auf weitere Konzerte in dieser Zeit hoffen.

 

„All diese Musiker haben meinen musikalischen Werdegang geprägt“, sagte Sam Siefert am Anfang des Konzerts. 

 

Zuerst wurden drei Lieder der Band Imagination gespielt. Dann folgten Features. 

 

Francisco Fernández schloss sich Imagination mit seiner Gitarre an.

 

Gunter Gänsluckner übernahm kurzfristig mit seiner Trompete die Show. 

 

Nach dem offiziellen Konzert ging die Jam-Session noch weiter. 

 

„Es war eine sehr schöne Zeit! Ich bedanke mich bei allen, die mich begleitet haben“, sagte Sam. 

 

Fotos: Christina Vettorazzi

Share
Share
Share